Multikulturell und mit verdammt viel Freude am Fußball
»You’ll never watschel alone«

Man erkennt sie leicht, die Kicker der Fußball-Hobbymannschaft »Ente Bagdad« – immerhin handelt es sich bei ihnen um die einzige
Mannschaft, die in syrischen Trikots aufläuft, auf denen der Schriftzug Ente Bagdad prangt – auf arabisch. Es ist Samstag Vormittag,
die Sonne strahlt und in Bodenheim findet das Jedermänner-Turnier statt – ein Turnier, an dem ausschließlich Hobbymannschaften
teilnehmen. Natürlich darf die Ente Bagdad da nicht fehlen und schon macht sich die multikulturelle Truppe bereit für ihr nächstes Spiel.
Diesmal geht es gegen die MVK Friends aus Wörrstadt. Keine drei Minuten nach Anpfiff fällt das erste Tor für die Enten –
begleitet von begeistertem Jubel der Mannschaftskollegen am Rand. »Natürlich macht das Spaß, wenn wir Tore schießen«, freut sich Eric,
gebürtig aus der Nähe von Paris. »Aber in erster Linie geht es uns gar nicht ums gewinnen, sondern einfach nur darum, gemeinsam Fußball
zu spielen und Spaß zu haben.« Trainer Ronald nickt bestätigend und fügt hinzu: »Der Spaß steht bei uns immer im Vordergrund. Deswegen
kann hier auch jeder mitspielen. Mittlerweile sind sogar schon die Söhne von unseren Mitgliedern dabei.« Das lässt auf eine lange
Tradition des Vereins schließen und tatsächlich können die Enten bereits auf eine 36-jährige Geschichte zurückblicken – und die weist
weit mehr auf als nur Fußball: »Als wir die Ente Bagdad ins Leben gerufen haben, haben wir das natürlich gemacht, weil wir Spaß am Kicken hatten.
Aber wir wollten uns gleichzeitig von herkömmlichen Fußballvereinen absetzen«, erinnert sich Ronald, eines von vier Gründungsmitgliedern.
Die Maxime der Enten war schnell klar: Möglichst international und bunt sollte der Verein sein. Ein Vorhaben, das schnell in die Tat
umgesetzt wurde und bis heute beibehalten werden konnte. Etwa zehn Nationen aus den verschiedensten Winkeln der Erde sind heute bei den
Enten vertreten: Aus Bolivien, Marokko, Burkina Faso und Jordanien ebenso wie aus Frankreich und Österreich. »Hier dürfen sogar Leute
aus der Pfalz mitspielen«, lacht Matthias und deutet auf sich selbst.

Mustapha aus Algerien ist erst seit vier Monaten bei den Enten und damit der jüngste Zugang. Er wurde durch das Internet auf
die Enten aufmerksam und kam »weil meine Frau mich loswerden wollte.« Er grinst verschmitzt und fügt hinzu: »Hier bei Ente
Bagdad habe ich mich sofort wohlgefühlt. Alle sind so herzlich und man hilft sich auch außerhalb des Fußballtrainings in jeder
Lebenslage. Das finde ich super.« Auch die Brüder Juan Carlos und Victor aus Bolivien sind von dem Zusammenhalt der Mannschaft
begeistert: »Für mich ist die Ente Bagdad schon fast zur Familie geworden«, schwärmt Victor. Und wie es sich für eine Familie
gehört, stehen auch bei den Enten gemeinsame Urlaube an, vornehmlich in einem Heimatland eines Mitspielers. »Dieses Jahr waren
wir in Marokko«, meint Ronald. Organisiert wurde die Reise von Mohammed, der seit 2002 bei den Enten spielt. Wenn er von der
Reise und den vielen Orten, die er der Mannschaft zeigen konnte spricht, strahlt er: »Das hat wirklich Spaß gemacht.« Ronald
nickt und ergänzt »Wir haben schon einige solcher Reisen gemacht. Zum Beispiel nach Syrien, wo wir auch die Trikots herhaben.
Und gegen die Mannschaft der deutschen Botschaft in Rom haben wir auch schon gespielt.« Bleibt die Frage nach dem nächsten Urlaubsort.
Hier schaltet sich Torwart Gewin ein: »Eigentlich müssten wir endlich mal ein Heimspiel bestreiten«, lacht er. »In Bagdad waren wir
nämlich noch nicht.« Apropos Bagdad: wieso eigentlich der außergewöhnliche Name »Ente Bagdad«. Ronald lacht: »Naja, Bagdad war damals
für uns der Inbegriff der Märchen aus ‚1001’ Nacht. Und da wir märchenhaft Fußball spielen wollten, haben wir uns eben für Bagdad
entschieden. Die Ente hat dazu irgendwie gut gepasst. Das hat aber keinen tieferen Sinn.«
Beim Jedermann-Turnier scheint die Ente der Mannschaft aber wenigstens Glück zu bringen. Das Spiel gegen die MVK Friends aus
Wörrstadt wird abgepfiffen – es steht 5:0 für die Enten.
Zum Abschluss kramt Ronald seinen Vereinsschal hervor. Zum Vorschein kommt ein kleines Stückchen England, denn auch wenn zur
Zeit kein Spieler von der Insel zu den Reihen der Enten zählt, hat man sich wenigsten die Fangesänge aus Liverpool zu eigen
gemacht: In diesem Sinne: »You’ll never watschel alone.«
Infos: www.ente-bagdad.de
Katrin Henrich