Ernst-Peter Schilling, Winzer in Kostheim
Mit »Leichtsinn« zum Vorreiter
»Rechts des Rheins ist auch
noch Mainz« – diesem Credo
folgend, pilgerten seit der Ära
Jockel Fuchs alljährlich die
Mainzer Oberbürgermeister
nach Kostheim zum Weinbergsrundgang.
Im Schlepptau:
Winzer aus Mainz und Umgebung.
Eine gute Gelegenheit
für den Austausch zwischen
Rheinhessen- und Rheingau-
Winzern. Der Kostheimer
Ernst-Peter Schilling hat den
Mainzer OB Jens Beutel die
vergangenen Jahre durch die
Kostheimer Gemarkung geführt
und pflegt gerne den
Kontakt zu seinen Kollegen
von der Vereinigung »Die
Mainzer Winzer e.V.«

LEICHTSINN STATT PROSECCO
Dabei zählt er zu den Vorreitern der Gemeinschaftsprojekte von Jungwinzern: 1993 war er einer von zehn Rheingauer Winzern, die mit dem »Leichtsinn« die »Rheingauer Antwort auf den italienischen Prosecco« kreierten. »Das war damals das erste große Gemeinschaftsprojekt von deutschen Winzern überhaupt.« Der »Leichtsinn « wird immer noch produziert – die Zusammenarbeit unter den Rheingauer Jungwinzern hat die Zeit nicht so gut überstanden. Ein Grund ist, so beobachtet Schilling, dass bei vielen die Obergrenze in Sachen Arbeitszeit längst überschritten ist. Mit ein bisschen Wehmut schaut der Kostheimer Winzer auf linksrheinische Initiativen, wo mit Gemeinschaftsprojekten wie »Message in a bottle« die rheinhessischen Jungwinzer erfolgreiche Vermarktungsstrategien entwickelt haben und damit gezielt junge Leute für den Weingenuss begeistern. Die naheliegende Frage, warum der Kostheimer nicht mit den Mainzern gemeinsame Sache macht, beantwortet Schilling ganz pragmatisch: »Das sind zwei verschiedene Weinanbaugebiete mit unterschiedlichen Vermarktungsstrukturen. Außerdem ist die Rheingauer Winzerschaft eher konservativ-traditionell, während zumindest zurzeit die Rheinhessen flotter und engagierter agieren.« Dass dieses Jahr der Grenzüberschreitende Weinbergsrundgang ausfällt, findet er vor allem aus Gründen der Kontaktpflege zu seinen Mainzer Kollegen bedauerlich. Nein, die Absage habe nichts mit politischen Querelen auf Mainzer Seite zu tun, stellt Schilling klar, sondern rein terminliche Gründe. Mitten in der Lesezeit sei es für die Kostheimer Winzer schwierig, ein paar Stunden für den Besuch von der anderen Rheinseite frei zu machen. Wobei, erinnert sich der Vorsitzende des Kostheimer Winzervereins, die unhöflich knapp und formal gehaltene Absage aus dem OB-Büro zur Krönungsfeier der Kostheimer Weinkönigin im August habe den Eindruck vermittelt, es bestehe dort zurzeit kein sonderliches Interesse an den rechtsrheinischen Winzern. Das ändert aber nichts an seinen guten, vor allem persönlichen Kontakten zu den Mainzer Winzern: Willi Fleischer, Meier und Meier, Eva Vollmer, beispielsweise. Wenn es irgend geht, kommt der Kostheimer zu den Präsentationen der Mainzer Winzer oder besucht das Hechtsheimer Weinfest »Am Kirchenstück«. Und er hätte gar nichts dagegen, seine Weine als Gast bei einer Verkostung der Mainzer Kollegen vorzustellen: Wo sich Rheingau und Rheinhessen in Mainz doch so nahe liegen.
SoS
INFO
»Mainzer Aktien Brauerei- Restauration
zum Taunus« – so hieß die Gastwirtschaft,
die Philipp und Elisabeth
(»Lisbet«) Schmitt 1927 in der Kostheimer
Taunusstraße eröffneten und
die Sohn Jakob mit Frau Emilie
(»Mielchen«) weiter führten. Nach
dem Zweiten Weltkrieg kaufte Jakob,
in dessen Bornheimer Verwandtschaft
auch Winzer waren, Weinberge
rundum Kostheim und der gelernte
Metzger entwickelte sich zum
Vollerwerbswinzer. Nach dem Tod
von Jakob und Emilie (1981/82) übernahmen
die Töchter Irmtraud und
Margarete (beide hatten in die Saul -
heimer Familie Schilling eingeheiratet)
den Weinbaubetrieb, bis 1986
Irmtrauds Sohn Ernst-Peter in den
Betrieb einstieg, den er 2002 komplett
übernahm. Seit fünf Jahren ist
Ernst-Peter Schilling Vorsitzender des
Kostheimer Winzervereins, mit Lebensgefährtin
Bettina Dötsch zusammen
»managt« er den gesamten Betrieb.
Das Weingut Schilling verfügt über
5 Hektar Rebfläche in Kostheimer
und Hochheimer Gemarkung, neben
den – im Rheingau überwiegenden
Sorten - Riesling und Spätburgunder
werden Weißer Burgunder und Chardonnay
angebaut. 80 Prozent vermarktet
der Winzermeister direkt ab
Hof und über die Straußwirtschaft,
20 Prozent der Weine werden bundesweit
in der Gastronomie abgesetzt,
darunter in der Taberna Academica
auf dem Mainzer Uni-Campus.
Die Straußwirtschaft öffnet wieder
ab November von Freitag-Sonntag.
www.weingut-schilling.de
