Ein Geschenk aus Valencia:
der Krug auf der Gass’
Übersehen kann man ihn kaum, den mächtigen Krug auf der Rheinstraße, auf der Verkehrsinsel zwischen den beiden Hilton-Gebäuden. Neben einer meterhohen Hanfpalme und je nach Jahreszeit
von bunten Blumen umwachsen verbreitet er mitten auf einer der Hauptverkehrsstraßen in Mainz einen Hauch von mediterranem Flair.
Wie aber hat es ihn dorthin verschlagen? Was ist sein Zweck? Stammt er tatsächlich aus dem fernen Süden? Oder ist er am End’ ein archäologisches Fundstück
und wurde beim Hilton-Bau zusammen mit den spektakulären Römerschiffen ausgegraben? Die Antwort liefert schließlich Landschaftsgärtner Richard Birkenstock vom Mainzer Grünamt.
Tatsächlich ist der Krug kein Relikt aus der Römerzeit, sondern ein Überbleibsel aus den Anfängen der Städtepartnerschaft zwischen Mainz und dem spanischen Valencia. Damals,
Ende der 70er Jahre, entstand im Stadtpark der so genannte Valencia-Garten. Kleine Fincas wurden nachgebaut und das Ganze mit Dattelpalmen und Deko-Artikeln geschmückt, die die Stadt Valencia gestiftet hatte.
Zu diesen Deko-Artikeln gehörte auch der Krug aus tonfarbenem Beton. Anfang der 80ger Jahre wurde der Valencia-Garten dann wieder aufgelöst. Zum einen stellte sich heraus,
dass die Dattelpalmen den (damals noch) harten Mainzer Wintern nicht standhielten. Zum anderen musste der Bereich wegen der Erweiterung des Favorite Parkhotels ohnehin umgestaltet werden.
Der Krug wurde eingemottet und auf dem Betriebsgelände der Stadtgärtnerei zwischengelagert. Als dann Ende der 90er Jahre die Verkehrsinsel auf der Rheinstraße gestaltet wurde,
erinnerte sich Richard Birkenstock an ihn. Hinzu kam, dass die Mainzer Winter in Anbetracht des Klimawandels mittlerweile auch keine Palme mehr schrecken können.
Und so stehen, bzw. liegen Palme und Krug seit Jahren mitten auf der Rheinstraße und sollen dort tatsächlich nichts weiter tun, als ein wenig südländische Atmosphäre zu verbreiten.
Ilona Hartman
