Mercedes CLC: Schräghecklimousine mit neuem Design
Wilderer in fremden Revieren
Höchstgeschwindigkeit:
220 km/h
PS/kW: 143/105
Verbrauch: 7,5 Liter Super
Grundpreis: 23.625,– Euro
Testwagenpreis: 35.128,– Euro
(Komfortpaket, Klimaautomatik,
PARKTRONIC, Navigation etc.)
Als der Premium-Hersteller Mercedes
2001 mit einem Dreitürer auf
Basis der C-Klasse auf den Markt
kam, war das Erstaunen bei der
Konkurrenz nicht schlecht: Wer
kauft schon einen Benz mit Schrägheck?
Doch der Kunde sah das anders:
Bis heute entschieden sich
320.000 Käufer für diese Variante
der Mittelklasse mit dem Stern.
Dazu wilderte der kleine Schwabenpfeil
kräftig in fremden Revieren.
Etwa 70 Prozent der Fahrer des als
»Coupe« bezeichneten Autos hatten
zuvor eine andere Marke bevorzugt.
Jetzt kommt der Nachfolger zu den
Händlern. Grund genug für den
»MAINZER«, das neue Modell unter
die Lupe zu nehmen. Wir fuhren den
CLC 180 Kompressor.
Die Untertürkheimer nennen das
»Sportcoupe« jetzt CLC Sportcoupe.
Das klingt nach großem Generationswechsel,
nach Designikonen
vom Schlage einer CL- Sportlimousine.
Doch das stimmt nur bedingt:
Zwar erhält der Nachfolger ein
schmuckes neues Blechkleid, doch
die Karosserie ist auf der Bodengruppe
der alten C-Klasse platziert,
die Motoren sind alte Bekannte. Bewährte
Technik also in neuem Gewand
– nur so konnte man die Preise
für Mercedes-Verhältnisse mit
unter 30.000 Euro moderat halten.
Das war entscheidend für die
Schwaben, denn gilt das Schrägheckmodell
mehr noch als die Aoder
B-Klasse als Einstieg in die
Sternenflotte. Der CLC soll in der
Tradition seines Vorgängers die
Marke für jüngere und vor allem
neue Kundenkreise öffnen. Dazu
kommt: über 40 Prozent der Käufer
des »Sportcoupes« entschieden sich
danach für ein größeres Mercedes-
Modell und fahren heute eine EKlasse,
einen CLK oder einen SLK.
Im Auftritt gibt sich der CLC aggressiv:
Die deutlichen optischen
Veränderungen haben dem Schrägheckflitzer
gut getan. Rund 1100
Bauteile wurden verändert. So
kommt der kleine Mercedes jetzt
mit völlig neuer Schnauze daher
und trägt das Gesicht der aktuellen
C-Klasse in der Avantgarde-Ausstattung
mit dem großen, in den
Kühlergrill integrierten Stern. Der
breite Lufteinlass unter der Motorhaube
unterstreicht die Dynamik
des Schrägheckmodells.
Auch das
Heck ist neu: Hier grüßt ein Mix aus
B- und CL-Klasse. Der Spoiler, der
beim alten »Sportcoupe« das Heckfenster
teilte, ist fast völlig verschwunden.
Zwar ist er immer noch
angedeutet, er wird jetzt jedoch
nach unten von einem schmalen
LED-Leuchtband als dritter Bremsleuchte
begrenzt. Die deutlichen
optischen Korrekturen verhelfen
dem CLC zu einem wesentlich
sportlicheren Auftreten.
Die Platzverhältnisse im Innenraum
sind bei einem Radstand von
2,72 Metern mehr als ausreichend,
die Sitzposition bequem, die Knöpfe
richtig angeordnet, die Armaturen
gut ablesbar. Die angebotenen Farben
wirken frisch und modern, die
Zierkonsolen bestehen aus gebürstetem
Aluminium. Einzig das Infotainmentsystem
auf Höhe des Schaltknüppels
wäre etwas oberhalb besser
platziert. Dafür ist es mit Farbdisplay,
europaweiter DVD- oder
Festplatten-Navigation und Media-
Schnittstelle auf den neuesten Stand
gebracht.
Das gute Raumangebot
gilt allerdings nur für die vorderen
Passagiere: Im Heck geht es trotz
Easy-Entry-Sitzen besonders für
Erwachsene eher eng zu. Der Fond
zeichnet sich durch mäßige Kopfund
Beinfreiheit aus – kein Auto für
die Großfamilie also. Der jugendliche
Käufer, der mit diesem Wagen
zur Mercedes-Familie gelockt werden
soll, wird hinten wohl eher zusätzliches
Feriengepäck oder Sporttaschen
deponieren. Apropos Gepäck:
Mit 310 Litern bietet der Kofferraum auf Mittelklasse-Niveau
ausreichend Möglichkeiten für alle
Arten von Ladegut.
In Fahrt bringen den CLC wahlweise
vier Vier- und zwei Sechszylindermotoren
mit einem Leistungsspektrum
von 122 bis 272 PS. Doch
wie üblich haben die Untertürkheimer
die Maschinen zur Modellpflege
optimiert. Obwohl die Leistung
zum Teil deutlich steigt, geht
der Verbrauch auf diese Weise um
bis zu elf Prozent zurück. So schafft
der schnellste CLC den Standardsprint
in 6,3 Sekunden und wird erst
bei 250 km/h abgeriegelt. Der 206
km/h schnelle CLC 200 CDI geht
mit einem Verbrauch von 5,8 Litern
und einer Reichweite von mehr als
1000 Kilometern durchs Ziel.
Mit der von uns gefahrenen Benzinerversion
CLC 180 Kompressor
(143 PS/105 kW) bietet sich dem interessierten
Kunden ein gelungener
Kompromiss zwischen Sparsamkeit
und Sportlichkeit. Zwar wäre vermessen,
bei einer Nenndrehzahl
von 220 Newtonmetern von einem
Sprinter zu reden, dennoch hat man
bei dem knapp 1,5 Tonnen schweren
Wagen nie das Gefühl, untermotorisiert
zu sein. Der serienmäßig
mit einem Sechsganggetriebe ausgerüstete
Vierzylinder dreht willig
hoch und hat auch genügend Reserven
beim überholen.
Das ausgewogene
Fahrwerk lässt die Passagiere
auch auf schlechten Landstraßen
nicht im Stich, der Motor bleibt angenehm
leise. Auch die direkte Lenkung
sorgt »für Freude am Fahren«.
Dabei liegt der Verbrauch mit etwa
7,5 Litern Superbenzin auf erträglichem
Niveau. Wer auf der Autobahn
den sechsten Gang häufig nutzt,
kann diesen Wert auch noch locker
unterbieten. In 9,7 Sekunden ist
Tempo 100 km/h erreicht, die Höchstgeschwindigkeit
beträgt 220 km/h.