Am Taubertsberg
Ex-Tauben-Zentrale

Von den einen verflucht und gehasst, von den anderen umsorgt und gefüttert: Tauben sind aus dem Mainzer Stadtbild nicht wegzudenken.
Und während sich die heutigen nach Herzenslust überall mit dicken grauweißen Klecksen verewigen, wo immer man ihnen keine Hindernisse
in den Weg baut, haben ihre Vorfahren es geschafft, sich gleich mit einem Straßenamen in Mainz unsterblich zu machen: dem Mainzer »Taubertsberg«.
Benannt nach der männlichen Taube »Tauber«, oder auch pfälzisch »Taubert«. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde der Straßenname erstmals erwähnt,
damals hieß der Berg noch »Duppesberg«, ebenfalls eine ältere Form für den Tauber. Und auch, wenn man davon heute kaum noch etwas ahnt: früher
müssen sich die Tauben dort tatsächlich in Scharen getummelt haben.
Der Name geht nämlich auf das Mainzer Taubhaus zurück, einen freistehenden
Turm auf einem Pfahl, der nur durch eine Leiter zu betreten war. Ursprünglich war er wohl tatsächlich als Taubenschlag gebaut worden,
wurde später aber als Wachturm genutzt. In dieser Eigenschaft thronte er auf einem erhöhten Punkt des Taubertsberges. Möglicherweise
in der Nähe der Stelle, an der heute die beiden markanten Wohnhochhäuser stehen. Immerhin rund 200 Jahre alt wurde das Mainzer Taubhaus.
Zuletzt diente es der Mainzer Landwehr als Wachturm und wurde im 30-jährigen Krieg zerstört. Und so sieht man mittlerweile kaum noch Tauben
dort oben. Nur manchmal verirrt sich auch heute noch die ein oder andere an den Taubertsberg - vorzugsweise an den Kiosk im gleichnamigen Freibad.

Ilonka Hartmann