Veranstaltungen am 8. März
Zu Lesung, Gespräch & Musik laden in den Ratssaal das Frauenbüro der Stadt Mainz und der DGB; es liest Claudia Pinl:»Das Biedermeier-Komplott. Wie Neokonservative Deutschland retten wollen« Musikalische Begleitung der Veranstaltung: Veronika Todorova, Akkordeon, Beginn: 10.30 Uhr mit einem Willkommensgetränk; Eintritt frei,Anmeldungen bitte an:
Frauenbüro der Stadt Mainz
Rathaus
Jockel-Fuchs-Platz 1
55116 Mainz
Telefon 06131 - 122175
Telefax 06131 - 122707
E-Mail: frauenbuero@stadt.mainz.de
CRB Haus Burgund in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Mainz e.V. und der Stadt Mainz laden um 18 Uhr ins Valencia-Zimmer (Rathaus) ein zu einem Vortrag von Suzanne Bohn: »Kiki de Montparnasse«. Eintritt frei.

Weg mit alten Zöpfen:
Was soll der Internationale Frauentag?
Alle Jahre wieder führen wir in der MAINZER-Redaktion die gleiche Diskussion: Widmen wir uns dem 8. März und wenn ja wie? Die Argumente verändern sich – entsprechend der jeweiligen gesellschaftlichen Debatten und vor allem dem Alter der jeweiligen Mitarbeiter- Innen (das ist tatsächlich wichtiger, als das Geschlecht!). Im Ergebnis können wir uns nie einigen, deshalb präsentieren wir in diesem Jahr einen Ausschnitt unserer internen Diskussion als Pro und Contra.
Feminismus? Brauch kein Mensch!
Der internationale Frauentag:
Im globalen Kalender eingetragenes
Fanal der Emanzipation,
weltweit erkennbares Stoppschild
für Machos und Patriarchen, Symbol
für alle Errungenschaften im
Kampf für Gleichberechtigung.
Aber haben sich diese jahrzehntelangen
Anstrengungen wirklich gelohnt?
Ist es nicht vielmehr so, dass
die aktuelle Generation der Doppel-
X-Chromosomenträgerinnen auf
viele, der so hart ergatterten Feminismusfreiheiten
gar keinen Wert
mehr legt? Während selbst männliche
Staatsdiener in ihren Reden
stets politisch korrekt von »Bürgerinnen
und Bürgern« sprechen,
heißt es z. B. auf dem Campus der
Uni meist: »Ich bin Student« - egal
ob es sich dabei um eine Bürgerin
handelt oder einen Bürger.
Mehr noch: Ein Blick zurück auf
die jüngste Vergangenheit zeigt,
dass betont auf dumm-naiv getrimmte
Weibchen wie Verona »da
werden sie geholfen« Feldbusch-
Pooth oder Britney »ohne Höschen,
außer Rand und Band« Spears deutlich
mehr jugendliche Anhängerinnen
finden, als etwa eine Alice
Schwarzer oder Sybille Plogstedt
(Gründerinnen der feministischen
Magazine »Emma« bzw. »Courage«;
d. Red.).
Doch die Ignoranz des eigenen
Nachwuchses ist nur die eine Seite.
Die andere ist, dass in einigen
Bereichen die Emanzipationsschraube
schlicht und einfach
überdreht worden ist. Beispiel
Frauenquote im Sportjournalismus:
Um
den Reporterpool mit
dem ideologisch, vorgeschriebenen
(nicht aber fachlich begründeten)
Damenanteil zu bestücken, vergeben
die TV- und Radiosender einige
der normalerweise so hart umkämpften
Mikrofonplätze einfach
so an weibliche Kommentatoren.
Was dabei herauskommt? Nun, ein
fast schon legendäres Beispiel ist
die verbale Blutgrätsche der ehemaligen
Sportstudio-Moderatorin
Carmen Thomas, die Anfang der
70er aus Schalke 04 schlicht und
einfach Schalke 05 machte und damit
die männlichen UND weiblichen
Fans des Gelsenkirchener
Fußballbundesligisten fast in den
Wahnsinn trieb.
Geradezu grotesk aber wird der
Gleichberechtigungsgedanke beim
Blick auf den Job einer Frauenbeauftragten.
Nicht nur, dass Mann
sich dadurch sogar diskriminiert
vorkommen darf und das gleich
doppelt (denn 1. gibt es solch einen
Posten für IHN nicht und 2. darf er
sich nicht einmal dafür bewerben)
rein theoretisch könnte er sogar dagegen
klagen. Denn in dem – auch
von der Frauenbewegung gepuschten
– Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz
heißt es unter anderem,
dass niemand wegen seiner
sexuellen Identität benachteiligt
werden darf. Praktisch allerdings
hat der Gesetzgeber dem sicherheitshalber
einen Riegel vorgeschoben.
Ein Riegel der funktioniert,
wie mehrere – gerichtlich –
gescheiterte Männerversuche beweisen.
Besser oder sinnvoller
macht das die Geschichte aber
auch nicht gerade. Im Gegenteil …
Mario Bast
Frau = Familie. Sonst noch was?
Eigentlich brauchen wir keine
Frauenpolitik
mehr, wir
haben ja die
Familienpolitik.
In der sind
alle Belange der
Frauen eingebunden. Ganz weit
vorne: die Vereinbarkeit von Beruf
und Familie. Endlich müssen Frauen
nicht mehr mit Blick auf die Erfüllung
ihrer Berufsträume, ihre
Kinderwünsche hintanstellen. Oder
umgekehrt. Endlich müssen sich
auch Männer nicht mehr quälen
mit der Frage, ob sie lieber zu
Hause wickeln oder in der
Firma die nächste
Karrieresprosse
ins Auge fassen.
So ganz nebenbei
erübrigt
sich
für Männer
damit auch
ihre noch
jungfräuliche
Fähigkeit,
in Männergruppen
und –netzwerken
ihre Ansprüche gegen Frauen
durchzusetzen. Die Notwendigkeit
von »Männerhäusern« als
Zufluchtsorte für das gepiesackte
Geschlecht,
erledigt sich mit der
Familienpolitik quasi
von selbst, denn es herrscht
»Friede, Freude, Eierkuchen« im
trauten Heim. Alles zum Wohle der
Kinder (und das liegt uns in der Tat
am Herzen!).
Wie – Sie wollen gar keine Kinder?
Sie wollen für den Fortbestand
unserer deutschen Sozialversicherungssysteme
keine Opfer bringen?
Sie meinen es gibt weltweit genug
Kinder, denen es am Notwendigsten
mangelt? Außerdem streiten
sie statt für mehr Eltern- und Kindergeld
lieber für: gleiche Arbeit =
gleicher Lohn? Ihnen langt eine
(kinderlose!) Bundeskanzlerin nicht
als Beleg, dass in Deutschland
Frauen in Führungspositionen gern
gesehen sind? Und der Aufstieg der
siebenfachen Mutter Ursula von
der Leyen zur Bundesfamilienministerin
heißt noch lange nicht,
dass alle Frauen nach Durchleben
der Mutterrolle immer noch beruflich
Karriere machen können? Sie
meinen, Frauenbeauftragte, die
korrekterweise vielerorts Gleichstellungsbeauftragte
heißen (und
dann sogar als Männer daher kommen
können) sind immer noch
nicht überflüssig? Sie meinen zwar
auch, dass Frauen nicht einparken
können, aber statt noch mehr Fahrstunden
möchten Sie dem weiblichen
Geschlecht mehr Selbstbewusstsein
und Durchsetzungsvermögen
verordnen? Sie können sich
nicht vorstellen, dass das alles mit
Familienpolitik erreicht wird?
Recht haben Sie! Frauenpolitik
muss immer noch sein. Auch wenn
das nur noch einmal im Jahr ganz
deutlich gesagt werden darf!
Marion Diehl
