Expressive »Flug«-Geste
Abheben vom Theaterdach
Wie die Figur da oben ganz allein
auf dem Theaterdach steht
und die Arme ausbreitet, sieht es
aus, als wolle sie vorbeiziehenden
Vögeln zurufen »Nehmt mich mit!
Weg von dem ganzen Trubel hier
unten!« Tausende von Menschen
eilen täglich vorbei am Mainzer
Theater, auf dem Weg zu Vorstellungen,
zum Shoppen, zum Parkhaus.
So beschäftigt wie sie sind,
richten die wenigsten ihren Blick
nach oben. Bei seinen Versuchen
abzuheben dürfte »der Flug« deshalb
meist unbeobachtet bleiben.
Dabei steht die Skulptur eigentlich
unübersehbar auf dem Bühnendach
des Theaters, nur: wer
schaut dort schon hin auf der Suche
nach dem Parkschein oder in
Eile, nicht zu spät in die Oper zu
kommen.
Wenn man den »Flug« allerdings
einmal bewusst wahrgenommen
hat, kann man später
kaum mehr über den Tritonplatz
gehen, ohne unwillkürlich zu ihm
empor zu schauen. Der Bronzeguss
wurde 1988 von dem gelernten
Bühnenbildner, Bildhauer und Maler
Rainer Fetting (*31. Dezember
1949) geschaffen. Als Künstler trat
Fetting anfangs vor allem als Maler
in Erscheinung, gründete zusammen
mit anderen 1977 die Galerie
am Moritzplatz in
Berlin, aus der die so
genannten »Neuen
Wilden« hervorgingen.
In den Folgejahren
schuf Fetting ein reiches
Werk an leuchtenden,
farbenfrohen
Gemälden bis er sich
ab den späten 80ger
Jahren vor allem seinen
Bronzearbeiten
widmete. Eine seiner
bekanntesten dürfte
wohl die Statue von
Willy Brandt im Foyer des Willy-
Brandt-Hauses in Berlin sein. Zu
seinem »Flug« heißt es auf den
Info-Seiten des Theaters zur Kunst
am Bau, die Skulptur verfolge die
gleiche Zielsetzung wie die beiden
Glaskegel auf dem
Tritonplatz: »Mit ihrer
expressiven Geste verstärkt
die Figur die
Vertikale, die Transparenz
und die Öffnung
in den Himmel«. Und
wer weiß, vielleicht
macht sie sich ja wirklich
eines Tages mit
einem vorbeiziehenden
Vogelschwarm auf
und davon...