
Rechts vor links: gilt auch, wenn Radler gegen die Einbahnstraße fahren dürfen und zwar für Radfahrer und Autofahrer, auch wenn alles irgendwie seitenverkehrt zu sein scheint.

Das Tempo von Radlern, die in dazu freigegebenen Fußgängerzonen fahren, muss sich dem Umfeld, sprich den Fußgängern anpassen: je langsamer die laufen, je langsamer treten Radler in die Pedale und kurz bevor sie umfallen, sollten sie absteigen. Das ist kein Witz: Nicht alle Radler haben ihr Gleichgewicht so unter Kontrolle, dass sie im Schritttempo auf dem Sattel bleiben. Was an sich und besonders unter dem Gesichtspunkt »Miteinander im öffentlichen Raum« natürlich erscheint, sieht in der Praxis oft anders aus: die gemeinsam genutzte Fußgängerzone wird zur Rennstrecke, Laufende weichen der Macht der Schnelligkeit. Dabei wollten die Verkehrsplaner den Radlern was Gutes tun: Die – probeweise- Freigabe dieser Zonen lässt Radler den Innenstadtbereich auf direkten Wegen passieren. Und diese Freigabe kann rückgängig gemacht werden!

»Fahren Sie gefälligst auf den Fahrradweg, dafür ist er schließlich gemacht worden!« Der wenig freundliche Hinweis geht in diesem Falle, entlang der Göttelmannstraße, voll daneben! Es gibt Fahrradwege, die von der Benutzungspflicht ausgenommen sind: Mann und Frau kann, muss aber nicht auf diesem Weg radeln. Wie erkennen das Zweiund Vierradlenker? Zum Beispiel an nebenstehendem Schild. Aber auch daran dass zwar ein Fahrrad auf den Weg gemalt ist, aber keine Schilder da sind. Also Obacht geben: Auch dort wo KEINE Schilder sind! AUFPASSEN! Kinder bis 8 Jahre MüSSEN auf dem Gehweg fahren – auch wenn ein Fahrradweg vorhanden ist; zwischen 8 und 10 Jahre DüRFEN Kinder auf dem Gehweg fahren.

Auf zwei Rädern unterwegs in Mainz:
Mit Rücksicht läuft's besser!
Kaum ist die 10
Grad Grenze überschritten,
werden
sämtliche mit Muskelkraft
zu bedienende Räder aus
ihrem Winterschlaf erweckt –Tretroller
und Inliner eingeschlossen,
Skateboards sowieso und dann
gibt’s da noch Laufräder für die
Kleinen...
Plötzlich ist es auf manchen
Wegen zu bestimmten Zeiten wieder
ganz schön voll: Radler klingeln
Fußgänger von »ihren« Wegen runter,
Fußgänger verteidigen »ihre«
Fußgängerzonen, Inline-Skater mogeln
sich zwischendurch, kleine
Kinder und nicht ganz so leichtfüßige
Menschen sind froh, wenn
sie diesem Durcheinander unbehelligt
entgehen. Das muss alles nicht
sein, sagt Wolfgang Stallmann,
Mitglied im Kreisvorstand des
ADFC (siehe Kasten), Rücksicht ist
das Gebot für das Miteinander von
ALLEN Verkehrsteilnehmern.
Darüber hinaus gibt es noch
eine Reihe von Regeln, die das
Miteinander vereinfachen, die viele
Verkehrsteilnehmer aber anscheinend
nicht kennen. Also setzte sich
DER MAINZER aufs Rad und erfuhr
von Harry Tebbe, dem Radfahrbeauftragten
der Stadt Mainz, und
Wolfgang Stallmann bei einer
Zweiradtour unter anderem, für
welche Maßnahmen die Stadt in
diesem Jahr 50.000 Euro ausgeben
will.
Begegnungen
Ganz schön eng hier, auf der Eisenbahnbrücke zwischen Mainz und Gustavsburg! Damit Radler und Fußgänger auf diesem stark frequentierten Verbindungsweg künftig besser aneinander vorbei kommen, stellt die Stadt Mainz 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. Die Verbreiterung der Brücke soll ab Mitte nächsten Jahres beginnen und voraussichtlich bis Anfang 2010 andauern. Finanziert wird die Verbreiterung von den Ländern Hessen und Rheinland-Pfalz, der Stadt Mainz, der Gemeinde Ginsheim-Gustavsburg und dem Kreis Groß- Gerau. Der Mainzer Anteil von 1,2 Millionen Euro umfasst auch die Verbreiterung der Fußgängerbrücke über die Wormser Straße. In diesem Zusammenhang wird übrigens in »verwaltungsinternen Gesprächen« darüber nachgedacht, die – touristisch sinnvolle - Anbindung an den Main-Radwanderweg über die Eisenbahnbrücke bis in den Stadtpark hinein zu verlängern, den unteren, breiten Weg im Stadtpark für eine gemeinsame Nutzung von Fußgängern und Radlern freizugeben und so auch eine direkte Anbindung an den Winterhafen, sprich ans Rheinufer zu schaffen.
An der Kreuzung Rheinstraße/Wormser Straße/Salvatorstraße(unten) stellt sich für Fahrradfahrer
immer wieder die Frage: wie komme ich von hier in die Altstadt ohne entweder verkehrswidrig auf
der falschen Seite und dem Fußgängerweg zu radeln oder nen Riesenumweg zu machen?
Bis auf weiteres muss diese Frage jede(r) für sich selbst beantworten. In zwei bis drei Jahren, blickt
Harry Tebbe optimistisch in die Zukunft, wird das Problem aber gelöst sein: dann soll von ganz
oben (Kreuzung Am Stiftswingert/Hechtsheimer Str.) eine radlerfreundliche Verkehrsführung entstehen,
entweder mit Schutzstreifen oder gemeinsamer Fußgänger/Fahrradfahrer-Nutzung, über
die Ampel Richtung Neutorstraße leitend - was hoffentlich bei den Planungen für die Ansiedlung
des RGZM in der Neutorstraße nicht vergessen geht.
Dieses Schild an einem der vielen Eingänge zum Volkspark ist eindeutig:
Hier dürfen Radler (Wolfgang Stallmann und rechts Harry Tebbe) nur laufen.
Volks- und Stadtpark sind Tabu für Radler, was die Wenigsten wissen dürften, denn wer achtet
schon auf Schilder an den Eingängen zu dem verzweigten Wegenetz? Ab und an, besonders in
den frühen Morgenstunden, wenn kaum Fußgänger unterwegs sind, dafür »Alltagsradler« auf
dem Weg zur Arbeit das Gelände in der Oberstadt kreuzen, drehen Ordnungshüter im Auto ihre
Runden, steigen gerne aus, um die Zweiradlenker auf ihre Ordnungswidrigkeit hinzuweisen und
dem einen und der anderen 10 Euro abzuknöpfen. Manche der zur Kassegebetenen wünschen
sich sehnlichst das Auftauchen dieser Damen und Herren an Sonntagen: wenn Papa und Mama
und zwei Kinder auf ihren vier Drahteseln mit einem Affenzahn vom Vogelhaus Richtung Eisenbahnbrücke
düsen und in schönster Selbstherrlichkeit Einwände von erschrockenen Fußgängern,
Radeln sei hier verboten, abtun. Solche Situationen wird es immer geben, denn Rücksicht lässt
sich nicht per Schild verordnen.
Fahrradverkehrsprojekte der Stadt Mainz 2008
- K13 zwischen Laubenheim und Hechtsheim
- Radweg Portland Weisenau - Rhein
- Radweg Bruchspitze Mainz-Gonsenheim
- Radweg Lennebergstr. Mainz-Gonsenheim
- 200 Fahrradabstellanlagen Hauptbahnhof (Genehmigung steht noch aus)
- 20 Fahrradabstellanlagen Greiffenklaustr. Schloss
- 20 Fahrradabstellanlagen Bonifatiusstr.
- Weserstr. Gonsenheim
- Hauptstr. im Bereich Kreisel Mombach
- Kreuzstr. (Hauptstr.-Industriestr.) Mombach
- Erneuerung des Radwegs Mombacher Str. zwischen Fritz-Kohl-Str. und Hauptbahnhof West
- Radgehweg zwischen Kläranlage und Schiersteiner Brücke
- Markierung von Radwegen im Stadtgebiet
- Wegweisung für Radfahrer
- Bordsteinabsenkungen an Radwegen
Wichtige Adressen:
www.mainzverkehr.de
Unter »Tipps und Tricks« finden sich die wichtigsten Verkehrsregeln. Unter »Radwegbenutzung« ist detailliert
erklärt, was es mit Radwegen auf sich hat, die aus der »Benutzungspflicht für Radfahrer« herausgenommen
worden sind. Außerdem: Download des aktuellen, 2008er- Fahrradkalenders; den gibt
es – als gedruckte Variante - auch an der Rathaus-Pforte, im Verkehrsdezernat auf der Zitadelle sowie
in allen Ortsverwaltungen.
www.adfc-mainz.de
»Interessensvertretung für Alltagsradler« – so bezeichnet Wolfgang Stallmann den ADFC. Im Unterschied
zu Vereinen und Verbänden, die sich eher um Sportradler bemühen, will der Allgemeine
Deutsche Fahrrad Club die Radfahrbedingungen für alle Menschen verbessern und gleichzeitig mehr
Menschen bewegen, das Rad als Fortbewegungsmittel zu benutzen. Vorort informieren die ADFCVertreter
mit Ständen und Radtouren, Aktionen wie Fahrradbörsen und Fahrradcodierungen:
die nächste ADFC-Fahrradbörse ist am Sonntag, 6. April von 10.30 Uhr bis 14 Uhr auf dem
Gelände der alten Ziegelei in Mainz-Bretzenheim. Es besteht für alle die Möglichkeit des An- und
Verkaufs sowie Tausches von gebrauchten Fahrrädern, Fahrradteilen und – zubehör. Standgebühr wird
keine erhoben, für das leibliche Wohl wird mit Kaffee, Kuchen und Gegrilltem gesorgt. Angeboten wird
auch die Fahrradcodierung, die eine eindeutige persönliche Kennzeichnung des eigenen Fahrrads
und somit hilfreichen Schutz vor Diebstahl ermöglicht. Erforderlich sind dazu ein gültiger Ausweis und
– nach Möglichkeit - der Kaufbeleg für das Rad.
Fahrräder, die anscheinend niemand mehr will, die wochenlang irgendwo rumstehen oder –liegen können
unter dieser Email-Adresse oder unter Tel. 122784 gemeldet werden; das Verkehrsüberwachungsamt
ist mit SPAZ regelmäßig unterwegs um diese Räder abzutransportieren.
www.cjd-mainz.de
Der gemeinnützige Verband Christliches Jugenddorfwerk Deutschland betreibt nun den Fahrradverleih
im Cityport-Parkhaus am Hauptbahnhof (Binger Straße 19, Tel. 06131/336 12 25), geöffnet ist seit
Mitte März; 50 nagelneue Räder wurden angeschafft und können Mo-Fr von 8 bis 20 Uhr und Sa von
8 bis 16 Uhr ausgeliehen werden (natürlich auch länger als einen Tag!)
SoS
