SPASS AN TECHNISCHEN BERUFEN
WISSEN, WO DER HAMMER HÄNGT
Tischler, Fachinformatiker, Chemielaborant
oder Informationstechniker
– alles Männerberufe?
»Von wegen«, lautet die Antwort
des Ada-Lovelace-Projekts der
Universität Mainz, denn hier ist
das Motto klar definiert: »Mädchen
können das genauso gut.« Das
rheinlandpfalzweite Programm,
das an vielen Universitäten und
Fachhochschulen des Landes angesiedelt
ist, hat es sich zur Aufgabe
gemacht, Mädchen für technische
Berufe zu begeistern. Grund
für das Engagement: In den meisten
handwerklich-technischen Berufen
sei die
Frauenquote verschwindend gering,
so Projektkoordinatorin Esther
Lind und fügt hinzu: »Viele
Mädchen trauen es sich oft nicht
zu, einen noch stark männerdominierten
Beruf zu ergreifen.« Ein
Vermittler ist also gefragt, der den
Mädchen die Schwellenangst vor
dem Einstieg in technische Berufe
nimmt. Ein Vermittler wie etwa
das Ada-Lovelace-Projekt. »Wir haben
ein recht großes Kooperationsnetz
mit Unternehmen aus der Region
aufgebaut«, berichtet Lind
und erklärt weiter: »In jedem Unternehmen
sitzt eine Mentorin des
Ada-Lovelace-Projekts. Das ist
meist eine Auszubildende, die als
Bindeglied zwischen den Mädchen
und den Unternehmen fungiert.
«
THEORIE UND PRAXIS KENNENLERNEN
Praktisch sieht das so aus, dass die Mentorin den Mädchen an bestimmten Projekttagen ihre Arbeit in dem jeweiligen Unternehmen zeigt, erklärt wie sie dazu gekommen ist und sie mit ihrem Arbeitsalltag vertraut macht. Sei es nun Tischler, Mechatroniker oder Industriemechaniker. Für Lind liegen die Vorteile eines solchen Mentorinnenprogramms klar auf der Hand: »Gerade bei Schülerinnen der Abschlussklassen ist der Altersunterschied zu der Mentorin ziemlich gering. Die Schülerinnen können sich daher gut mit der Mentorin und ihrer Arbeit identifizieren. Und so sehen sie oft: Hey das ist eine Frau wie ich, die ihren technischen Job wirklich gut macht und auch noch Spaß daran hat.« Wie viel Spaß in Technik und Handwerk steckt, soll den Schülerinnen keineswegs vorenthalten werden. Der zweite Schritt heißt folglich: Selbst ist die Frau. Je nach Projekttag und vorgestelltem Beruf geht es an die Werkbank, den Lötkolben oder den Computer. Ziel ist dabei: »Die Mädchen sollen am Ende des Tages etwas in Händen halten können, das sie selbst hergestellt haben«, erläutert Lind. Das können Kleiderhaken aus Holz sein, zusammengelötete Schlüsselanhänger oder Lichterketten fürs Fenster. Ein absoluter Erfolg des Ada-Lovelace-Projekts liegt aber in der Computertechnik: »Wir haben ein Projekt, bei dem die Mädchen einen kompletten Rechner auseinanderschrauben können. Währenddessen erklärt die Mentorin die einzelnen Bestandteile und ihre Funktion«, so Lind. Nachdem Grafikkarte, Soundkarte, Festplatte und diverse andere Teile des technischen Innenlebens unter die Lupe genommen wurden, beginnt der spannende Teil: Die Mädchen dürfen den Computer wieder zusammenbauen. »Diese Kurse sind besonders gut besucht und die Mädchen nehmen immer mit großer Begeisterung teil. Wahrscheinlich, weil der Computer viel von seinem oft unverständlichen und unvorstellbarem Charakter verliert«, spekuliert Lind. Doch auch die Schnuppertage im Bereich Tischler, Schlosser und Feinmechanik kommen sehr gut an. Vor allem die Tatsache, sich selbst ausprobieren zu können, werde von vielen Mädchen positiv bewertet.
REIN IN DIE TECHNIK – ABER WIE?
Doch das Ada-Lovelace-Projekt ist nicht nur in punkto Werkbank praktisch orientiert. »Wir bieten auch zweigeteilte Projekttage an: Am ersten Tag gehen die Mädchen wie beschrieben in die Unternehmen und lernen einen bestimmten Beruf kennen. Am zweiten Tag kommen sie dann zu uns an die Uni und wir führen mit ihnen eine Art Bewerbungstraining durch. Hier können sie üben, wie es ist, wenn man zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird.« In ungezwungener Atmosphäre den Ernstfall proben - ein Unterfangen, das Früchte trägt: »Wir haben einige Mädchen, die schon bei mehreren Projekttagen dabei waren und daher auch schon das ein oder andere Bewerbungstraining hinter sich haben. Da merkt man richtig wie sie sicherer und souveräner werden«, erzählt Lind. Bei so viel geballter Frauenpower dürfte der Frauenanteil in den technischhandwerklichen Berufen eigentlich in den nächsten Jahren merklich nach oben schnellen.
Katrin Henrich
Infos: Im neuen Schuljahr ist das
Ada Lovelace-Projekt ab Anfang
September in Mainzer Schulen mit
einem abwechslungsreichen AGProgramm
vertreten: z.B. haben
Schülerinnen der Anne-Frank-Realschule
bis Ende des Jahres die
Möglichkeit, nachmittags unterschiedliche
Ausbildungsberufe aktiv
auszuprobieren. In den Workshops
werden die Achtklässlerinnen von
Mentorinnen angeleitet, die technische
oder naturwissenschaftliche
Berufe erlernen. Außerdem findet
am 23.10. der MINT-Aktionstag
statt: MINT steht für Mathematik,
Informatik, Naturwissenschaft und
Technik, Schülerinnen sollen Studienfächer
und Berufe aus diesen Bereichen
kennenlernen.