Öffentliche Toiletten in Mainz:
Nicht nur Ansichtssache

Ob beim Einkaufsbummel in der Stadt, bei einem Spaziergang durch den Volkspark oder auf der Radtour entlang des Rheins: Es ist gut zu wissen, wo sie sich befinden, wenn es mal »dringend« ist - die öffentlichen Toiletten in Mainz. Laut Webseite des Wirtschaftsbetriebes gibt es 23 der kostenfreien »stillen Örtchen« im Zentrum und in einigen Stadtteilen. Nicht viele angesichts der Tatsache, dass die Landeshauptstadt insbesondere im Sommer begehrtes Ausflugsziel zahlreicher Schiffs- und Busfahrten und damit tausender Touristen aus dem In- und Ausland ist. Da sich die meisten Besucherströme auf den Innenstadtbereich konzentrieren erstaunt es, dass in unmittelbarer Nähe zum berühmten Mainzer Wahrzeichen, dem Dom, lediglich eine Toilettenmöglichkeit vorhanden ist.

Gehbehinderte müssen oben bleiben
Nur über Treppen zugänglich befinden sich im Untergeschoss des Schuhhauses Butler fünf Damen- und zwei Herren-WC. Eine Behinderten-Toilette ist hier nicht eingerichtet
und es drängt sich die Frage auf, wie Menschen mit Gehbehinderung die Stufen ohne Schwierigkeiten hinab- und hinaufsteigen. Abgesehen vom Geruch, »der fast unerträglich
ist«, wie eine Besucherin aus Koblenz bemerkt, ist dieser kaum von außen erkennbare Toilettenbereich ohne Nachfrage nicht zu finden, denn auf Beschilderung wurde rund um
und auf dem Dom-Platz gänzlich verzichtet. Behinderte müssen im Altstadt- und Innenstadtbereich die Toiletten in der Heugasse und Badergasse aufsuchen, deren Standorte
jedoch auch nicht angezeigt werden.
Ganz anderes stellt sich die Toilettensituation im Stadt- und Volkspark dar. Wegweiser zeigen hier nicht nur die Spazierrouten, sondern auch das nächste der insgesamt drei
Toilettenhäuschen an, die alle ein Behinderten-WC bereitstellen und zudem sehr sauber sind. An der Rheinufer-Promenade fehlen ebenfalls die Beschilderungen zu den Toiletten,
dafür sind die drei WC-Häuser am Hotel Hilton, Kaisertor und auf dem Feldbergplatz behindertengerecht, wenn auch nicht unbedingt sauber. Viele der öffentlichen, separaten
Behindertentoiletten sind abgeschlossen, da sie nach Aussage des »Commit Club« nur von Behinderten genutzt werden sollen. Dieser Verein bietet für diese Toiletten einen
Schlüssel an, der übrigens europaweit verwendet werden kann, und bei 100-prozentiger Schwerbehinderung und gegen Vorlage des Ausweises für 18 Euro erhältlich ist oder auf Anfrage zugeschickt wird.

Die »Nette Toilette«
Alle Beobachtungen zusammengefasst, mangelt es im Innenstadtbereich nicht nur an Toilettenhäusern, deren Sauberkeit je nach Standort erheblich variiert, sondern es fehlen
auch die entsprechenden Hinweisschilder. Dass sich außer dem MAINZER noch andere Mainzer Gedanken über die öffentlichen Bedürfnisanstalten machen, zeigte die Anfrage der
FDP-Stadtratsfraktion in der Stadtratsitzung Mitte März. Städte wie Konstanz und Bensheim, so die Liberalen, unterstützten die Idee, dass Gastronomen ihre Toiletten kostenfrei
zur Verfügung stellen und dafür mit einem städtischen Zuschuss bedacht werden. »Nette Toilette« oder auch »Freundliche Toilette« lautet das Konzept.
In seiner schriftlichen Antwort führt Wolfgang Reichel, Verwaltungsratsvorsitzender des Wirtschaftsbetriebs, aus, die Anzahl der Toilettenanlagen in Mainz sei, nach Meinung
des Wirtschaftsbetriebs, ausreichend. Die Verwaltung sehe wenige Möglichkeiten, die Idee umzusetzen, insbesondere der Bereich »Behindertengerechte Toilettenanlagen« könne
so nicht abgedeckt werden, Toiletten in Gaststätten könnten von behinderten Menschen häufig nicht oder schwer benutzt werden, deshalb sei auch kein Einsparpotenzial erkennbar.
Erfahrungen mit der »Netten Toilette« haben auch die Wiesbadener schon gemacht. Zeitungsberichten zufolge hatte Stadtplanungsdezernent Joachim Pös (FDP) bereits vor
vier Jahren versucht, Gastronomen für diese Idee zu begeistern. Von den ursprünglich immerhin drei Gastronomen sei einzig ein Kioskbetreiber im Nerotal übrig geblieben.
Pös kündigte an, einen neuen Anlauf unternehmen zu wollen.
Übersicht der öffentlichen Toiletten Mainz: www.wirtschaftsbetrieb.mainz.de/entwaesserung
NM