Naturhistorisches Museum
Weite Ausflüge in die Urzeit
Das Naturhistorische Museumhat
besonders für Kinder eine gro -
ße Anziehungskraft. Die bereits im
»Garten der Zeit« vor dem Muse -
um wirkt, denn dort lässt es sich
wunderbar im Gesteinsgarten
klettern. Vor der riesigen Sanduhr,
die zu den Größten ihrer Art gehört,
warten Groß und Klein minutenlang
darauf, dass sie sich
wieder dreht. Im Innern des Museums
entdecken und erfahren Kinder
während der beliebten Vorlesestunden
noch vieles mehr – auch
Erwachsene erkunden gerne die
Natur- und Tierwelt aus Rheinland
Pfalz und der Umgebung. Neben
den Lebewesen unserer Zeit sind
auch Präparate von Tieren aus den
vorhergehenden Erdzeitaltern zu
finden. Eine umfangreiche Gesteins-
und Mineraliensammlung
nimmt einen wichtigen Teil der
Dauerausstellung ein. Dazu gehört
auch eine bedeutende Sammlung
von Hunsrückschiefer. Ruanda,
das Partnerland von Rheinland-
Pfalz, ist ebenfalls mit Exponaten
aus seiner Tierwelt vertreten.
Doch der Glanz, den das Museum
als größtes und bedeutendstes Naturkundemuseum
in Rheinland
Pfalz einmal hatte, verblasst allmählich.
Aufgrund ungünstiger
klimatischer Bedingungen in den
Räumen des ehemaligen Klarissenklosters
St. Klara verschlechtert
sich der Zustand der Präparate
immer mehr. Die meisten Vitrinen
strahlen zudem ein nicht
mehr zeitgemäßes Flair aus. Ausgestellte
Tiere zum Beispiel sind
zwar nach Gattungen oder Lebensräumen
geordnet, doch die
Präsentation wirkt wenig ansprechend.
Seit einigen Jahren wurde
insbesondere das museumspädagogische
Angebot verbessert.
Jetzt ist zum Beispiel direkt am
Eingang eine Art Sandkasten zu
finden, in dem man mit Pinseln
versuchen kann Knochen freizulegen.
Und in einem der Obergeschosse
kann man verschiedene
Fellarten von in Deutschland heimischen
Tieren nicht nur anschauen,
sondern auch befühlen.
NATURWISSENSCHAFTEN ZUM ANFASSEN

Bei diesen kleinen Ansätzen soll es nicht bleiben. Dr. Michael Schmitz, seit Anfang des Jahres Direktor des Naturhistorischen Museums, arbeitet an der Neukonzipierung der Sammlung. Er sieht Museen als »Schaufenster der Wissenschaft « und als eine besondere Art von Bildungsinstitutionen. Es wird viel Wert auf eine engere Zusammenarbeit mit Schulen und der Universität gelegt. Innerhalb des Projektes Ganztagsschule am Schlossgymnasium werden zum Beispiel Themennachmittage für die Schüler angeboten. Schmitz möchte Kinder, aber auch interessierte Erwachsene ohne Leis - tungs druck und mit viel Spaß an die Naturwissenschaften heranführen. Um dies richtig umzusetzen, hält er es für unumgänglich, den gesamten Kontext des Museums zu verändern und innovative Wege zu gehen. In Zukunft soll das »entdeckende und forschende Lernen« weiter in den Vordergrund gerückt werden. Der Besucher soll eigene Antworten finden, bei denen es kein »richtig oder falsch« sondern nur ein »wahrscheinlich oder weniger wahrscheinlich« gibt. Bei dieser Neukonzipierung ist ein Anliegen des Direktors, auf die aktuellen Fragen der Besucher zum Thema Umwelt einzugehen. Er möchte Themen wie Energieversorgung, Abfallentsorgung oder Folgen des Klimawandels am Beispiel von Rheinland Pfalz aufgreifen. »Doch dies sind alles erst Ideen, die es noch umzusetzen gilt«, so der Museumsdirektor. Bis 2015 sollen sämtliche Umbaumaßnahmen abgeschlossen sein. Insgesamt soll das Museum barrierefrei und wesentlich besucherfreundlicher gestaltet werden. Der normale Museumsalltag wird vermutlich durch die Bauarbeiten gestört und laut Dr. Schmitz wird sich eine zeitlich begrenzte Vollschließung des Museums nicht vermeiden lassen. Solange es möglich ist, soll jedoch die fast lückenlose Reihe von Sonderausstellungen im Naturhistorischen Museum fortgeführt werden. Bis 6. Dezember kann man »Spinnen (live) im Museum« erleben. Im Rahmen dieser Sonderausstellung findet jeden Dienstag und Donnerstag im Oktober die Vorlesestunde »Pfui Spinne« für Kinder statt. Spinnenfütterungen können bei Sonderführungen beobachtet werden. Wer mehr auf Vierbeiner steht, dürfte bei den »Quaggas« gut aufgehoben sein: die südafrikanischen Steppenzebras sind längst ausgestorben und weltweit existieren nur noch 23 präparierte Exemplare – drei davon, darunter ein Fohlen stehen im Mainzer Naturhistorischen Museum.
Lena Limbach
INFO
Naturhistorisches Museum
Mainz, Reichklarastraße 10/Mitternacht,
Preise: Kinder 0,5 Euro, Erwachsene
1,50 Euro, Ermäßigt 1 Euro,
Öffnungszeiten: Di 10-20 Uhr,
Mi 10-14 Uhr, Do- So 10-17 Uhr,
www.naturhistorisches-museum.mainz.de
Im Landesmuseum sorgt derzeit
auch ein Fohlen für Furore: Es ist golden,
soll Kinder und Jugendliche
durchs Museum geleiten – hat aber
noch keinen Namen. Bis 10. Oktober
sollen insbesondere Kinder bei der
Namensgebung helfen und ihre Vorschläge
mittels Postkarte an das Landesmuseum
zu schicken: Landesmuseum
Mainz, Große Bleiche 49-51,
55116 Mainz
www.landesmuseum-mainz.de