125 Jahre Mainzer Hauptbahnhof
Eine »Visitenkarte der Landeshauptstadt« feiert Geburtstag
Mit der Einweihung des Mainzer
Hauptbahnhofes vor 125 Jahren
wurde ein Projekt des Mainzer
Stadtbaumeisters Kreyßig vollendet
mit dem er das Bild unserer
Stadt für Generationen entscheidend
prägte.
Keiner kann sich heute mehr
vorstellen, dass ursprünglich etwas
ganz anderes geplant war:
Am Mainzer Rheinufer befanden
sich zwei verschiedene Kopfbahnhöfe,
die beide schon lange an
ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen
waren.
1853 nahm die Hessische Ludwigsbahn
(HLB) von dem etwa in
Höhe der heutigen Holzhofstraße
liegenden »Centralbahnhof« aus,
Verbindung mit Worms auf.
Sie war die »linksrheinische
Antwort« auf die Taunuseisenbahn,
die bereits seit 1840 Kastel
mit Frankfurt verband und für die
auf der dortigen Flussseite gelegenen
Unternehmen eindeutige
Wettbewerbsvorteile brachte, da
man die Linie von Mainz aus nur
mit einem »Trajektboot« erreichen
konnte und der Gütertransport
über den Fluss entsprechend umständlich
war.
Die Freude über die HLB war
unter der Bevölkerung sehr groß,
anfängliche Bedenken schnell vergessen.
Bereits im November war
die Strecke bis Ludwigshafen verlängert
und damit ein Anschluss
nach Paris und Basel möglich.
Von Bingen aus fuhr ein anderes
Unternehmen, die »Rheinbahn«
(RB), nach Mainz – ihr Endbahnhof
war die Station »Gartenfeld«.
Eine Verbindung der beiden
Bahnhöfe via Rheinufer erschien
logisch, konnte aber wegen den
zwischen ihnen liegenden Festungsgebäuden
zum damaligen
Zeitpunkt nicht realisiert werden.
Als 1862 die erste Eisenbahnbrücke
über den Rhein gebaut
wurde und somit auch die Strecke
Gustavsburg-Darmstadt direkt an
Mainz angeschlossen war, wurde
auch dem letzten Verantwortlichen
klar, dass etwas geschehen
musste.Gleichzeitig hörte man
auch erste kritische Stimmen, die
sich über die Belästigung durch
immer mehr laute und dampfende
Züge an der Rheinpromenade beschwerten.
Es dauerte allerdings noch bis
zum Ende des deutsch-französischen
Krieges, (nach dem Mainz
keine Grenzfestung mehr war) bis
erste Pläne auf den Tisch gelegt
wurden: sie sahen einen gewaltigen
Damm vor, auf dem elf (!) parallele
Gleise vorgesehen waren.
Er sollte die Altstadt vom Rhein
abtrennen. Nur ein einziger, 212
Meter langer, Tunnel zwischen
Fischtor und Ufer sollte die Verbindung
zum Fluss aufrecht erhalten.
Vorausschauende Planungen
Der uns heute wahnwitzig erscheinende
Plan stieß bei der Bevölkerung
überall auf Zustimmung.
Trotzdem legte Kreysig ein
Alternativmodell vor: Er wollte das
Mainzer Rheinpanorama erhalten
und die gesamten Gleisanlagen
um die alten Festungsmauern herum
zu einem großen neuen
Hauptbahnhof leiten, der gleichzeitig
auf einem freien Gelände im
Nordwesten der Stadt entstehen
sollte. Hier sah er auch genug
Platz für den immer noch wachsenden
Güterumschlag.
Kreyßig ging noch einen Schritt
weiter: Er hatte frühzeitig erkannt,
dass in Zukunft mehr Besucher
mit dem Zug als mit dem Schiff
nach Mainz kommen würden und
plante einen großen repräsentativen
Bahnhofsvorplatz mit modernen
Hotels und eine entsprechend
breit angelegte Bahnhofsstraße,
die die zum Münsterplatz führen
sollte. Ankommende Eisenbahn-
Gäste sollten, wie in anderen
Städten auch, durch moderne
Bauten beeindruckt werden.
1876 begannen die Arbeiten.
Zunächst wurde der Jakobsberg
von der Höhe Zitadelle unter dem
Kästrich durch bis zum Binger Tor
untertunnelt. Am Eingang entstand,
wohl auf Wunsch der Festungsverwaltung,
der Bahnhof
Neutor (später: Mainz-Süd, heute:
Mainz - Römisches Theater), am
anderen Ende: der neue Hauptbahnhof.
Bereits die ersten Spatenstiche
förderten römische
Funde zutage – die erst später als
Teile eines Amphitheaters erkannt
wurden das heute wohl größtenteils
frei gelegt ist. Der gesamte
Aushub für die 6 Meter hohe und
über 8 Meter breite Röhre betrug
über eine Million Kubikmeter Erde
und wurde zum Auffüllen des Geländes
verwendet, auf dem der
Hauptbahnhof entstehen sollte.
Nach acht Jahren war die 1240
Meter lange Trasse vollendet. (Sie musste 1933 etwa 300 Meter aufgeschlitzt
werden, da es zu einem
schweren Unfall gekommen war.
So entstanden praktisch zwei hintereinander
liegende Tunnels.)
In der Zwischenzeit wuchs
auch das eigentliche Bahnhofsgebäude.
Sein Architekt, Philipp Johann
Berdellé (1838 - 1903), ließ es
im Stil der italienischen Renaissance
errichten, verwendete aber
auch vereinzelt Elemente des Barock
und des Klassizismus.
Es hatte – wie auch heute noch
erkennbar – einen mächtigen Mittelbau
in dem sich die Empfangshalle
befand. Links und rechts waren
kleinere Flügel (mit einem Arkadengang
zur Bahnhofsplatzseite)
die jeweils in einem Pavillon
endeten. Das Gebäude wurde in
hellem Flonheimer Sandstein ausgeführt,
die zentralen Bildhauerarbeiten
stammten von den Mainzern
Valentin Barth (1837-1920)
und Anton Scholl (1839-1892).
Attraktive Lage und repräsentatives Zentrum
Die hinter dem Hauptgebäude
liegende Bahnhofshalle war damals
die größte in Europa: Sie war
300 Meter lang und 47 Meter breit.
Die Warteräume waren nach Klassen
getrennt – für besonders hochgestellte
Persönlichkeiten gab es
einen »VIP-Bereich«.
Rechtzeitig zur Einweihung des
Bahnhofs wurde auch die ihm gegenüberliegende
Aktienbierhalle
der MAB fertig gestellt. In der Bevölkerung
wurde die Großgaststätte
»de goldene Strummbennel«
(das goldene Strumpfband) genannt
– wohl, so wird vermutet –
weil sich die einzelnen Gasträume
wie ein Strumpfband von der
Bahnhofstraße, den Bahnhofsplatz
entlang bis zur Schottstraße zogen
- und die attraktive Lage ein »goldenes
« Geschäft ermöglichte.
Von Beginn an entwickelte sich
der Bahnhofsplatz, wie geplant, zu
einem repräsentativen Zentrum
der Stadt: Neue Hotels, Wohn- und
Geschäftshäuser schossen hier
und an der Bahnhofstrasse aus
dem Boden.
In den dreißiger Jahren wurden
zahlreiche Umbauten am Mainzer
Hauptbahnhof vorgenommen. Als
Anlass wurde offiziell ein Brand
im Dezember 1934 genannt, der
allerdings nur relativ geringen
Schaden verursacht hatte. Vom
Hauptgebäude wurden verschiedene
Statuen und allegorische
Darstellungen entfernt, die Bahnsteighalle
wurde wesentlich verkleinert
Auch die Zerstörungen des
zweiten Weltkrieges brachten
große Veränderungen. Beim Wideraufbau
bzw. der Restaurierung
der Außenmauern wurde auf zahlreiche
schmückende Elemente
verzichtet, die für das Original typisch
waren. Die damals montierten
»Kupferberg-Fenster« blieben
für Jahrzehnte ein Wahrzeichen
der Stadt.
(Donnerstag, 15.10.; 11-13 Uhr)
Mit Hendrik Hering (Minister für
Witschaft, Verkehr, Landwirtschaft
und Weinbau Rheinland-Pfalz); Jens
Beutel (Oberbürgermeister Mainz);
Dr. Zeug (Vorstandsvorsitzender DB
Station & Service AG)
KI.KA-Show-Bühnen-Programm
Mit Tanzalarm, Bernd das Brot, Tabaluga
Glücksshow, Ernie und Bert,
MausShowHotel sowie lokalen
Show-Acts aus Mainz - Tagesmoderatorin:
Singa Gätgens (KI.KA)
(Fr., 16.10. - So. 18.10.;
jeweils 10-17 Uhr)
Donnerstag (15.10)
17-19 Uhr: Just Right!
Quintett (Blues & Swing)
Freitag (16.10.)
17-18 Uhr: Die Donnergugger
(Guggemusik)
18:15-20 Uhr: Frankfurter Groove
Connection (Funk & Soul)
20:30 -22 Uhr: Mezzina
(70er bis 90er Rock)
Sa. 17.10. 16:30-17:30 Uhr:
Die Donnergugger (Guggemusik)
17:45 – 19:15 Uhr: Philadelphia
(Pop Musik)
Anpassung an moderne Ansprüche
1997 beschlossen Vorstand und
Aufsichtsrat der DB AG eine »Revitalisierung
« von 26 deutschen
Bahnhöfen, die zu einem so genannten
»Bahnhofspaket« zusammengefasst
wurden. Die Finanzierung
erfolgte über einen Investor
für den Bereich Vermarktung.
Hintergrund: Die veränderten
Ansprüche des Reiseverkehrs,
Dienstleistungs- und Einzelhandelsgewerbes
machten eine Anpassung
und Modernisierung des
Hauptbahnhofes erforderlich. Eine
bessere Einbindung in die städtebauliche
Situation sollte auch
neue Impulse für städtische Entwicklungsmöglichkeiten
geben.
Die Wiederherstellung des historischen
Gesamterscheinungsbildes
schließlich sollte ein » Zugewinn
historischer Bausubstanz als
Visitenkarte für die Landeshauptstadt
« sein.
In vier Bauabschnitten (1998-
2003) wurden Bahnhof und Vorplatz
komplett umgestaltet. Für
Gäste und Besucher am auffälligsten
waren dabei der Rückbau der
Bahnsteigüberdachung, die Gleisüberbauung
(4.800 m² mit Verkaufsflächen
und Servicefunktion)
und das neue Empfangsgebäude
West mit der Parkplatzanlage. Außerdem
wurde das alte Expressgutgebäude
abgerissen und die
Empfangshalle neu gestaltet. Dies
war verbunden mit Freilegung und
Erhalt der historischen Bausubs -
tanz sowie umfangreiche Restauration
der Außenfassade. Alle Maß -
nahmen schafften Platz für mehr
Mietflächen, auf denen jetzt rund
30 Unternehmen ihre Leistungen
anbieten – von der nicht wegzudenkendem
Bahnhofsbuchhandlung
über verschiedene Imbiss- und
Gastro-Betriebe bis hin zum Supermarkt
und einer Geschenke-Boutique.
Am 20. September 2003 wur -
d e der »neue« alte Mainzer Hauptbahnhof
im Rahmen des »Bahntag
« der Öffentlichkeit übergeben.
In diesem Jahr begeht der
Mainzer Hauptbahnhof seinen
125. Geburtstag. Aus diesem Anlass
feiern das Bahnhofsmanagement
und die Einzelhändler im
Mainzer Hauptbahnhof vom 15. –
18. Oktober ein großes Fest und
freuen sich, den Besuchern ein
kunterbuntes Aktionsprogramm
bieten zu können. Einzelheiten
können sie der Anzeige und unserer
Info-Box entnehmen.
Modellbahnfreunde aufgepasst:
Von Donnerstag bis Sonntag kann
auf Gleis 13 ein alter Reisezugwagen
(Bj. 1934) mit integrierter Modelleisenbahn
besichtigt werden.
Der MAINZER wünscht den
Veranstaltern viel Erfolg und den
Besuchern viel Vergnügen!
-Matthias Dietz-Lenssen-
