Sagen Sie mal…
… sind Sie auch so froh, dass die Bundestagswahl
nun endlich gelaufen ist?
Damit meine ich nicht etwa so etwas,
wie: ‚Juhu, das Macht-Vakuum der großen
Koalition ist vorbei, jetzt wird wieder
regiert‘ (wer weiß, ob es überhaupt soweit
kommt). Nein, ich freu mir deshalb
ein Loch in den Bauch, weil ich nun endlich
wieder meine Ruhe habe. Welche
Ruhe, wollen Sie wissen? Nun, zum Beispiel
kann ich in aller Ruhe wieder über
die Straße gehen, ohne Angst haben zu
müssen, platt gefahren zu werden, weil
mich der nette Autofahrer von nebenan
durch eines der unzähligen, press an der
Bordsteinkante postierten Wahlplakate
übersehen hat. Ich kann in Ruhe wieder
in die Röhre (oder neu: den Flachbildschirm) schauen, ohne dass mir einer unserer
Volksvertreter aus Berlin die Hucke
volllügt, nur um an meine Stimme zu
kommen (und deren Absender ihn bereits
Minuten nach Wahlschluss keinen Pfifferling
mehr interessiert). Und ich kann in
Ruhe wieder Zeitung lesen, ohne die x-te
Prognose vor die Nase gehalten zu bekommen,
welche Partei nun mit weniger
Prozentpunkten rechnen muss, nur weil in
Berlin einer einen hat fahren lassen.
Wie, ich klinge wie ein Nicht-Wähler?
Also bitte schön!!! Wenn schon, dann
klinge ich wie ein frustrierter Demokrat.
Bei einer Wahl möchte ich mir das aussuchen
können, was mir gefällt und nicht
das, was das kleinste Übel ist. Ich möchte
das Gefühl haben, von ‚meiner‘ Partei und
‚meinen‘ Politikern ernst genommen zu
werden und mich nicht nur als Stimmen-
(und später Steuergelder-)lieferant fühlen.
Und ich möchte Koalitionsverhandlungen
auf der Basis demokratischer Diskussionen
und keine Kleinkinder-Kaspereien
bereits im Vorfeld, frei nach dem Motto:
‚Mit dem spiel´ ich nicht, der ist blöd‘
(und wenn überhaupt, dann nur im Länder-
Sandkasten, aber nicht in dem auf
Bundesebene). Ja ja, ich weiß, das klingt
alles furchtbar naiv. Ist es wohl auch,
denn es gibt zwar genügend meiner Art
(oder sogar noch schlimmer: die braunen
Protestwähler), aber das Einzige,
was ich als Berliner Antwort auf sinkende
Wahlbeteiligungen gehört habe,
ist die Wahlpflicht. DDR ick hör dir trapsen.
Aber wie hat Comic-Anarcho Werner
(Sie wissen schon, der gezeichnete
Altrocker mit den vier Haaren) bereits
vor knapp 20 Jahren zum Thema Wahlen
philosophiert: ‚Wenn Du vier Haufen
Sch… hast: welchen isst Du?‘ Traurig,
aber wahr.
In diesem Sinne – Bis zum nächsten Mal.
Ihr Rasta Mobi