Problem erkannt - Lösung gefunden:
Gefahrloses üben auf dem Motorrad
40 Jahre nachdem er den Führerschein Klasse 3 gemacht hat, widmete sich Detlev Höhne erneut intensiv den Verkehrsregeln. Als Fahrschüler.
Die satten Blubbergeräusche von Harley Davidson hatten es ihm angetan. Bevor der Stadtwerke-Vorstand das Kultbike erstmals ausfahren konnte,
musste er Theorie büffeln und Hütchen umrunden. Dabei erkannte er einen Mangel - und weiß ihm abzuhelfen.
»Ich dachte im Ernst, mit 40 Jahren Fahrpraxis wird der theoretische Unterricht ein Spaziergang - nach der ersten Unterrichtsstunde war klar,
ich muss richtig lernen!«,bekennt Höhne.

Fahrlehrer Rainer Moses weiß, dass aktive Verkehrsteilnehmer von heute in den aktuellen Verkehrsregeln nicht hundertprozentig fitt sind:
Die zahlreichen Änderungen im Laufe der Jahre haben die wenigsten so verinnerlicht, dass sie auf die Prüfungsfragen ohne entsprechende
Unterweisungen die richtige Antwort wüssten. »Wissen Sie, wie lange es dauert, bis sich Haschisch im Körper abgebaut hat?«, nennt der
Stadtwerke-Vorstand ein Beispiel. Sein Fahrlehrer bestätigt, dass es sich bei diesen Fragen nicht um einen Drogentest handelt - sie
sind Bestandteil von theoretischen Fahrprüfungen. »Es ist wichtig, sich in regelmäßigen Zeitabständen intensiv mit den Neuerungen zu
beschäftigen, entsprechende Überlegungen, das vorzuschreiben, halte ich für sehr sinnvoll«, meint Höhne. Was den praktischen Unterricht
anbelangt, hat der »alte« Führerschein für Detlev Höhne klare Vorteile: weniger Pflichtfahrstunden. Seine »Mitschülerin«, Sabina Dunckel,
saß häufiger auf der Yamaha XJ 600 N: Ihr B-Führerschein, vor sieben Jahren gemacht, erlaubt keine Stundenreduzierung. »Im Durchschnitt
absolvieren die Fahrschüler bis zur Motorradführerschein-Prüfung 25 Fahrstunden«, stellt Rainer Moses klar. Wobei die Gestaltung dieser
Stunden nicht ganz einfach ist: Wo üben die Biker Kreise fahren? Wo lernen sie, das Gleichgewicht beim Hütchenumkurven zu behalten?
Wo können Sie, ohne den fließenden Verkehr zu beeinträchtigen, Bremsübungen machen?
Einen entsprechenden Verkehrsübungsplatz gibt es nicht in Mainz. Höhne und Dunckel haben auf dem Parkplatz des Mombacher Schwimmbads geübt -
wenn der nicht von Badbesuchern belegt war. »Oder wir sind an die Nato-Rampe nach Laubenheim gefahren, allerdings ist das Verbundpflaster
dort sehr uneben und es hat viele Wurzeln, die insbesondere beim langsamen Umfahren der Hütchen die Maschine ganz schön ins Wackeln bringen
können«, erinnert sich Sabrina Dunckel. Rainer Moses weiß, dass diese Fahrstunden auch für Fahrlehrer schwierig sind, denn selbst auf einem
öffentlichen Parkplatz und einer weniger stark befahrenen Straße muss er den fließenden Verkehr im Auge behalten. Und seinen Fahrschüler erst
recht. Anders als im PKW kann er nicht direkt eingreifen, wenn es brenzlig wird.

»Im Grunde brauchen die Fahrschulen einen Verkehrsübungsplatz«, ist Moses sicher. Und warum schließen sie sich dann nicht zusammen und pachten
einen solchen Platz? Man, das heißt die Fahrschulen, könnte sich in dieser Frage, besonders was die Finanzierung betrifft, nicht einigen, meint Moses.
Motorradführerschein-Neubesitzer Höhne hat herausgefunden, dass dieses Thema über Jahre hinweg immer mal wieder Gegenstand von öffentlichen
Debatten war und kann nachvollziehen, warum die Fahrschulen mindestens zurückhaltend reagieren, wenn die Finanzierungsfrage zu klären ist:
»Die Fahrschulen wissen ja nicht im Voraus, wie viele Motorradfahrschüler sie haben und ob sie die Investitionen in einen Verkehrsübungsplatz
wirklich stemmen können.« Höhne meint, längerfristig könnte der TÜV, der über die Gebühren der Fahrschüler am Fahrschulgeschäft mitverdient,
einen Verkehrsübungsplatz finanzieren. Kurzfristig bietet der Stadtwerke-Vorstand eine Lösung an:
Der Parkplatz des neuen, von den Stadtwerken gebauten Baseball-Stadions, eigne sich hervorragend für Motorrad-Übungen, denn: »Der Parkplatz
ist groß genug und frei, wenn keine Spiele sind. Außerdem wird er auf Wunsch des Vereins Mainz Athletics mit einem abschließbaren Tor
versehen.« Probeweise, so Detlev Höhne, könne die Fahrschule Moses ihre Motorradfahrschüler dort unterweisen. Später solle darüber
nachgedacht werden, wie auch die Motorradfahrschüler anderer Fahrschulen den Platz nutzen könnten. Mit der kurzfristig zu realisierenden
Lösung will Höhne allerdings die längerfristig avisierte Möglichkeit, den TÜV in die Finanzierung einzubinden, nicht aus den Augen verlieren.
SoS