Nicht nur Hunde können der Liebe auf die Sprünge helfen
Mitspielen ist angesagt!

Ein Ausflug zum Rheinufer kann vieles bewirken: der Kopf wird frei, der Rücken entspannt und man nimmt sogar ein bisschen ab.
Der positivste Aspekt ist aber, dass man manchmal eine Erleuchtung hat. Ich bin kein schüchterner Mensch, aber es ist oft schwierig mit
anderen in Kontakt zu kommen. Ganz egal ob es darum geht, neue Freunde oder Mister Right zu finden. Bei einem meiner Spaziergänge kam ich
dann auf den Hund. Es ist erstaunlich, wie einfach es ist anzubändeln, wenn ein Vierbeiner mit von der Partie ist. Das gilt übrigens für
beide Geschlechter. Ein Hund scheint alle anzuziehen - das einzige, was zumindest bei Frauen, noch besser wirkt, sind Babys.
Also, fragte ich bei meinen Freunden nach, ob meine Beobachtungen stimmen. Im Endeffekt waren sich alle einig: Ja, ein Hund ist perfekt zum Flirten,
allerdings gibt es klare Regeln. Am besten machen sich Welpen - die sind einfach süß. Schwarze Hunde sind zum Flirten nicht optimal, da viele durch
die Farbe abgeschreckt werden. Kann ich zwar nicht nachvollziehen, aber okay. Hunderassen, die als aggressiv gelten, sind natürlich auch schwierig.
Männer fühlen sich von großen Hunden angezogen, Frauen von kleinen. So weit so gut. Wer selber keinen Hund hat, kann sich im Tierheim übrigens einen
»ausleihen«. Die meisten Tierheime sind froh, wenn sie ehrenamtliche Gassi-Gänger haben. Allerdings muss man sich dafür qualifizieren: In Mainz
braucht es die Mitgliedschaft im Förderverein und die Teilnahme an der Einführungsveranstaltung.
Meine »Forschungsergebnisse« zu testen war allerdings schwierig. Ich habe nämlich Angst vor Hunden. Aber trotzdem schien mir ein System dahinter
zu stecken. Der Diplom-Pädagoge Joachim Grosch erklärte das so: »Ein gemeinsames Thema zu haben ist perfekt. Ganz egal ob es sich um einen Hund,
eine Fortbildung, einen Sport- oder Malkurs handelt. Manchmal reicht es schon, wenn man gemeinsam auf den Bus wartet.« Ein Gesprächsthema alleine
reicht aber nicht aus. »Es ist vor allem wichtig, ganz offen auf andere zuzugehen. Man muss den Mut haben, sich anderen zuzumuten«, weiß der
Supervisor der regelmäßig in der vhs Mainz stattfindenden Flirtkurse. »Ein Flirt ist im Gegensatz zur Anmache eigentlich immer absichtslos.
Das heißt, man kann mit jedem flirten: dem Tankwart, dem Mensch, der vor einem in der Schlange steht, seinem Sitznachbarn im Bus. Ein Lächeln
und ein freundlicher Blick machen gute Laune für Stunden.«
Wenn man aber nun tatsächlich auf der Suche nach dem Mann fürs Leben ist? »Ich vergleiche die Situation oft mit einem Fußballspiel«, lacht der
Mainzer Flirt-Spezialist. »Zuerst muss man herausfinden, wo man sich im Stadion befindet - auf der Tribüne oder auf dem Platz. Denn nur wer
mitspielt, kann auch ein Tor schießen.« Das heißt, man muss aktiv an die Sache herangehen. »Und mit offenen Augen durch die Welt gehen.
Manchmal haben wir so viel um die Nase, dass wir gar nicht merken, was um uns herum passiert.«
So, der erste, intensive Blick ist gewechselt, aber dann wird es im Normalfall schon schwierig. »Falsch. Das ist der wichtigste Moment. Denn
für einen ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance«, weiß Grosch. »Zuerst der offene Blick, dann die Körperhaltung. Sprache ist eher
untergeordnet.« Das heißt, Kinn hoch, Brust raus und Bauch rein. Und vielleicht nicht im Sackkleid oder in Sandalen mit weißen Socken aus
dem Haus gehen. »Natürlich ist auch das Outfit wichtig. Es muss zur Person passen, nicht deplatziert sein und einen eigenen Stil haben.
Ganz häufig gehen die Frauen zu sparsam mit ihrer Weiblichkeit um und Männer ziehen manchmal gerade das an, was im Schrank oben lag.«
Also: ein gemeinsames Thema zu haben ist beim Flirten hilfreich, mit offenen Augen durch die Welt zu ziehen ist unabdingbar, Körperhaltung und
Outfit müssen stimmig sein. »Das Ganze muss aber mit einer gewissen Leichtigkeit passieren. Krampfhaft suchen schadet eher.« Katzenfreunde wie
ich sollten sich also keinen Hund ausleihen. »Man muss sich erst selber kennenlernen, bevor man andere einfach kennenlernt.« Ansonsten hilft
auch der süßeste Welpe nicht.
Daniela Tratschitt