Eine Postkarte berichtet von Ihrer Reise
Hauptsache, die Adresse stimmt
Sommer, Sonne, Strand und Meer. Der Sommerurlaub ist für viele Menschen die schönste Zeit des Jahres. Und damit man das Erlebte im
Urlaub auch mit den Lieben zu Hause teilen kann, nutzen viele Urlauber die Postkarte. Im Jahr werden rund 63 Millionen Urlaubsgrüße
aus aller Welt nach Deutschland verschickt. Wie das funktioniert?
Jetzt kommt »sie« ins Gespräch, eine Postkarte. Exklusiv für den MAINZER berichtet sie von ihrer Reise.
»Erworben wurde ich auf der schönen Insel Lanzarote. Nachdem ich beschriftet und mit einer Adresse versehen wurde, geht
mein Weg nach Deutschland los. Zunächst werde ich zusammen mit der anderen Post in der örtlichen Postverteilungsstelle in
einen Beutel gesteckt und mit dem Flieger nach Madrid gebracht. Dort bekommt mein Beutel einen Aufkleber mit dem Ziel Frankfurt
am Main. Dann geht es entweder per Flug oder LKW weiter ins Internationale Postzentrum (IPZ) am Frankfurter Flughafen.
Alle Postkarten aus dem Ausland mit einer Adresse innerhalb Deutschlands landen zunächst hier. Das IPZ ist das höchste Gebäude auf dem Areal
mit einer Betriebsfläche von 49 000 Quadratmetern.
Im Airmailcenter, kurz ACF, kommen auch Beutel mit Briefen und Paketen aus anderen Ländern an, die weiter ins Ausland verschickt
werden. Der Aufkleber auf meinem Beutel enthält neben Angaben zu Gewicht, Herkunftsort und Liefernummer auch einen Scancode mit dem
Zielort. Das Verteilungsband kann dadurch die einzelnen Beutel auseinanderhalten und mithilfe einer Wippe werden die Beutel über eine
Rutsche in Behältnisse gefüllt. Hier hängt mich einer der insgesamt 1730 Mitarbeiter des IPZ an einen Haken. Eine 4,5 km lange
Beutelhängebahn befördert mich in die Bund- und Beutelöffnung, die als »Nadelöhr des Hauses« bezeichnet wird. Es erfolgt eine Formatsortierung,
und so muss ich mich von einigen mitreisenden Briefen und Päckchen verabschieden.
Ein Vertikalförderer bringt mich hoch in den vierten Stock. In dieser Ebene befinden sich ausschließlich Postkarten und Standardbriefe.
Jetzt wird sich zeigen, ob mein Urlauber die Adresse deutlich geschrieben hat. Denn nun erfolgt das Erfassen der Postleitzahl. Entscheidend
sind an dieser Stelle die ersten beiden Ziffern, die die Lese- und Videokodiermaschinen registrieren.
Mein Absender hat sich wohl große Mühe gegeben, denn ich bekomme einen orangefarbenen Strichcode unter das Adressfeld gedruckt und werde
ins Fach der Postleitzahlenfolge 55 geschossen.
Je länger der Strichcode, desto deutlicher war die Erkennung. Kann die Maschine die Ziffernfolge nicht erkennen, so wird die Postkarte
eingescannt und erscheint auf einem Computerbildschirm der insgesamt 58 Videocodierplätze. Die Mitarbeiter haben drei Sekunden Zeit,
um die Ziffern zu erkennen und selbst einzutippen. Dies erfordert größte Konzentration und Fingerfertigkeit. Gelingt auch das nicht,
wird per Hand sortiert.
Standard oder Exot?
Neben mir als Standardgröße, gibt es aber auch einige Exoten unter den Urlaubspostkarten. Das Eiffelturm- oder Bierkrugmotiv oder Karten
in Übergröße werden gerne verschickt. Diese passen aber aufgrund ihrer Form nicht in die Maschinen und müssen ebenfalls per Hand gelesen
und sortiert werden.
Die kurioseste Postkarte, die ich auf meiner Reiseroute einmal kennen gelernt habe, war ein Stück Holz in das die Urlaubsgrüße eingeschnitzt waren.
Ein wirklich netter Zeitgenosse. Leider trennten sich unsere Wege bei der Sperrgutsortierung.
Aber nun weiter zu meinem Weg durchs IPZ. Eine Mitarbeiterin legt mich zusammen mit der anderen Post in eine gelbe Kiste und dann
geht’s auch schon wieder runter ins Erdgeschoss zur »Kommissionierung«. Alle Briefe, Pakete, Päckchen und Postkarten der einzelnen
PLZ-Register kommen hier wieder zusammen und warten, bis sie am Abend von den Mitarbeitern der jeweiligen Briefzentren abgeholt und
in LKW verladen werden.
Meine Fahrt führt ins Briefzentrum nach Mainz-Hechtsheim. Dort nehmen Maschinen eine ähnliche Sortierung wie im IPZ vor. Je nach
Bereich wird die Post mit dem LKW weiter in die einzelnen Poststellen transportiert und dort Postboten zugeteilt. Auf einen Postboten
fallen etwa 1 500 Sendungen. Die Route des Briefträgers ist vorgeschrieben, ein Programm errechnet die kürzeste Wegstrecke. »An den
Mühlwegen« angekommen, wirft mich mein Briefträger in einen Briefkasten. Hier nimmt man mich am Nachmittag schon wieder raus und nun
hänge ich mit einem Magnet an die Wand gepinnt. Ist schön hier!«
Kleiner Tipp: Wer nachprüfen möchte, ob die Adresse deutlich geschrieben wurde, der sollte sich einfach mal den Strichcode auf der
Postkarte anschauen. Die Postkarte hat gar keinen Strichcode? Dann war die Leseerkennung so undeutlich, dass manuell sortiert werden musste.
Und das kann unter Umstände längere Zeit in Anspruch nehmen. Damit die Urlaubsgrüße also möglichst schnell in Deutschland ankommen:
Immer deutlich schreiben. Und vor allem auf das D für Deutschland vor der PLZ verzichten. Denn das kann die Maschine nicht zuordnen.
Helena Winter