Mainzer Unternehmen und...
Die Folgen der Konjunkturkrise

Über ein Jahr ist es her, dass
der Finanzkollaps die Wirtschaft
erschütterte.
Der Konjunktureinbruch hinterlässt
Spuren und auch wenn sich
inzwischen die Stimmen vom Wirtschaftsaufschwung
mehren,
kämpfen noch immer zahlreiche
Firmen mit Umsatzeinbußen oder
müssen Mitarbeiter in Kurzarbeit
schicken. DER MAINZER hat
nachgefragt bei Leitern rheinhessischer
mittelständischer Firmen,
welche Auswirkungen die Krise
auf ihr Unternehmen hat und wie
ihre Zukunftsperspektiven aussehen.
In einem Gespräch mit unserer
Stadtillustrierten äußert sich
Peter Karrié, Geschäftsführer der
Karrié Bau GmbH & Co. KG, über
die Konjunkturkrise und die Situation
in seinem Betrieb.
Herr Karrié, wie laufen Ihre Geschäfte?
Peter Karrié:
Der Geschäftsverlauf sieht sehr
durchwachsen aus. Wir hatten das
Glück, dass wir einen großen Auftragsbestand
aus 2008 in dieses
schwierige Jahr mitnehmen konnten.
Dieser ist jetzt zwar abgearbeitet,
aber es kommen kontinuierlich
neue Aufträge rein, wenn
auch nicht in großem Maße. Ich
denke, wir können froh sein, dass
wir bisher so gut durch das Jahr
gekommen sind.
Ist Ihr Unternehmen überhaupt nicht von der Wirtschaftskrise betroffen?
Peter Karrié:
Das laufende Jahr war nicht
einfach und natürlich haben wir
die Folgen der Wirtschaftskrise gespürt,
und das bereits Ende letzten
Jahres. Wir arbeiten für viele Industrieunternehmen,
die sehr früh
die Auswirkungen der Wirtschaftskrise
gemerkt haben und somit
waren davon auch wir unmittelbar
betroffen. Dennoch haben wir
keine schwerwiegenden Wirtschaftsprobleme
gehabt. Aufgrund
unserer verschiedenen Unternehmensbereiche
sind wir sehr flexibel,
denn damit lassen sich Auftragsdefizite
und Umsatzrückgänge
ausgleichen. Außerdem
konnten wir in den letzten Jahren
Rücklagen bilden, die uns jetzt
über diese Krise hinweghelfen. Allerdings
muss man sagen, dass
wir solche schwierigen Situationen
fast schon gewohnt sind. Innerhalb
der letzten zehn Jahre
sank die Baunachfrage kontinuierlich
nachdem die Baubranche einen
enormen Bauboom nach der
Wiedervereinigung erlebt hatte.
Unsere Firma ist von der Krise daher
nicht völlig überrascht worden.
Zu den Geschäftsfeldern, die Sie ansprechen, gehören Hoch- und Tiefbau, Bauwerkserhaltung sowie private Bauprojekte. Gab es einen Bereich, der während der Krise deutlich einbrach?
Peter Karrié:
Insbesondere im Hochbau, zu
dem unter anderem Gewerbeimmobilien
gehören, haben wir gravierende
Auftragseinbrüche und
dementsprechend den größten
Umsatzrückgang zu verzeichnen,
da dieser Bereich unmittelbar dem
Industriebau zugeordnet ist. Auch
der private Hausbau ist deutlich
zurückgegangen. Bereits jetzt
zeigt sich in unserer Bilanz, dass
sich der Jahresumsatz im Vergleich
zum September 2008 um
zehn Prozent reduziert hat.
Sie haben 105 Beschäftigte, alle in Festanstellung. Mussten Sie aufgrund der geringen Auftragslage in Kurzarbeit gehen oder Mitarbeiter entlassen?
Peter Karrié:
Nein, mussten wir nicht, alle
Mitarbeiter behielten ihre Anstellungen.
Momentan bewegen wir
uns noch in einer Beschäftigungsbandbreite,
die wir kompensieren
können, ohne drastische Maßnahmen
ergreifen zu müssen. Der
Grund dafür ist, dass wir für bestimmte
größere Baustellen nicht
mehr wie bisher Leistungen von
anderen Unternehmen einkaufen,
sondern diese Arbeiten derzeit von
unseren Mitarbeitern ausführen
lassen. Sobald sich die Auftragslage
verbessert, vergeben wir
diese Arbeiten wieder an Fremdbetriebe.
Das ist auch ein Teil unserer
Unternehmensflexibilität,
mit der wir unser Auftragswachstum
und -schrumpfen ausgleichen
können.
Das Konjunkturpaket II wird langsam von den Kommunen umgesetzt. Gelder fließen in Erneuerungen und Sanierungen städtischer Bauten. Profitieren Sie bereits von dem Konjunkturpaket?
Peter Karrié:
Erst allmählich werden von den
Kommunen verschiedene Maßnahmen
ausgeschrieben, die auch für
ein Hochbauunternehmen wie unseres
interessant sind. Denn unsere
Leistungen kommen erst
dann zum Einsatz, wenn neu gebaut
wird oder große Umbauten
sowie Bauerweiterungen anstehen.
Die allererste Maßnahme der
Stadt Mainz, an der wir inzwischen
beteiligt sind und von der
wir profitieren, sind Umbauten in
Museen. Generell begrüßen wir
das Konjunkturpaket sehr, denn
wir brauchen diese Bauprojekte.
Aus diesem Grund bewerben wir
uns im gesamten Rhein-Main-Gebiet
auf die Ausschreibungen der
Kommunen.
Wie sieht Ihre Unternehmensprognose für 2010 aus? Werden Sie mehr Aufträge erhalten, weil sich die Konjunktur bald erholt hat?
Peter Karrié:
Wir rechnen damit, dass wir
Mitte spätestens Ende 2010 wieder
einen Anziehen der Konjunktur
verspüren werden. Bis dahin hilft
uns das Konjunkturpaket II, insbesondere
für den öffentlichen Bau.
Zusätzlich haben wir jetzt schon
Aufträge von verschiedenen Institutionen
und Einrichtungen erhalten,
die bis ins neue Jahr hineinreichen.
Mit diesen Voraussetzungen
sind wir optimistisch, dass wir
das erste Halbjahr 2010 gut meistern
werden. Dennoch gehen wir
davon aus, dass der Gewerbe-,
Wohnungs- und Hausbau auch im
nächsten Jahr weiterhin auf
schwachem Niveau verharrt.
Kerstin Halm