Wenn Parken schon in allen PMG-Parkhäusern der Stadt wegen der Tarife zum Daueraufreger avanciert, dann müsste dem geschätzten Kunden im Parkhaus »Am Brand« total die Galle überlaufen. Mit drei Euro für 59 Minuten gehört dieses Parkhaus tatsächlich zu den Teuersten in der Republik. Doch muss man sagen, dass sich dieser ärger relativieren kann, wenn man sieht, welche beeindruckende architektonische Metamorphose das Brand- Geschäftszentrum durchgemacht hat. Die luftige öffnung des Elektrofachmarkts Saturn und der gegenüberliegenden Modekette gibt dem Brand einen städtebaulichen Aha-Effekt, den man ehrlicherweise im Brand nicht mehr erwartet hätte. 18 Millionen Euro hat Günter Drees als Mehrheitsgesellschafter des Wohn-, Büro- und Einkaufskomplexes in die Hand genommen, um das Areal gewissermaßen für eine neue Epoche auch optisch zu öffnen. Ganze Arbeit hat eine Architektin geleistet, der wir dann auch gerne verzeihen, dass sie in Köln ihr Büro hat.
Jetzt folgt die Korbgasse
Mehr Licht, größere Schaufenster, einladende Geschäftseingänge: Mit dieser Mixtur wurde der im Dornröschenschlaf dahindämmernde Brand geweckt und bietet so jedem Einkaufsmarkt auf der grünen Wiese Paroli. Angesichts solch gelungener Modernisierungen führt sich die zähe Diskussion um das städtische Einkaufszentren-Konzept ad absurdum, denn in dieser Optik bleibt das Brandzentrum die Topadresse der Landeshauptstadt. Doch damit nicht genug: Der Brand-Papst Drees hat noch einige andere Pläne im Visier, um die Einkaufsmeile weiter aufzuwerten. So wird nach Eröffnung der Markthäuser die Korbgasse modernisiert, die bisher als Wurmfortsatz zwischen Kinos und tristen Hinterausgängen von Arztpraxen ein eher kümmerliches Dasein geführt hat. Doch mit der neuen ära in Richtung Marktarchitektur soll auch diese Einkaufsader mit einem Mix an Boutiquen mehr Kunden locken. Auch hier macht Hoffnung, dass sich die Verantwortlichen abermals auf das Kölner Architektenbüro verlassen, was eine Umgestaltung aus einem Guss erwarten lässt. Unterm Strich zeigt hier ein Privatmann, wie man erstklassige Stadtentwicklung beherzt umsetzen kann.
Die Lu bleibt weiter lau
Während hier das Einkaufen
tatsächlich mit mehr Erlebnischarakter
versehen wird, heißt es
an anderer Stelle abwarten. Auf
Geldgeber, Entscheidungen und
mutige Pläne, die ähnlich wie im
Falle des Brandzentrums einer angestammten
Adresse aus den 70er
Jahren neues Flair einhauchen.
Wer etwa mit offenen Augen an der
Ludwigsstraße die offensichtlich
unvermeidbaren Pavillons und das
völlig veraltete Kaufhaus einer
Kette beobachtet, dem drängt sich
auf, dass diese Ecke der Einkaufsstadt
förmlich nach einer Modernisierung
schreit. Doch wird mittlerweile
nur noch selten über ein modernes
und zeitgemäßes Kaufhaus
im Stil eines E+E-Centers gemutmaßt,
weil die besagte Kette lieber
aus einem alten Haus Geld erwirtschaften
statt mit einem neuen
Konzept auch neue
Einkaufskunden anlocken
will. Damit wird
hier eine wirkliche städtebauliche
Aufwertung
verspielt.
Und von politischer Seite,
geschweige denn vom Stadtvorstand
hört man auch nicht wirklich
eine ernst gemeinte Forderung
nach Modernisierung.
Zweifelsohne etabliert hat sich
die Römerpassage, die in Richtung
Neustadt ein zentraler
Baustein der Einkaufsstadt
geworden ist und auch die Geschäftswelt rund
um die noch junge Ladenmeile belebt.
Wenn jetzt noch am Südbahnhof
das Einkaufen mit dem neuen
Projekt attraktiver wird, dann ist
Mainz etwa im Vergleich zu seiner
Nachbarstadt Wiesbaden große
Schritte vorangekommen. Denn
dort fehlen nachweislich Mut und
Mehrheiten für große Sprünge in
Sachen Einkaufsarchitektur. Doch
Mainz kann diesen Vorsprung nur
halten, wenn jetzt noch konzeptionell
gearbeitet wird. An Aktionstagen
oder Attraktionen, die das
Einkaufen noch mehr zum Erlebnis
machen.
