Mittelfeldspieler Markus Feulner:
»Da ist noch Luft nach oben!«
31 Punkte, Spitzenreiter und Herbstmeister – Bislang verläuft das Unternehmen »Aufstieg« für die Zweitligafußballer von Mainz 05 (fast) nach Plan. Einer der daran einen gehörigen Anteil hat,
ist Markus Feulner. Nicht nur wegen seiner drei Tore und neun Assists ist die Nummer »7« so etwas, wie der 05er der Vorrunde. Für den MAINZER allemal Grund , dem Mittelfeldmotor etwas auf den Zahn zu fühlen.
Herr Feulner, für viele Experten haben Sie aktuell die beste Vorrunde Ihrer Karriere gespielt. Stimmen Sie dem zu?
Feulner: Ja sicherlich. Ich glaube, dass ich jetzt endlich auch meine Rolle gefunden habe. Ich fühl mich auf der defensiven Position einfach wohl, ich bin da aufgewachsen.
Das ist dann für mich auch eine gewisse Routine und ich kann meine Stärken voll ausspielen. Dass es dann so gut geklappt hat, ist schön. Aber da ist auch noch Luft nach oben.
Sie haben es gesagt: Im Vorjahr noch auf den Flügeln zu finden, spielen Sie in dieser Saison im zentralen Mittelfeld. Wie kam dieser Wechsel eigentlich zustande?
Feulner: Da war auch ein bisschen Glück im Spiel. Der Trainer (Jörn Andersen, d.Red.) hat vor der Saison mit jedem ein Gespräch geführt. Dabei hat er mich unter anderem auch gefragt,
welche Position ich im Mittelfeld spielen kann. Und da habe ich auch gesagt, dass ich gerne defensiv spielen will, halb links oder halb rechts. Das wusste er bis dahin noch nicht und
hat es dann im Trainingslager auch gleich ausprobiert. Dann kam die Situation, dass sich Daniel Gunkel im ersten Spiel gegen Kaiserslautern verletzt hat. Danach wurde ich direkt auf
dieser Position eingesetzt und das hat dann ja auch ganz gut geklappt.
Warum war dieser Rollenwechsel für Andersen-Vorgänger Jürgen Klopp offenbar nie ein Thema?
Feulner: Weil damals nicht der Bedarf an zentralen Mittelfeldspielern da war. Jürgen Klopp hatte mich als Außenspieler geholt und wusste auch, dass ich das spielen kann.
Aber es war eben einfach nicht der Bedarf da.
Bleiben wir vielleicht kurz bei den Trainern: Worin unterscheiden sich die Beiden Ihrer Meinung nach am stärksten? Gerade auch, was die jeweilige Spielphilosophie angeht?
Feulner: Es ist sicherlich so, dass beide ihre Eigenarten haben und ihre Art zu trainieren. Jürgen Klopp zum Beispiel war sehr auf die Defensive konzentriert und auf das System.
Jörn Andersen dagegen war als Spieler Stürmer und legt damit automatisch etwas mehr Wert auf die Offensive. Das ist vielleicht der gravierendste Unterschied.
Wo fühlen Sie sich selbst wohler?
Feulner: Es muss beides stimmen. Ich denke, dass jede Spitzenmannschaft eine gute Defensive haben muss und trotzdem schnell und gefährlich nach vorne spielt. Wenn das so bei uns passt, ist das wunderbar.
Themawechsel: Die ganze Vorrunde über war der FSV oben mit dabei und wurde am Ende dann sogar Herbstmeister. Trotzdem herrscht am Bruchweg nicht gänzlich Friede, Freude, Eierkuchen. Warum?
Feulner: Wir haben sehr stark begonnen, aber wir haben dann auch Punkte liegen gelassen, vor allem am Ende. Teilweise waren wir selbst schuld, dazu kam ein bisschen Pech,
mit einigen Schiedsrichterentscheidungen. Und so fehlen uns halt einige Zähler. Das ist sehr schade, aber jetzt müssen wir kucken, dass wir das in der Rückrunde abstellen.
Die zahlreichen Gegentore und damit Punktverluste in den Schlussminuten haben Sie bereits angesprochen. Wie ist das zu erklären?
Feulner: Das gesamte Verhalten der Mannschaft hat da einfach nicht mehr gestimmt. Wahrscheinlich wollten wir zu viel, wollten unbedingt den Sieg. Das war dann ausschlaggebend,
dass das gegnerische Team einen Konter setzen konnte und wir dann schachmatt waren, weil es jedes Mal kurz vor Schluss passiert ist.
Eine weitere Rolle, warum der Vorsprung auf die Verfolger nicht größer geworden ist, dürften auch die zahlreichen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter gewesen sein. Wie erlebt man das als Spieler? Wie bleibt man da ruhig?
Feulner: Jeder macht Fehler, wir auch, gar keine Frage. Gravierend, denke ich, war die Vielzahl. Wäre es nur die Hälfte gewesen, würden wir wahrscheinlich gar nicht darüber reden.
So aber war es schon etwas Pech für uns.
Ungewöhnlich war auch die eher schwache Punktausbeute hier am Bruchweg. Dafür gibt es Erklärungen, keine Frage. Aber besteht nicht die Gefahr, dass sich eine Art Heimkomplex in den Köpfen der Spieler einnistet?
Feulner: Bei uns eigentlich nicht. Wir wissen, dass wir die meisten Heimspiele bestimmt haben, dominant waren und genügend Torchancen hatten. Die einzige Ausnahme war Ingolstadt,
wo wir wirklich schlecht waren. Von daher war oft Pech im Spiel, gepaart mit einigen Unkonzentriertheiten. Aber insgesamt, denke ich waren auch unsere Heimspiele sehr stark, bis auf die Ergebnisse eben.
Werfen wir einen kurzen Blick in die Zukunft. Ihr Vertrag in Mainz läuft aus. Wie wird, wie soll es für Sie weitergehen?
Feulner: Konkrete Gedankengänge gibt’s da noch nicht. Der Verein wird, denke ich, auf mich zukommen und wir werden sprechen. Wichtiger ist jetzt auch erst einmal, dass wir gut in die Rückrunde starten,
unsere Spiele gewinnen und möglichst viele Punkte holen. Und dann wird sich das mit meiner Zukunft auch irgendwann regeln.
Zum Abschluss würde ich Sie bitten, zwei Sätze, die ich beginne, zu vervollständigen. Also: Mainz 05 steigt in die Bundesliga auf weil …
Feulner: … weil wir die beste Mannschaft haben.
Und Satz Nummer zwei: Ich kenne beide Städte und deshalb ist die Mainzer Fassenacht im Vergleich zum Karneval in Köln …
Feulner: … da kann ich jetzt nix zu sagen (lacht). Nix zur Münchner Wiesn.
Elegant. Danke Herr Feulner für das Gespräch.
Mario Bast