Archiv Heft 221
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Meinung

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Es geht auch ohne Kloppo...


Steigen die Nullfünfer auf? Diese Frage wird zum Auftakt der Rückrunde häufig gestellt. Die Antwort lautet nach bestem Radio-Eriwan-Vorbild: Im Prinzip Ja.

Jörn Andersen Mainz 05 zeigte in dieser Saison der Zweiten Bundesliga erfolgsorientierten Fußball, denn mit Jörn Andersen hat seit letztem Sommer ein Trainer das Sagen, der diszipliniert, strukturiert und ohne Rücksicht auf Namen seine Arbeit macht. Wie groß war das Jammern nach dem Abschied von Jürgen Klopp, manch selbst ernannter Fachmann und Haupttribünen-Sitzer sah die ullfünfer schon auf dem Weg in die Dritte Liga. Ein Trainer vom Absteiger Offenbach, ein Innenverteidiger vom Absteiger Offenbach und ein Stürmer vom A bsteiger Offenbach... Heute jubeln diese »Experten« Andersen, Niko Bungert und Aristide Bancé zu. Die Stimmung kippte schnell, der kühle Blonde aus Norwegen hatte eine klare Linie, die Neuverpflichtungen machten Sinn. Das 05-Spiel sorgte für Begeisterung. Dem Hurra-Stil folgte eine abgeklärte Spielweise, die Punkte brachte. Rückschläge wurden unaufgeregt weggesteckt, wohl wissend aus jahrelanger Zweitliga-Erfahrung, der Aufstieg wird erst im April und Mai entschieden. Der Abschied von Jürgen Klopp hat Mainz 05 gut getan und ein Stück befreit. Der Aufstiegstrainer hat den Verein siebeneinhalb Jahre beherrscht und dominiert. Dies galt für den Vorstand wie den Spielerkader. Plötzlich blühen Akteure wie Miroslav Karhan und Markus Feulner auf, fußballerisch begrenzte Akteure wie Milorad Pekovic gelten nicht mehr als unverzichtbar.

Jürgen Klopp Klopp hat lange alles richtig gemacht, der Abschied war aber überfällig. Manager Christian Heidel erkannte dies früh, deshalb kam es zur »Lex Aufstieg«. Im Februar und März letzten Jahres hatte Klopp den Zugriff auf das Team bereits verloren, damals wurde der Aufstieg verspielt, nicht erst in Köln und gegen Aachen im Saisonfinale. Klopp dachte zu viel an ein Engagement beim Hamburger SV, das spürte die Mannschaft. Später folgten Fehler in Aufstellung und Umgang mit den Spielern. Auch Jürgen Klopp ist eben nur ein Mensch, er hatte großen Anteil daran, dass der direkte Wiederaufstieg nicht gelang. Auch deshalb ist Heidel ungefragt bemüht zu erklären, die Mannschaft 08/09 sei viel stärker als 07/08. Denn es ist ja nicht zu übersehen, warum jetzt besser gespielt wird – mit nahezu den gleichen Akteuren. Und es fehlen sogar die kloppschen Säulen Neven Subotic, Milorad Pekovic, Marco Rose und Daniel Gunkel.

Der Abgang von Klopp gab dem Klub auch finanziellen Spielraum. Der Ex-Trainer bewegte sich bei rund zwei Millionen Euro Jahresgehalt, der Preis dafür, dass er nach dem Bundesliga-Abstieg blieb – das war aus Imagegründen richtig, sportlich aber falsch. Andersen verdient nur einen Bruchteil des Klopp-Salärs, auch deshalb konnte ein Akteur wie Bancé für knapp unter einer Million Euro gekauft werden. Zuvor war eben am Bruchweg der Trainer der Star. Jetzt steht wieder die Mannschaft im Mittelpunkt, sie kann sich nicht mehr hinter dem Meinungsführer Klopp verstecken, der im Zweifel Kritiker mit harschen Worten mundtot machte. Es geht wieder um Fußball, und der Personenkult hat ausgedient. Mainz 05 ist auf seinem Weg zurück unter die Top 18 in der richtigen Spur. Im Prinzip müsste der Aufstieg schon 2009 gelingen. Und wenn nicht, dann hat Jörn Andersen eine zweite Chance verdient. Den Aufstieg erwarten können die 05-Fans eigentlich erst dann, wenn das neue Stadion steht.

Frosch