Die Korbgasse:
im Wandel der Zeit
In den vergangenen Jahren hat die Korbgasse ja vor allem als potentielle Designermeile Schlagzeilen gemacht. Die ersten Ansätze, was aus der Gasse mal werden könnte,
können die Mainzer seit kurzem bewundern. Mit den nagelneuen (und umstrittenen) Markthäusern sind auch die ersten neuen Läden in die Korbgasse eingezogen. Und noch mehr sollen folgen.
Auch, wenn man es sich bis vor kurzem nur schwer vorstellen konnte: das kleine Verbindungsgässchen zwischen Rebstockplatz und Schusterstraße gilt in Investorenkreisen als Perle. So hieß
es beispielsweise in einer Presseerklärung der CDU im Juli dieses Jahres, mit dem Neubau der Markthäuser tue sich auch für das »Hinterhofdasein der Korbgasse« endlich neue Hoffnung auf.
»Der Standort ist zu wertvoll für das Nischendasein, das er augenblicklich noch führt.« Und wahrlich: ein Blick auf die lange Geschichte der Korbgasse zeigt, dass ein »Nischendasein« ihr
wirklich nicht gerecht wird – beherbergte sie doch eine der Wirkungsstätten Guten-bergs in der Stadt. Zudem noch die einzig bis heute erhaltene! Ihren Namen verdankt die Korbgasse nämlich
dem »Hof zum Korb«. Dieses Haus steht genau an der Ecke Korbgasse/Korbgässchen.
Erstmals erwähnt wurde das Gebäude »Zum Korbe« 1344. Warum das Haus so genannt wurde, lässt sich nicht mehr
endgültig klären. Möglicherweise bestand es tatsächlich ursprünglich aus Flechtwerk, eben wie ein Korb. Im 15. Jahrhundert jedenfalls gehörte der »Hof zum Korb« Peter Schöffer, dem Mitarbeiter
Gutenbergs. Zusammen mit dem »Hof zum Humbrecht« in der Schusterstraße beherbergte der »Hof zum Korb« die Druckerwerkstatt der beiden. Später erlebte das Haus noch ein feuchtfröhliches Zwischenspiel
als Brauhaus »Schöfferhof« und wurde mit den Jahren immer baufälliger. 1974 dann wurde das Gebäude wieder komplett aufgebaut. Mit dieser Historie im Hintergrund ist eins wohl sicher.
Auch wenn in der Korbgasse noch so viel saniert, abgerissen oder umgebaut wird, um für Designerläden Platz zu machen: der »Hof zum Korb« dürfte Bestandsschutz genießen und der Korbgasse als ihr
Namensgeber auf ewig erhalten bleiben.
Ilona Hartmann