Archiv Heft 221
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Kigges

Die Web-Seite Kigges.de

Das Internet-Forum der 05-Fans


Michael Bopp
Kigges-Macher Michael Bopp

»Ob wir dieses Mal wohl gewinnen?«, »Aber klar, war der drin!«- Für einen echten Fußballfan ist es fast genauso wichtig über das Geschehen auf dem grünen Rasen zu diskutieren,wie das Spiel selbst. Das geht am Tresen, im Stadion – oder am PC. Forum heißt das da neudeutsch und findet sich entweder auf der Klubhomepage oder ist hausgemacht. Wie im Fall von kigges.de, der wohl meistbesuchten Fan-Website von Mainz 05. Verantwortlich dafür sind Michael Bopp (Foto links) und Ben Praße (Foto unten), DER MAINZER hat die beiden befragt.

Eine Internetseite zu betreiben braucht zumindest Geld und Fach­kenntnisse. Woher kommt das im Fall ‚Kigges‘?

Bopp: Was das Know-How angeht: Ich bin Online-Redakteur …

Praße: … und ich IT-Systemadministrator.

Und die finanzielle Seite?

Praße: Anfangs haben wir das alles selbst gestemmt. Vor knapp fünf Jahren kam die Rhein-Zeitung auf uns zu und wollte uns sponsern.

Bopp: Reich werden wir dadurch zwar nicht. Aber es deckt die Kosten und reicht sogar für die Dauerkarte. Auch, weil uns der Verlag zusätzlich noch den Webspace zur Verfügung stellt.

Wann und wie sind sie eigentlich auf die Idee gekommen?

Bopp: Das war, glaube ich, 2001. Ich hatte mir das schon länger überlegt und von Vereinsseite war das Onlineangebot damals doch eher mau. Ich habe die Seite quasi aus dem Boden gestampft. Vom Pflegeaufwand bin ich danach regelrecht überrollt worden. Da haben mir zum Glück zwei Freunde, Roger Brinkmann und Markus Fleischer, tatkräftig unter die Arme gegriffen bis etwa 2005.

Praße: Dann bin ich dazugekommen. Ich habe Michael und die anderen auf einem Treffen kennengelernt und immer mal ausgeholfen. Tja und dann rutscht man da halt so rein (grinst).


Woher kommen die redaktionellen Beiträge?

Bopp: Die meisten Artikel schreiben wir selbst. Zudem übernehmen wir Meldungen vom Verein, die für uns Anhänger interessant sind. Und wir weisen auf Aktionen der einzelnen Fangruppen hin.

Ab und zu finden wir auch etwas längere Forumseinträge, die richtig gut sind. Da fragen wir nach, ob wir die auf der Startseite verwenden können. Das ist aber leider die Ausnahme. Praße: Von daher: Wenn sich je­mand berufen fühlt – einfach melden.

Der Hauptteil der Seite dürfte das Forum sein. Wie ist dabei die Teilnahme geregelt? Welche inhaltlichen Vorgaben haben Sie gesetzt? Und wie werden die kontrolliert?

Ben Praße
Kigges-Macher Ben Praße
Praße: Die Registrierung ist ganz einfach: Man denkt sich einen Usernamen aus, teilt seine E-Mailadresse mit und das war´s.

Bopp: Für die Inhalte haben wir keine besonderen Vorgaben gesetzt. Tabu sind radikale Äußerungen oder wenn es persönlich wird. Diese Einträge werden gelöscht. Oder – wenn es zu extrem wird – der User sogar gesperrt. Außerdem verzichten wir auf Links zu BILD.de und Transfermarkt.de. Das wertet das Niveau von Kigges unserer Meinung nach auf.

Praße: Die Kontrolle ist natürlich nicht ganz einfach. Wir haben zwar das Glück, durch unseren Beruf quasi immer online zu sein und überfliegen auch die meisten Neueinträge, aber wenn einer nachts um drei irgendwelche Naziparolen postet, dann kann das auch schon Mal eine Zeit lang auf der Seite stehen. Zum Glück gibt’s in solchen Fällen dann aber auch immer wieder User, die Alarm schlagen.

Die meisten Einträge drehen sich um Spiele, Verein und Mannschaft. Das ist aber nicht alles …

Bopp: Es gibt bei Kigges eigentlich nichts, was es nicht gibt. Von Glückwünschen über Tauschangebote bis hin zu Infoanfragen. Zuletzt hat einer über die Seite sogar eine Anhängerkupplung gesucht.

Praße: Vor allem in der fußballfreien Zeit tun sich die abstrusesten Geschichten auf. Aber dafür haben wir die Einträge ja auch in ‚On-Topic‘ und ‚Off-Topic‘ unterteilt.

Viele User scheinen sich persönlich zu kennen, wirken wie alte Kumpels. Dabei gilt das Internet eher als anonymes Medium. Woher kommt das? Werden neue User dadurch nicht abgeschreckt?

Bopp: Die Vertrautheit gibt es wirklich. Die stammt aus der Zeit, als Kigges noch nicht so bekannt war. Damals haben wir auch regelmäßige Treffen organisiert. Das würde heute den Rahmen sprengen. Aber viele Alt-Kiggesianer treffen sich noch immer regelmäßig vor den Spielen.

Praße: Dass dadurch neue User abgeschreckt werden, würde ich so nicht sagen. Es verzögert das Ganze. Zuerst wird anonym mitgelesen, dann lässt man sich registrieren und diskutiert mit. Normalerweise ist es andersrum.

Bopp: Aber dafür haben wir jetzt auch einen speziellen Fragebogen erstellt. Damit kann sich jeder User, wenn er will, der Kigges-Gemeinde etwas genauer vorstellen.

Immer wieder wird über die Stimmung auf den Rängen und die Art der Mannschafts-Anfeuerung diskutiert. Warum kommen die 05-Fans nicht auf einen gemeinsamen Nenner?

Bopp: Über dieses Thema könnte man wohl locker eine Magisterarbeit schreiben.

Praße: Wahrscheinlich ist die Mainzer Fanszene einfach zu schnell gewachsen. Deshalb gibt es in der Frage die unterschiedlichsten Meinungen.

Bopp: Der normale Fußballfan will, glaube ich, einfach nur das Spiel sehen, am besten einen Sieg und gute Laune. Er macht die Stimmung vom Spiel abhängig. Die aktive Szene dagegen hat oft ein regelrechtes Drehbuch, singt ihren Stil durch, egal was auf dem Rasen passiert. Das beißt sich halt manchmal.

Kigges-Macher zu sein, heißt in erster Linie ja auch 05-Fan zu sein. Deshalb: Ihr Tipp für die restliche Runde.

Praße: Boah! Mit Tipps tue ich mich eigentlich immer schwer. Aber ich sage mal: am 33. Spieltag in Fürth steigen wir auf.

Bopp: Und wenn die Schiris bis dahin wieder besser pfeifen, dann schaffen wir es sogar schon am 31. Spieltag.

Mario Bast