Mit Kultur im Gepäck
Hilfe beim Demokratie-Aufbau
Kultur verbindet, überwindet Grenzen und schreibt hin und wieder sogar Geschichte. Auch wenn letzteres im Falle der Städtepartnerschaft zwischen Mainz und Valencia nur in kleinem Maße geschah, so können sich die Mainzer und Valencianer doch damit brüsten, die erste deutsch-spanische Städtepartnerschaft auf die Beine gestellt zu haben. Urkundlich festgehalten wurde dieser kleine Teil europäischer Geschichte im Dezember 1978, doch der entscheidende Schritt hin zu einer Partnerschaft beider Städte erfolgte schon einige Jahre vorher. Und hier kommt die Kultur ins Spiel, oder genauer gesagt, das Ensemble des Mainzer Theaters. Die Wagner Opern »Tannhäuser« und »Der fliegende Holländer« im Gepäck, hatte sich das Mainzer Ensemble auf Konzertreise nach Spanien begeben, ein Spielort dieser Tournee hieß Valencia. Das Besondere an diesem Auftritt in der spanischen Mittelmeerstadt war allerdings, dass auch eine kleine Delegation des Mainzer Stadtrats mit von der Partie war. Erste Kulturkontakte wurden geknüpft und 1976 wurden in Valencia die ersten Mainzer Kulturtage veranstaltet. Der Abschluss eines offiziellen Partnerschaftsvertrages war dann nur noch eine Frage der Zeit.
Gemeinsamkeiten überwiegen

Der bereits bestehende Kulturaustausch zwischen beiden Städten mag ein Grund für die Partnerschaft zwischen der rheinlandpfälzischen Hauptstadt und der Hauptstadt der spanischen Provinz Valencia gewesen sein. Allerdings finden sich auch in der Geschichte der beiden Städte überraschend viele Gemeinsamkeiten. Valencia wurde, wie Mainz, bereits unter den Römern gegründet und während Mainz im 13. und 14. Jahrhundert seine mittelalterliche Blütezeit erlebte, entwickelte sich Valencia ungefähr zur gleichen Zeit unter den Mauren zu einer wichtigen Handelsstadt. Auch der Buchdruck verbindet die beiden Städte: Die Kunst der beweglichen Lettern wurde auf spanischem Boden zuerst in Valencia praktiziert. Ausschlaggebend für die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags dürften, über die historischen Gemeinsamkeiten hinausgehend, dann aber doch die zeitgeschichtlichen, politischen Umstürze gewesen sein: Spanien befand sich zu Zeiten der Annäherung von Mainz und Valencia gerade in der Umbruchphase vom diktatorischen Franco-Regime hin zur Bildung eines demokratischen Staates. Die Mainzer Unterstützung beim Aufbau demokratischer, kommunalpolitischer Strukturen wurde daher von der spanischen Stadt dankend angenommen.
Druckkunst und Völkerverständigung

Im Mittelpunkt des 30-jährigen
Partnerschaftsjubiläums stehen in
diesem Jahr kulturelle Aktivitäten.
Offiziell los geht es am 20.6, wenn
eine offizielle Delegation in Mainz
eintrifft und im Rathaus die Ausstellung
des aus Valencia stammenden
Künstlers Manuel Boix
eröffnet. Passend zur Buchdrucker-
Stadt Mainz beschäftigt sich Boix
neben der Malerei mit der Druckkunst,
die den Schwerpunkt dieser
Ausstellung bildet. Der offizielle
Jubiläums-Festakt ist einen Tag
später geplant: am 21.6 steht ab 17
Uhr der Ratssaal ganz im Zeichen
der deutsch–spanischen Begegnung.
Doch nicht nur die Stadt hat im
Jubiläumsjahr Veranstaltungen geplant,
auch die Deutsch-Spanische
Gesellschaft Valencia
e.V. hat sich einige Besonderheiten
ausgedacht. Im September ist
ein Figurentheater in den Kammerspielen
Mainz geplant, das die
spanische Geschichte des gegen
Windmühlen ankämpfenden Don
Quijote thematisiert und im Oktober
widmet sich der Kulturverein in
einem Vortrag dem aus Valencia
stammenden Stararchitekten
Santiago Calatrava.
Neu: Das Amt für öffentlichkeitsarbeit
der Stadt Mainz hat eine
Broschüre zu 30 Jahren Städtepartnerschaft
Mainz-Valencia erarbeitet.
Info: Tel. 122382,
Katrin Henrich