Mafia-Methoden im Netz
Nepper Schlepper Bauernfänger
Im Internet ist eine Sorte Betrüger zu finden, die der Sendung »Nepper Schlepper Bauernfänger« des kürzlich verstorbenen
Eduard Zimmermann alle Ehre machen würde. Diese »ehrenwerten Gesellen« versuchen sich ohne richtige Gegenleistung Ihr Geld
unter den Nagel zu reißen.
Ullrich Kretschmer, selbständiger EDV-Fachmann, erklärt, wie das funktioniert.
Die Mafia- Methode
»Sie befinden sich auf irgendeiner Website, plötzlich erscheint wild blinkend und tönend der
Hinweis, Ihr PC sei infiziert – was bei den meisten Nutzern direkt Angst weckt. Aber – so blinkt es weiter auf dem Bildschirm –
glücklicherweise sei gerade ein passendes Mittel gegen die Infektion (und damit gegen Ihre Angst) vorhanden: ein Antivirenprogramm.
Die Methode erinnert an die Schutzgelderpressungen der Mafia, genannt wird diese Spielart von Internetbetrügern ‚scareware’,
zusammengesetzt aus dem englischen ‚scare’ für Angst und ‚ware’ für Ware.
Diese »Angstware« hat nur die Funktion, die angebliche Infektion zu beseitigen – gegen die meisten realen Viren und Trojaner schützt sie nicht!
Vorsicht ist also geboten, wenn Ihr PC nach Internet-Besuchen plötzlich Viren meldet und Ihnen direkt mit dieser
Warnung ein Antivirenprogramm angeboten wird. Wirkungsvoller ist ein Virenscanner von einem der namhaften Hersteller –
der entfernt auch diese ‚Infektion’. Ein weiterer Fall von Internet-Abzocke funktioniert folgendermaßen:
Die Download- Abzocker
Programme, die andere geschrieben haben und kostenlos im Internet zum Download anbieten, werden auf einem Server
zusammen gelegt und ebenfalls zum Downloaden angeboten – soweit noch in Ordnung. Landen Sie auf solchen Seiten, wird versucht,
Ihnen ein kostenpflichtiges Abonnement unterzuschieben. Das Sie aber nur dazu berechtigen würde, eben das herunterzuladen, was es
auf anderen Websites kostenlos gibt. Geben sie jetzt irgendwo auf solchen Seiten Ihre Kontaktdaten preis, ohne dass Sie die gut
versteckten (oder ganz perfide: nachträglich eingebauten) Preise und Laufzeiten solcher‚ Abonnements’ erkennen können, geht der
unangenehme (und unnötige!) Zirkus los: Erst kommen Rechnungen über ein für Sie sinnloses Abonnement, dann Mahnungen, dann
Drohungen mit Inkassounternehmen, Schufa-Einträgen etc.
Soweit bekannt ist, hat noch nie einer von denen geklagt, die Richter würden diesen Gesellen auch ihr Geschäftsmodell um die Ohren hauen.
Falls Sie in eine solche Falle getappt sind, heißt es: Ruhe bewahren, nicht zahlen, sich mit der Verbraucherzentrale kurzschließen oder
dem eigenen Anwalt besprechen. Den Verbraucherzentralen sind diese Abzocken bekannt und sie versuchen gegen die Anbieter vorzugehen.
Um solchen Gangstermethoden ein Schnippchen zu schlagen gilt: Auch im Internet sparsam mit den eigenen Daten umgehen. Fragen Sie sich:
‚Wozu brauchen die jetzt meine Kontaktdaten?’ Und füllen Sie nicht entnervt irgendein Formular aus. Außerdem: Seriöse Anbieter
erkennen Sie an deren Preistransparenz. Also Holzaugen auf und die Tomaten weg beim Surfen im Internet.«
SoS
