Bernhard Schott:
Mit viel Liebe zur Musik
Bernhard Schott, Gründer des Musikverlags Schott.
(Portraitfoto abfotografiert aus: Müller, Hans-Christian: Bernhard Schott: Hofmusikstecher in Mainz
(Beiträge zur mittelrheinischen Musikgeschichte, Bd. 16) Mainz, 1977.)
Zugegeben, ein musikalisches Genie à la Mozart war er nicht. Genug Ahnung von Musik hatte er trotzdem, und ein sicheres Händchen fürs Geschäftliche.
Gepaart mit der nötigen Portion Pioniergeist und dem richtigen Riecher für neue Trends schaffte er es, sich noch zu Lebzeiten ein Denkmal zu setzen.
Spaziert man heute in den Weihergarten 5 kann man es begutachten: Das einem Patrizierhaus nachempfundene Gebäude ist auch heute noch Stammsitz des
Musikverlages Schott und wurde gegen Ende des 18ten Jahrhunderts von Firmengründer Bernhard Schott in Auftrag gegeben.
Dessen Todestag jährt sich am 26. April zum 200ten Mal; Anlass genug sein bewegtes Leben unter die Lupe zu nehmen.
Geboren wird er am 9. August 1748 in Eltville am Rhein, zum Studium zieht es den Sohn eines Bäckermeisters dann in seine spätere Heimatstadt Mainz
und mitten hinein ins kulturelle Leben der Bischofsstadt. 1767 macht er seinen Abschluss an der Philosophischen Fakultät, doch ein vergeistigtes Leben
in Studierstube und hinter schweren Büchern reizt den jungen Mann nur mäßig. Vielmehr schlägt sein Herz für die Musik
und das Handwerk des Kupferstichs.
Schon vor und während seines Studiums erhielt er eine Ausbildung als Klarinettist, eine Leidenschaft, die ihn auch nach seinem Studium nicht los lässt
und dazu veranlasst, einige Zeit als Klarinettist in einer Straßburger Militärkapelle seine Brötchen zu verdienen. Investiert wird das so erwirtschaftete
Geld sogleich in Reisen nach England und Holland, bei denen er fundierte Einblicke in die Kunst des Kupferstechens gewinnt.
Privileg und Streitereien
Mit diesem Wissen kehrt er zurück nach Mainz und gründet 1770, dem Geburtsjahr Ludwig van Beethovens, einen eigenen Musikverlag.
Der Zeitpunkt ist mehr als günstig: Der Kurstaat Mainz befindet sich in einer kulturellen Blütezeit: Die Theater sind gut besucht,
aus Österreich schwappen die ersten Kompositionen der Wiener Klassik an den Rhein und die kreativen Köpfe der Mannheimer Schule stellen das musikalische
Weltbild des Barock auf den Kopf. Das lässt sich Schott nicht entgehen: Er verlegt einige Kompositionen aus Mannheim.
Ein weiterer wichtiger Kunde in den Gründungsjahren des Verlags ist die Hofkapelle des Kurfürsten und Erzbischofs Friedrich Karl Joseph von Erthal.
Letzterer muss wohl mit der Arbeit Schotts sehr zufrieden gewesen sein, immerhin verleiht er ihm 1780 den Titel des Hofmusikstechers.
Ein Titel, der weit mehr verspricht als Schall und Rauch, beinhaltet er doch das Privileg, als einziger im Kurstaat Mainz, Noten zu stechen und zu drucken.
Außerdem werden Schotts Drucke durch das kurfürstliche Privileg vor unerlaubter Vervielfältigung durch Dritte geschützt. Vor Konkurrenz ist Schott somit sicher,
vor Konflikten keineswegs. Die Zunft der Buchbinder sieht in dem offiziell als freier Künstler tätigen Schott eine ernstzunehmende Konkurrenz,
immerhin vertreibt er in seinem Geschäft am Leichhof neben Noten auch Papier und Schreibwaren. 1785 kann der Streit zwischen Zunft und Schott
aber beigelegt werden. Der bisher nicht zur Bürgerschaft gehörende Unternehmer schließt sich dieser jetzt an und tritt der Zunft der Händler und Krämer bei.
Pioniergeist trifft Nerv der Zeit
Dem Erfolg des Musikverlags leisten diese Streitereien aber keinen Abbruch. 1792 zieht Schott mit seinem Verlag vom Leichhof in den Weihergarten um.
Unter den von ihm verlegten Künstlern finden sich jetzt Namen wie Mozart und Salieri, aber auch Liedersammlungen.
Auffällig ist, dass sich Schott maßgeblich an den Theatern in seiner Umgebung orientiert: Opern, Operetten oder Sinfonien, die in den Opernhäusern
in Mainz und Frankfurt vom Publikum angenommen werden, finden sich wenig später auf der Verlagsliste Bernhard Schotts wieder.
So ist es nicht weiter verwunderlich, dass er sich in der Zeit der Mainzer Republik von 1792 bis 93 dazu entschließt, französische Revolutionslieder
unters Volk zu bringen.
Doch nicht nur musikalisch, auch technisch ist Schott am Puls der Zeit: So setzt er in der Gutenbergstadt 1796 zum ersten Mal das Druckverfahren
der Lithografie beim Vervielfältigen seiner Noten ein. Diese Steindruckmethode ermöglicht eine weitaus höhere Auflagenzahl und zeugt von dem Innovationsgeist
und Geschäftssinn, der Bernhard Schott voran treibt. Anfang des 19ten Jahrhunderts scheint sich Schott dann aus dem wirtschaftlichen Leben zurückzuziehen und
kauft den Sandhof in Heidesheim, um dort eine Papiermühle zu errichten.
Am 26. April 1809 stirbt Bernhard Schott, der von ihm gegründete Verlag hat sich von seinem Hauptsitz Mainz aus zu einem der größten Musikverlage weltweit entwickelt.
Katrin Henrich
