Kompetenz im Umgang mit Medien
Fit für Fernsehen, Computer und Co.
Fernseher, Spielekonsolen, Computer, Internet und Handys – Kinder und Jugendliche sammeln mit ihnen wichtige Erfahrungen, und können gleichzeitig vielen Gefahren begegnen. Als Ausweg aus dem Mediendschungel fällt oft das Stichwort »Medienkompetenz«. DER MAINZER fragte Professor Dr. Stefan Aufenanger, Professor für Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Mainz und wissenschaftlicher Direktor der Stiftung Lesen, was sich dahinter verbirgt.
Prof. Aufenanger:
Medienkompetenz
heißt, dass Menschen
in unserer durch Medien geprägten
Welt mit den Medien sinnvoll,
angemessen und sozial verantwortlich
umgehen können. Das bezieht
sich nicht nur darauf, die
Medien zu bedienen, sondern es
gibt sehr viele Aspekte von Medienkompetenz.
Zum einen muss
man die sozialen Folgen im Blick
haben, also welche Auswirkungen
es beispielsweise hat, wenn ich
mit jemand nur per E-Mail verkehre.
Zum anderen bedeutet es auch
die Fähigkeit, Medien unter moralischen,
ethischen Gesichtspunkten
kritisch zu betrachten. Medienkompetenz
bedeutet natürlich
auch mit Medien etwas gestalten,
ausdrücken zu können. Darüber
hinaus haben Medien einen Erlebnischarakter,
das heißt, sie betreffen
uns emotional. Auch damit
sollte man umgehen können.
Wie viel Zeit vor der Glotze
oder am Computer ist in
welchem Alter »gesund«?
Prof. Aufenanger:
»Erstens:
Eltern müssen das selbst entscheiden,
weil jedes Kind anders ist.
Zweitens empfehle ich folgende
Anhaltspunkte: bei Kindern zwischen
drei und sechs Jahren sollte
der Medienkonsum bei einer halben
bis maximal einer Stunde am
Tag liegen. Mit Medienkonsum
meine ich Bildschirmmedien wie
Fernsehen, Videospiele, Computer
oder auch DVD. Bei Sechs- bis
Achtjährigen kann es eine halbe
Stunde mehr sein, Neun- bis
Zehnjährige können auch mal zwei
Stunden konsumieren. Wichtig ist,
dass Eltern das flexibel und dynamisch
handhaben: Wenn das
Wetter draußen schlecht ist, darf
das Kind länger gucken, ist das
Wetter schön, dann weniger.«
Neben der Zeit spielen
auch die Inhalte eine große
Rolle, welche Sendungen,
welche Spiele sind gut für
Kinder und welche nicht?
Prof. Aufenanger:
»Fernsehzeitschriften oder Internet
Informieren über Inhalte, zum Beispiel
»Flimmo«, eine Broschüre, in
der vierzehntäglich das Kinderfernsehen
vorgestellt und eingeordnet
wird (www.flimmo.de).
Eltern sollten sich Computerspiele
vorspielen lassen, um entscheiden
zu können, ob das was für ihr Kind
ist. Zum sicheren, kindgerechten
Surfen im Internet gibt es spezielle
Kinder-Portale oder Webseiten, die
vorher extra für Kinder ausgewählt
wurden.« (siehe Kasten)
Wie können Eltern ihren
Kindern im sicheren Umgang
mit Medien helfen?
Prof. Aufenanger:
Meiner
Ansicht nach ist es eine Aufgabe
von Elternschaft zu schauen, »was
kuckt oder was spielt mein Kind?«.
Damit meine ich Neugierde, zum
Beispiel zu fragen, um was es in
dem Film ging, den sich das Kind
angeschaut hat, ob es damit
Schwierigkeiten hatte, etc. Eltern
sollten ihren Kindern unterstützend,
helfend zur Seite stehen,
Vertrauen ist eine wichtige Basis.
Ungeeignet ist meiner Meinung
nach sowohl alles zu verbieten, als
auch eine laissez-faire-Haltung,
wenn Eltern denken, dass das Kind
selbst zurecht kommt.
Wie können Eltern feststellen,
wenn etwas nicht
stimmt?
Prof. Aufenanger:
Suchtgefahr besteht,
wenn das Kind
nichts anderes mehr
macht. Wenn ein
Kind mal eine Woche
lang fernsieht, sollte
man das dulden.
Meistens stecken
Alltagsprobleme dahinter,
wie Stress in der
Schule oder Zoff mit
Freunden und die
Kinder wollen mal
flüchten. Ist das längerfristig
so, dann müssen
Eltern eingreifen: Mit
dem Kind reden oder vereinbaren,
dass es am Tag
beispielsweise nur noch eine
Stunde am Computer spielt. Hilft
das nicht mehr, sollten Eltern auf
jeden Fall professionelle Hilfe suchen
– bei einer Familienberatung,
beim Psychologen, oder mit Lehrern
oder Sozialarbeitern sprechen.
Kindersicher das Netz entdecken
Sie sind so etwas wie die
Jugendschutzpolizei im Internet,
die 25 Mitarbeiter von jugendschutz.net in Mainz. Ihre Mission:
Pornografische, rechtsextreme
oder gewaltverherrlichende Inhalte
im Netz aufspüren und dafür
sorgen, dass ihre Anbieter diese
rasch ändern, löschen oder für
Kinder und Jugendliche sperren.
»Uns geht es aber nicht nur darum,
die schlechten Seiten zu bekämpfen,
es ist auch wichtig, Kindern
gute Wege im Internet aufzuzeigen
«, erklärt Dr. Ulrike Behrens von
jugendschutz.net. Und so haben
die Jugendschützer vor zweieinhalb
Jahren gemeinsam mit der
Stiftung MedienKompetenz Forum
Südwest (MKFS) die Klick-Tipps
ins Leben gerufen.
Das ist eine Art
»Verkehrsleitsystem«, das Kindern
hilft, sich im Netz zurechtzufinden.
Eine unabhängige Redaktion von
vier jugendschutz.net-Mitarbeitern,
vor allem Medienpädagogen,
durchforstet alle Kinderseiten im
Internet und nimmt die besten in
die Klick-Tipps auf. Pro Woche werden
drei aktuelle Themen mit bis
zu acht Links zusammengestellt.
Eine Liste führt zu weiteren 35
kindgerechten Internetseiten.
Darüber hinaus bringt eine Kinderredaktion
die Interessen der Kids
ein. 15 Fünftklässler der IGS in
Mainz-Bretzenheim waren zum
Beispiel ein halbes Jahr lang dabei.
Seit kurzem gibt´s eine Online-
Kinderredaktion. Die Klick-
Tipps kann jeder kostenlos in seine
Webseite einbauen.
»Das ist keine
klassische Verlinkung, sondern ein
inhaltliches Angebot für andere
Homepages, das sich automatisch
wöchentlich aktualisiert«, verdeutlicht
Behrens. Bislang gibt´s über
100 Abnehmer, die die Klick-Tipps
in ihre Seite integriert haben, darunter
viele Schulen, Kinder- und
Jugendeinrichtungen.
Mehr Infos unter:
www.klick-tipps.net
oder unter
www.jugendschutz.net
Ute Gent

