Schwarz und Weiss
»Im Schatten der Macht«
Vor 40 Jahren, im April 1968,
wurde der schwarze Bürgerrechtler
Dr. Martin Luther King in Tennessee
ermordet. 33 Jahre später wurde
er in Mainz mit einem der wohl
imposantesten Denkmäler der
Stadt geehrt. Imposant, aber ziemlich
versteckt. Mitten im Martin
Luther King-Park, auf dem ebenfalls
nach ihm benannten Platz auf
der Rückseite des Einkaufszentrums
am Dr. Martin-Luther King-
Weg. Wie es zu so viel Würdigung
eines Mannes kommt, der nie einen
Fuß nach Mainz gesetzt hat?
Der Hintergrund ist nicht etwa eine
heimliche Verbundenheit Kings
mit Mainz, sondern ein symbolischer.
Der Name Martin Luther
King-Park stammt noch aus der
Zeit, als die Wohnsiedlung ein ‚village’
war und von amerikanischen
Soldatenfamilien, auch vielen
schwarzen, bewohnt wurde. Nach
dem Abzug des US-Militärs wollte
die Wohnbau Mainz AG weiter an
den Bürgerrechtler King erinnern
und ließ ihm das besagte Denkmal
errichten.
Geschaffen wurde es
von dem rumänischen Künstler
Dorél Dobocan. Eine schwarze und
eine weiße Wand, die wie Puzzleteile
ineinander greifen würden,
wäre da nicht ein gigantischer
Stuhl, der die beiden voneinander
trennt. »Was bedeutet der Stuhl?«-
diese Frage hörte Dobocan anfangs
ständig. Zum einen, so erklärt der
Künstler, erinnert der Stuhl an den
Beginn der Bürgerrechtsbewegung
in Amerika, als erstmals eine
Schwarze im Bus einen Sitzplatz
forderte und prompt dafür verhaftet
wurde.
Zum Zweiten sei der
Stuhl aber auch ein Symbol für die
Macht, die angesichts der Bewegung
ins Wanken gerät. So lautet
der Titel des Kunstwerkes denn
auch: Im Schatten der Macht.
Zusätzlich wurde am Fuße des
Denkmals noch eine Gedenktafel
in den Boden eingelassen mit den
berühmten Worten von Martin
Luther King, die auch heute, 40
Jahre nach seinem Tod, unverändert
Gültigkeit haben: »Wir haben
gelernt wie die Vögel zu fliegen
und wie die Fische zu schwimmen.
Doch wir haben nicht gelernt, in
Frieden miteinander zu leben.«
Ilona Hartmann

