Polizeieinsatz mit Handpuppen:
Spielerisch sensibilisieren und erziehen

Er trägt Brille, Weste und ein samtiges Fell - und weiß nicht recht, wie er die Straße überqueren soll: Maulwurf Maurice, der Regenwürmer
zum Fressen gern hat. Er ist der Publikumsliebling im neuen Stück der Mainzer Polizeipuppenbühne. Die Aufführung widmet sich den Gefahren
im Straßenverkehr und hat einen ernsten Hintergrund: Im Dienstgebiet des Polizeipräsidiums Mainz verunglückten im Jahr 2008 255 Kinder,
davon wurden 44 schwer verletzt. »Die Fahrbahn ist zum Fahren, der Gehweg ist zum Geh´n, die Grenze ist der Bordstein, dort bleiben wir
steh´n«, reimt der Junge Felix und zeigt dem Maulwurf, dass man erst nach beiden Seiten sehen muss, ob kein Auto kommt, und erst dann gehen darf.
Von der Geschichte sind nicht nur Kindergartenkinder begeistert, sondern auch Polizeipräsident Karl-Heinz Weber.
Zu seinem Amtsantritt 1968 sei eine eigene Puppenbühne noch sehr ungewöhnlich gewesen: »Für einen solchen Vorschlag
hätte man damals wohl nur Gelächter geerntet«, erinnert er sich und freut sich umso mehr, dass dieses Angebot seit nunmehr drei
Jahren seinen festen Platz hat. Alle Kindergärten, Tagesstätten und Grundschulen in Mainz und Rheinhessen können diesen Service
kostenlos nutzen, insgesamt sind dies etwa 600 Einrichtungen. Neben der Aufführung beinhaltet das Konzept ein Begleitprogramm,
zu dem unter anderem Vorgespräche und Elternabende gehören. Mehr als 4000 Kinder hat die Mainzer Polizei-Puppenbühne auf diese
Weise im vergangenen Jahr erreicht. Der Zuspruch ist so groß, dass die Wartezeit bei knapp zwei Jahren liegt.
Immer Bescheid sagen!

Durch das pädagogische Puppenspiel werden die Kinder spielerisch und altersgerecht für die Gefahren im Straßenverkehr und andere Themen
sensibilisiert. Sie lernen dabei nicht nur mit dem Kopf, sondern können sich in die Figuren hineinversetzen. »Da verschiedene
Sinne und Gefühle angesprochen werden, erinnern sich viele Kinder auch nach Monaten noch sehr gut an das Stück und die Botschaft«,
erklärt Oberkommissar Stefan Löseke. Über einhundert Mal im Jahr ist er gemeinsam mit zwei Kolleginnen und Kollegen
unterwegs. Das Team ist mit viel Herz dabei - vor und hinter den Kulissen.
Die Bühne mit schwarzem Stoffbezug und Samtvorhängen besteht aus zwei Spielebenen und hat die alte schwere Holzbühne abgelöst.
Neu sind auch die Handpuppen mit Jeans, Hemd und Kleidchen in kräftigen Farben. Mit der ausgefeilten Tontechnik können verschiedene
Geräusche und Stimmungen erzeugt werden.
Nach einigen phantasievollen Spielen zur Einstimmung kann es das junge Publikum kaum erwarten, bis es heißt »Vorhang auf«. Diesmal
steht das Stück »Zwei Freunde und ein Roller« auf dem Programm. Zu harmonischer Musik wird der Raum in warmes Licht getaucht. Ein
Schmetterling flattert umher, ab und zu braust ein Auto vorbei. Die kleinen Zuschauer amüsieren sich über Dennis und Sophie, die
auf dem Nachhauseweg von der Schule sind: »Ist die Fahrbahn wirklich frei, geh ich rüber, eins, zwei, drei« - die Grundschüler
kennen den Reim schon von den Vorbereitungstreffen her und machen eifrig mit.
Dann bietet ein Fremder dem Jungen an, ihn im Auto mitzunehmen - worauf er eine klare Antwort parat hat: »Nein, ich fahr nicht mit,
sonst machen sich meine Eltern Sorgen«. Stefan Löseke bespricht die Situation mit den Kindern und verdeutlicht ihnen, wie wichtig es
ist, der Familie immer Bescheid zu sagen. Er berichtet ihnen von seiner Arbeit und bittet sie darum, sich im Auto immer anzuschnallen.
Plötzlich hat Spürhund Wuschel (gespielt von Simone Reck) eine Fährte aufgenommen: Dennis hat sich einfach den neuen roten Roller
»ausgeliehen«, den Max zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Die Schüler sind darüber ganz entrüstet und stimmen den Polizisten
zu: Man muss vorher fragen und darf keinem etwas wegnehmen - und man sollte auch immer gut auf die eigenen Sachen aufpassen.
Gleichzeitig lernen die Kids den Merkspruch für die Notrufnummer 110: »Zwei Hühnerbeine und ein Ei, das ist der Ruf der Polizei.«
Darüber, dass die Botschaften beim Publikum ankommen, freut sich hinter der Bühne auch Steffen Hinkelbach. Die Begeisterung ist nicht
zu überhören und durch das versteckte Sichtfenster kann er auch sehen, was in den Reihen vor sich geht.
Im Nachgespräch werden die Lernziele noch einmal spielerisch wiederholt und die Schüler aufgefordert, Bilder von den verschiedenen Szenen
zu malen - so bleibt ihnen alles noch besser in Erinnerung. Eine weitere wichtige Funktion der Puppenbühne liegt in den Augen von Herbert
Rauter, Leiter des Mainzer Beratungszentrums, darin, Menschen von klein auf die Berührungsängste mit der Polizei zu nehmen. In der Tat ist
für die Kinder nicht nur das Theaterstück ein besonderes Erlebnis, sie können auch, wie ein kleiner Junge begeistert meint, »einem echten
Polizisten mal Hallo sagen«.
Nicole Weisheit-Zenz