Radeln mit Hindernissen
Auf zwei Rädern vor dem Bauzaun
Der beliebte Radweg über die
Eisenbahnbrücke nach Ginsheim-
Gustavsburg endet derzeit recht
abrupt: Erst ein rot-weißes Flatterband,
einige Meter weiter ein metallener
Bauzaun machen der Radtour
ein Ende. Oder aber für Gustavsburger
mit Ziel Mainzer Innenstadt
auch den Weg zur Schu -
le, zur Arbeit oder zum Einkaufen.
»Eisenbahnbrücke voraussichtlich
bis 14.12.09 gesperrt«, signalisiert
ein Schild am Anfang der
Brücke. Der Grund:Der Weg wird
von derzeit 1,50 Metern auf 2 Meter
verbreitert. Fußgänger und
Rad fahrer kamen sich egelmäßig
in die Quere: Wer stehen blieb, um
das Panaroma zu genießen, behinderte
die Weiterziehenden, Radfahrer
und Fußgänger drängten
sich aneinander vorbei, war noch
ein Kinderwagen im Spiel wurde
es vollends chaotisch. Diesen unhaltbaren
Zustand wollen die Länder
Rheinland-Pfalz und Hessen
nun bis zum Jahresende beheben.
Gut 3,5 Millionen Euro lassen sie
sich die Verbreiterung kosten, wobei
auf die hessische Seite 1,9 Millionen
Euro entfallen, Rheinland-
Pfalz ist mit 1,6 Millionen Euro beteiligt.
Der Anteil der Stadt Mainz
daran beträgt rund 600.000 Euro.
Doch was tut der Radfahrer,
wenn er vom Metallzaun ausgebremst
wird? Oben genanntes
Schild bietet einen Hinweis: »Radverkehr
Richtung Mainz über Kostheim
und R3«. Kann man bei ortsansässigen
Nutzern davon ausgehen,
dass sie die Umleitungsstrecken
– Theodor-Heuss-Brücke im
Norden oder Autobahnbrücke Weisenau
im Süden – kennen, ist dies
für ortsfremde Radtouristen
schwieriger.
Von diesen gibt es reichlich am
Nadelöhr Mainzer Eisenbahnbrücke,
weswegen sowohl das hessische
wie auch das rheinland-pfälzische
Verkehrsministerium die
Bedeutung des Brückenwegs für
überregionale Radfernwege wie
die »Veloroute Rhein« betonen. Wer
dabei auf eine Baustelle trifft, hat
nach Erkenntnissen des Allgemeinen
Deutschen Fahrrad-Clubs oft
schlechte Karten. »Standard ist,
dass gar nichts oder etwas Unbrauchbares
ausgeschildert wird«,
hat Erhardt Vortanz festgestellt.
»Es ist mehr als dringend nötig,
dass mehr gemacht wird, als ein
Gesperrt-Schild«, fordert der stellvertretende
Vorsitzende des rheinland-
pfälzischen ADFC-Landesverbands.
Ausweg Navi?
Seine Organisation geht deshalb auf öffentliche Stellen zu und fordert Umleitungsbeschilderungen ein. Bevorzugter Ansprechpartner ist hierzulande der Landesbetrieb Mobilität in Koblenz. Der dortige Referatsleiter Radwegeplanung, Ludger Schulz, weiß um das Problem. Es gebe kein offizielles, einheitliches Schild für Radfahrer wie das bekannte gelbe Umleitungszeichen für Autofahrer. Jede Kommune müsse sich in eigener Zuständigkeit selbst eine Lösung ausdenken. Für die Mainzer Eisenbahnbrücke war dies laut Stadtverwaltung der Wirtschaftsbetrieb als Bauträger. Von den Kommunen könne man eine Beschilderung erst nach einer landeseinheitlichen Regelung einfordern. Daran arbeite der Landesbetrieb Mobilität in seiner Rolle als obere Verkehrsbehörde im Moment, berichtet Schulz. Der Autofahrer kann sich Hoffnung machen, von seinem Navigationsgerät – sofern vorhanden - um Baustellen herumgelenkt zu werden. Auch für Radfahrer sind solche Apparate, die sich auf Daten des satellitengestützten Global Positioning Systems, kurz GPS, stützen erhältlich. Verschiedene Anbieter (siehe Infos) bieten Routen zum Runterladen aus dem Internet und Überspielen auf das Navi an. Doch taugen die was? Grundsätzlich wohl schon, wenngleich das Ganze ein teurer Spaß ist. Die Stiftung Warentest hat kürzlich Navis für Radler und Wanderer getestet (Heft 4/2009) und dem Testsieger für Radfahrer (Garmin Edge 705 HR/Preis etwa 450 Euro) »sehr gute Eignung fürs Fahrradfahren« attestiert. Doch diese Wertung bezieht sich nur auf die grundsätzliche Streckenführung. Baustellen/Umleitungen auf den Radwegen sind dort in aller Regel nicht berücksichtigt. Aktuell eingespielte Informationen wie beim Auto-Navi sind bei den Radler-Versionen nicht mög - lich, wie Klaus Bechtold berichtet, der das Portal www.GPSies.de betreibt, wo man sich GPS-Routen herunterladen kann. Teilweise könnten dies die Geräte technisch nicht leisten, zum anderen lägen ihm die Informationen über die Baustellen gar nicht alle vor. Dies bestätigt auch ADFC-Vize Vortanz: Voraussetzung für eine Erwähnung in den vom ADFC angebotenen GPS-Tracks sei, dass die Informationen über die Baustellen überhaupt bekannt und schon in die Datensammlung eingepflegt worden seien. Was keinesfalls selbstverständlich ist, denn die ADFC-Helfer erledigen letzteres ehrenamtlich in ihrer Freizeit.
Christoph Barkewitz
Infos über Baustellen/Umleitungen
auf Radwegen:
www.adfc.rlp.de
Tourenvorschläge, auch GPS-Tracks, z.B.:
www.radwanderland.de,
www.radroutenplaner.hessen.de,
www.GPSies.de

