Studentische Unternehmensberatung
Aus Theorie mach Praxis
Voneinander lernen, potenzielle Geschäftskontakte knüpfen und schon während des Studiums möglichst zahlreiche Praxiserfahrungen sammeln:
1999 gründeten Studierende der Uni Mainz einen Verein, der sich neben Wissensvermittlung vor allem die Praxiserfahrung während der Studienzeit
auf die Fahne geschrieben hat. Berater Mainz e.V. nennt sich der gemeinnützige Verein und bezeichnet sich selbst als studentische Unternehmensberatung.
Um die 50 Mitglieder aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen zählt der Verein momentan; Denise Ott ist eine von ihnen.
Fragt man die Studentin der Wirtschaftswissenschaften, warum sie sich für ein aktives Mitwirken im studentischen Verein entschieden hat,
muss sie nicht lange nachdenken: »Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht mein theoretisches Wissen schon während des Studiums praktisch
anzuwenden. Die Berater schienen mir da eine gute Lösung zu sein.« Jörg Vosen, Vorsitzender des Vereins, ist hingegen eher durch Zufall
auf die studentische Unternehmensberatung aufmerksam geworden: »Ein Kommilitone hat mir von den Beratern erzählt, ich fand es interessant
und bin einfach mal hingegangen.« Das war vor ungefähr einem Jahr. Seitdem ist der angehende Diplomgeograph aktiv dabei, seit Februar
dieses Jahres sogar als Vorsitzender. Doch wie sieht die Arbeit einer studentischen Unternehmensberatung konkret aus?
Wissensvermittlung und Weiterbildung
»Ein wichtiges Anliegen des Vereins ist die interne Wissensvermittlung«, erklärt Ott und Vosen ergänzt: »Es finden regelmäßig Schulungen
und Fortbildungen statt. Meistens werden diese von älteren Semestern gehalten, die so ihr praktisches Wissen an die neuen Mitglieder weitergeben.«
Abgedeckt werden mit Hilfe dieser internen Schulungen möglichst alle Wirtschafts- und Unternehmensrelevanten Sachgebiete wie etwa Personalmanagement,
Rechnungswesen oder Projektmanagement. Darüber hinaus gibt es im Verein ein internes Datenbanksystem, auf das jedes Mitglied Zugriff hat und sich
so jederzeit über bestimmte Themengebiete informieren kann. Einmal im Jahr steht außerdem ein Treffen mit 24 weiteren studentischen
Unternehmensberatungen aus der gesamten Bundesrepublik auf dem Programm. Im Vordergrund stehen hier ebenfalls Schulungen: »Die Auswahl
an Themen ist hier wirklich groß und ich finde es schön, dass man sich an Hand seiner
Interessen weiterbilden kann«,
begeistert sich Ott. Pro besuchter Schulung können sich die Studierenden einen Punkt eintragen
lassen: Mit 36 Punkten aus unterschiedlichen Schulungen erhalten sie dann eine Urkunde als »Junior Consultant«: »Diese kann man dann zum Beispiel
bei späteren Bewerbungen einreichen. Die meisten Firmen wissen damit dann auch etwas anzufangen«,
erklärt Vosen.
Von der Theorie in die Praxis
Neben Wissensvermittlung und Weiterbildung setzt die studentische Unternehmensberatung aber auch auf praktische Projektarbeit. Von
Beratungsgesprächen für Unternehmensgründungen, über das Erstellen von Recruitment - Verbesserungsstrategien für einzelne Firmen bis hin zur
Gestaltung von Internetauftritten bieten die Studierenden ihre Leistungen an - und werden regelmäßig gebucht. Umsonst sind diese Dienste
natürlich nicht; zur Finanzierung des Studiums reicht das so verdiente Geld allerdings auch nicht aus: »Unser Preis- Leistungsverhältnis
ist einmalig gut«, lacht Vosen und Ott fügt hinzu: »Das Geld steht bei den Projekten aber keineswegs im Vordergrund. Es ist eher ein netter
Nebenverdienst.«
Ist das überhaupt möglich - ein gemeinnütziger Verein, der Serviceleistungen anbietet und diese in Rechnung stellt? Vosen schüttelt den Kopf:
»Als Verein dürfen wir ja nichts verdienen«. Um dennoch Projekte annehmen und auch in Rechnung stellen zu können, haben sich die Berater eine
praktische Lösung einfallen lassen: Die Projekte werden zunächst innerhalb des Vereins publik gemacht und jedes Vereinsmitglied kann sich auf
die verschiedenen Projekte bewerben. Der Vorstand entscheidet dann über die Zusammensetzung der unterschiedlichen Teams. Hat sich eine
Projektgruppe gefunden, gründet diese eine vom Verein unabhängige Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), über die die Projekte ganz normal
abgerechnet werden können. Eine Situation, von der beide Seiten profitieren, findet Ott: »Das ist für uns Studenten eine gute Möglichkeit
das theoretische Wissen in die Praxis umzusetzen und ein bisschen Geld nebenher zu verdienen. Für die Unternehmen besteht der Mehrwert
auf der anderen Seite darin, dass wir noch ganz frisch am neuesten Wissen dran sind.«
Infos: www.berater-mainz.de
Katrin Henrich