Serie »Denkmäler in Mainz«
Ein Kardinal mit eigenem Platz und Denkmal
Er blickt ja ein
wenig finster aus
seiner Stele, der ehemalige
Mainzer
Bischof Hermann
Kardinal Volk. Man
könnte den Eindruck
gewinnen, als missbillige
er das bunte
Treiben von Mainzern,
die mit Einkaufstüten
beladen
an ihm vorbeieilen –
was durchaus möglich
ist, galt der
Kardinal zu seinen
Lebzeiten (1903-1988)
doch als eher bescheidener
Mensch.
Im Jahr 2003 veröffentlichte
der Mainzer Bischof Karl
Kardinal Lehmann eine Biografie
über seinen Vorgänger.
Dort heißt es: »Seine nimmermüde
Hinwendung zum Menschen,
seine Güte und seine
Bescheidenheit wie auch die
Orte, an denen er wirkte, halten
das Andenken an diese
volksnahe, weltkirchlich weitblickende
Gestalt der deutschen
Kirche wach.«
Auch sei er einer der wichtigsten
Pioniere der ökumenischen
Bewegung gewesen. Mainzer
Bischof war Volk von 1962 bis 1982.
Parallel dazu war er Mitglied der
Glaubenskommission der Deutschen
Bischofskonferenz und hatte
maßgeblichen
Anteil an dem
deutschen
Beitrag zum
Zweiten Vatikanischen Konzil –
insbesondere in Fragen der Reform
der Heiligen Liturgie.
1975 erhielt der Kardinal die Ehrenbürgerschaft
der Stadt Mainz.
Knapp dreißig Jahre später, 2004,
wurde der obere Bereich der Stadthausstraße,
der Platz vor der Römerpassage
offiziell in Kardinal-Volk-
Platz umbenannt. Am 17. Januar
2006 weihten Kardinal Lehmann
und der Mainzer Oberbürgermeister
Jens Beutel gemeinsam das
Volk-Denkmal ein, eine Schenkung
des Bistums an die Stadt Mainz.
Die Bronzestele wurde von dem
Mainzer Künstler Karlheinz Oswald
geschaffen. Das Portrait war bereits
Jahre vorher entstanden. Auf
Drängen einiger Freunde hatte
Kardinal Volk sich 1988 bereit
erklärt, Oswald Modell
zu sitzen. Vier Mal war der
Kardinal im Atelier des
Künstlers. »Eine sehr spannende,
intensive Begegnung
und auch eine große
Ehre für mich«, sagt Oswald
im Rückblick.
Finster oder grimmig sei
Volk mit Sicherheit nicht
gewesen. Allerdings sehr
ernst – und das spiegelt
sich auch in dem Portrait
wieder – in sich gekehrt,
fast meditativ und sicher
auch etwas müde. Irgendwie
hatte Oswald das Gefühl,
dass er das Abbild
dieses Kirchenmannes ein
wenig gegen die Außenwelt
schützen müsse. So
kam es zu der Stele, in die
der Kopf eingebettet ist –
ein Bronzeschild für den
Kardinal gegen den Trubel
dieser Welt.
Ilona Hartmann

