Mainz - Brasov
Helfende Hände für eine Kindertagestätte

Kindergeschrei und Musik dringen aus einem kleinen flachen Gebäude, dessen Fenster Papierblumen schmücken. Der Kindergarten der Krokusse – »Grandinita Branduselor« – im passenden Stadtteil ‚Florilor’, was übersetzt Blumen heißt, wirkt wie eine kleine Insel in dem tristen Viertel von Brasov, dem ehemaligen Kronstadt, in Rumänien. Die Schaukeln, bunte Rutschen und Sandkästen stehen im Garten der Tagesstätte, die sich deutlich vom grauen Beton der Plattenbauten abhebt. Nach knapp 18 Jahren ist der kommunistische Einfluss trotz diverser Modernisierungsprozesse immer noch nicht zu übersehen. Dass die Kindertagesstätte, die zur griechischkatholischen Kirche gehört, ungeachtet staatlicher Widerstände seit nunmehr neun Jahren noch besteht, zudem größer und schöner geworden ist, verdankt sie Adriane Zima und den vielen helfenden Kontaktstellen in Mainz. Auf Initiative der aus Brasov stammenden Architektin, die bereits seit 1988 in Mainz lebt, wird der Kindergarten 1999 trotz bürokratischer Widerstände der rumänischen Behörden erbaut. Der Anstoß ging von der griechisch-katholischen Kirche aus, einem Abzweig der römisch-katholischen, die jahrzehntelang unter dem Kommunismus verboten war. Sie beginnt nach dem Sturz des Diktators Ceausescu 1989 schrittweise eigene Einrichtungen wieder aufzubauen sowie Kirchen in den Pfarreien zu renovieren oder neu zu errichten. »Der Kindergarten wurde hier dringend benötigt, denn es gab keine guten Kindergärten. Allerdings werden private Kindergärten in Rumänien nicht vom Staat oder von der Stadt subventioniert. Deshalb mussten wir andere Wege finden, um das Projekt auf die Beine zu stellen«, erklärt Adriane Zima, die selbst griechisch-katholisch ist. Seit 1992 arbeitet sie für das Bistum Mainz und leitet die baulichen Projekte der zugehörigen Kindergärten. So sieht sie bei den Umbauarbeiten des St. Rochus Kindergartens viele ausrangierte Bauelemente, die für den Aufbau der Kindertagesstätte in ihrer Heimatstadt geeignet sind. Mit Einwilligung des Bistums und der Unterstützung ihrer Arbeitskollegin, Sigrid Stollenwerk, wird der Abbau der Fertigteilgebäude mit Fensterelementen und Sanitäranlagen organisiert und als Grundstock für den ersten privaten griechisch-katholischen Kindergarten in Brasov genutzt. Im Laufe der Zeit spenden und senden weitere Mainzer Kindertagesstätten wie St. Ignaz und St. Bartholomäus ihre Einrichtungsgegenstände und Spielgeräte nach Rumänien. Zusätzlich hilft das Bistum Mainz dabei, finanzielle Engpässe zu bewältigen und zahlt seit 2003 die Löhne für die Mitarbeiter der Kindertagesstätte Branduselor, die inzwischen 45 Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren betreuen kann.
BESONDERE FREUNDSCHAFT
Neben den vielen Verbindungen
in Mainz entwickelt sich ein besonderer
Kontakt zwischen dem
Elternkreis des St. Alban/St. Jakobus-
Kindergarten in der Mainzer
Oberstadt und den Leiterinnen des
Kindergartens in Brasov. Aus den
gegenseitigen Besuchen entstehen
über die Jahre in einem speziell
gegründeten Arbeitskreis, den
Mona Kiefer mitbegründete, zahlreiche
Projekte zur Unterstützung
der rumänischen Tagesstätte.
Seitdem werden die von rumänischen
Künstlern bemalten Ostereier
zum Fest in Mainzer Kirchen
und im Bistums-Shop verkauft und
das Geld der Tagesstätte überwiesen.
Zudem fließt die Hälfte des
Erlöses jedes Sommerfestes des
Mainzer Kinderhauses nach Rumänien.
über den fachlich pädagogischen
Austausch werden zusätzlich
Kinderprojekte in beiden Ländern
angestoßen. Im November
2007 dann rundet die Unterzeichnung
eines Partnerschaftsvertrages
die besondere Freundschaft
zwischen dem Kindergarten Branduselor
und dem Kinderhaus St.
Alban/St. Jakobus ab. »Uns ist sehr
daran gelegen, dass dieses persönliche
Verhältnis und der Austausch
mit dem Kindergarten weiter ausgebaut
wird, denn damit können
wir weiterhin einen Beitrag dazu
leisten, die Situation vor Ort in Rumänien
zu erhalten und zu verbessern
«, sagt Mona Kiefer engagiert.
Laut ihren Beobachtungen
seien die Preise gerade für Lebenshaltungskosten
in Rumänien nach
dessen EU-Beitritt 2007 stetig gestiegen,
jedoch lägen die Löhne
noch immer weit unterhalb des
westlichen Standards. Demnach
ist die finanzielle Zukunft des Kindergartens
ungewiss, obwohl viele
Eltern inzwischen schon 40 Euro
für ihr Kind im Monat zahlen würden
– viel Geld für rumänische Verhältnisse.
Eingereichte Anträge
auf Unterstützung vom Staat, der
inzwischen ein Gesetz eingeführt
hat, dass die Förderung privater
Tagesstätten vorsieht, werden nur
langsam bearbeitet. Seit einem
Jahr wartet die Leitung des Grandinita
Branduselor nun schon auf
Antwort.
Mehr Informationen über den
Kindergarten in Brasov und das
Partnerschaftsprojekt:
Johanna Trs Nöllgen
(Leiterin St. Alban/ St. Jakobus
Kinderhaus): 06131/25069-11,
Mona Kiefer: 06131/89 15 10
NM