Knapp bei Kasse?
Energie sparen hilft

Die Idee ist naheliegend: Menschen, die wenig Geld haben zu erklären, wie sie Energie einsparen können. »Die meisten Kunden sind so dankbar, wenn sie merken, wie einfach es ist, Energie und damit Geld zu sparen«, sagt Tatiana Gritsovskaya. Die gebürtige Russin ist im Rahmen der bundesweiten Stromspar-Check-Aktion in Mainz unterwegs. Sie trägt mit ihrer Arbeit dazu bei, den Energieverbrauch zu senken, das Haushaltseinkommen bedürftiger Menschen zu erhöhen und erschließt sich selbst, als Langzeitarbeitslose ein Arbeitsfeld.
Viele ihrer Kunden akquiriert
Tatiana Gritsovskaya selbst. Sie
schaut bei der »Tafel« vorbei, geht
zu SpaZ und zu Institutionen, die
Deutschkurse anbieten. Überall,
wo Menschen zusammenkommen,
die bedürftig sind, kommt sie mit
denen ins Gespräch, die ihren Kindern
zum Beispiel einen Fußball
kaufen können, wenn sie Strom
sparen. Die aber oft nicht an die
Infokanäle rankommen, in denen
Energiesparen in allen Facetten
begründet und erklärt wird.
Ist der Kontakt hergestellt, vereinbart
Tatiana Gritsovskaya einen
Termin zum Hausbesuch und
checkt, gemeinsam mit einem Kollegen,
alle Energiequellen in der
Wohnung: Kühlschrank, Waschmaschine,
Herd, sämtliche Leuchten,
Wasserkocher. . Anhand von Rechenbeispielen
erklärt Gritsovskaya,
was es in Euro und Cent pro
Jahr bringt, einen alten, Stromfressenden
Kühlschrank gegen
einen neuen zu ersetzen.
Oder warum
für eine Tasse Tee der Wasserkocher
nicht bis zum Rand gefüllt
werden muss. Oder dass ein langes
Waschprogramm bei niedrigerer
Wassertemperatur Geld spart
und die Wäsche trotzdem sauber
wird. Im Werkzeugkoffer hat Tatiana
Gritsovskaya die Prüf- und
Messgeräte dabei, mit Schraubenziehern
hantieren kann die diplomierte
Bauingenieurin sowieso
und die vielen Details, die sparen
helfen, hat sie in einer speziellen
Schulung gelernt.
»Ich bemühe
mich immer, Interesse zu wecken,
alle Familienmitglieder in die Erklärungen
einzubinden«, sagt Gritsovskaya.
Vorträge zu halten, zu
Monologisieren, mache wenig
Sinn. Im Dialog mit den Menschen
kann sie die Einsparmöglichkeiten
anhand der jeweiligen Verhaltensweisen
erklären. Das überzeugt.
Beim zweiten Besuch bringt
Gritsovskaya den individuellen
Sparplan mit: Detailliert ist darin
ausgerechnet, was neue Geräte
und veränderte Verhaltensweisen
an Geld bringen.
Der Sparplan listet
bei jeder Einsparmöglichkeit
auch auf, wie viel CO2 eingespart
werden kann: »Es ist wichtig, darauf
hinzuweisen, dass Energiesparen
gut für die Umwelt ist.«
Diverse Artikel, die sofort den
Energieverbrauch reduzieren, wie
Energiesparlampen, Wasserperlator
und Steckdosenleisten im Wert
von bis zu 70 Euro pro Haushalt
kann Gritsovskaya an ihre Kunden
verschenken. Das gehört zu dem
kostenlosen Beratungsprogramm
dazu.

Fragen zu den Abrechnungen
sind manchmal auch Thema in
diesem Beratungen: Nur wer weiß,
wie sich der Strompreis zusammen -
setzt, worauf bei einem Anbieterwechsel
zu achten ist, kann wirklich
und dauerhaft sparen. »Wenn
ich merke, dass die Kunden meinen
Ausführungen in Deutsch
nicht richtig folgen können, erkläre
ich es eben in Russisch.« Ein
Vorteil der Zweisprachigkeit der
gebürtigen Russin. Die 55-Jährige
lebt seit elf Jahren in Mainz,
wurde nach Jahren der Erwerbsarbeit
langzeitarbeitslos.
Sind die Kunden damit einverstanden,
werden sie ein Jahr nach
dem Stromspar-Check telefonisch
gefragt, wie viel sie tatsächlich
eingespart haben. »Ich hätte nicht
gedacht,
dass diese Arbeit
so interessant
und so sinnvoll ist«, bilanziert
Tatiana Gritsovskaya nach fünf
Monaten als Stromsparhelferin.
Vermittelt wurde ihr dieser Job
von der Mainzer ARGE für Arbeismarktintegration
- die zweite Säule des bundesweiten Programms
beinhaltet den Einsatz von Langzeitarbeitslosen.
Zeitlich befristet
erhalten sie die Chance, einen
Weg zurück in ein Dauerarbeitsverhältnis
zu finden. 1,70 Euro pro
Stunde erhält Tatiana Gritsovskaya
für diese Beratungsarbeit, die
Fahrtkosten zu den Kunden muss
sie aus dieser »Entlohnung« selbst
finanzieren.
SoS