Ein Traum ging in Erfüllung:
Mit Rad und Ball zum Weltmeistertitel

Deutschland ist Weltmeister im Fußball, Hand ball und auch im Radball. Radball? Was ist Radball?
Radball wurde von Nicolas Kaufmann, einem berühmten Kunstradfahrer, am Ende des 19.Jahrhunderts
in Amerika erfunden. Kaufmann lief ein Hund vor sein Fahrrad und um eine Kollision zu verhindern,
schob er das Tier sanft mit dem Rad zur Seite. Die Idee des Radballs war geboren. 1930 wurde
Deutschland dann das erste Mal Weltmeister im 2er Radball. Diese Tradition wollten wohl auch
Christian Heß und Thomas Abel fortführen: Die beiden Mainzer vom RV Hechtsheim 1910 wurden nicht
nur Ende 2006 Weltmeister, sondern gewannen auch das Weltcupfinale in Brünn.
Doch wie spielt man Radball? Ist das nun Handball oder doch eher Fußball auf Rädern? Das trifft es
alles nicht so ganz. »Radball ist schon eine eigene Sportart. Natürlich sind die Radballregeln den
Handballregeln sehr ähnlich, aber wir dürfen unsere Hände nicht zum Werfen benutzen. Dann wäre es
wirklich »nur« Handball auf Rädern«, erklärt Thomas Abel und fährt fort: »Jede Aktion, die ich als
Feldspieler mache, muss mit dem Rad erfolgen. Will ich den Ball ins Tor kriegen, benutze ich das
Hinter- oder Vorderrad. Angreifen darf ich nur auf der ballgeführten Seite und meine Füße müssen
auf den Pedalen bleiben.« 2er Radball spielt man auf einem 11x14 Meter großen Feld mit einem etwa
600 Gramm schweren Ball.
Neben dem 2er Radball gibt es auch das 5er und 6er Radball. »6er Radball ist aber nicht als ‚echte’
Disziplin gedacht. Sechs gegen sechs spielt man eigentlich nur, wenn man draußen grillt und sich die
Zeit vertreiben möchte. Natürlich gibt es auch ein paar Spieler, die sich auf diese Form spezialisiert
haben, aber das sind doch relativ wenige«, meint Christian Heß.
Was aber sind die Unterschiede zwischen 2er und 5er Radball? »Für den Laien ist beides sehr spannend,
obwohl man beim 5er natürlich öfter lange Bälle sieht als beim 2er. Auch ist das Spielfeld größer.
Der Kenner aber schätzt 2er Radball besonders, weil man als Spieler auf einem hohen technischen
Niveau spielen muss. Ein mäßiger 2er Spieler hingegen ist meist immer noch ein guter 5er Spieler«,
so Heß. Für beide Spielformen gibt es eine Bundesliga, in der man auch auf- und absteigen kann.
Und welche körperlichen Voraussetzungen benötigt man überhaupt? »Nun, zum einen sollte man Rad
fahren können. Aber eigentlich gibt es keine Voraussetzungen, die man erfüllen muss, um Radball
zu spielen. Alles ist erlernbar und entwickelt sich meist auch mit der Zeit«, erläutert Abel.
»Was uns beiden an dem Sport gefällt, ist die Dynamik und das es ein Mannschaftssport ist. Außerdem
ist die Atmosphäre sehr familiär und respektvoll. Oft trainieren wir auch mit unseren Gegnern. Hier
herrscht große Geschlossenheit. Beim Radball muss man sich aufeinander verlassen können – ohne seine
Mannschaft kann man es nicht schaffen«, so Abel. Doch wie kam es, dass gerade Christian Heß und
Thomas Abel ein Team bildeten? »Mein damaliger Partner hatte beschlossen aufzuhören. Ich wollte
weitermachen, weil mir dieser Sport so viel bedeutet. Thomas kannte ich schon länger, denn ich
habe 1986 das erste Mal gegen ihn gespielt. Wie es der Zufall wollte, hatte auch sein Partner
aufgehört. Thomas und ich wollten schon immer mal miteinander spielen. Er fragte mich dann und
der Rest ist Geschichte, wie man so schön sagt«, beschreibt Heß und fügt grinsend hinzu: »Im Nachhinein
war es das Beste, dass mein Partner aufhören wollte.«
Bei Thomas Abel liegt das sportliche Talent anscheinend in der Familie: Sein Vater war selbst ein
langjähriger Radballer. Christian Heß wurde durch Zufall zum Radballer: »Ich hatte eine Freikarte
für ein Spiel und war fasziniert von dem Sport. Nach einem Probetraining blieb ich schließlich beim Radball.«
Mit ihrem Weltmeistertitel haben sich Thomas Abel und Christian Heß einen Traum erfüllt: »Man kann
gar nicht beschreiben, was man in diesem Moment fühlt. So viele Jahre arbeitet man auf diesen einen
kurzen Augenblick hin und dann ist er da. Ich hätte in diesem Moment gerne mal zehn Minuten für mich
gehabt – einfach, um all das zu verdauen und mir das Treiben anzuschauen.«, erklärt Thomas Abel.
Doch ohne Rückhalt aus der Familie und des Vereins wäre all das nicht möglich gewesen. »Die meisten
Menschen bedenken eines nicht: übe ich einen Sport professionell aus, muss das Private meist
zurückstehen. Allein für die Turniere und Bundesligaspiele benötigt man 40 Wochenenden im Jahr.
Da müssen beide, die Familie genauso wie der Verein, hinter uns stehen«, so Abel.
Laut Heß bezieht sich das natürlich nicht nur auf die Zeitinvestition: »Wir sind zwar Profis,
müssen aber trotzdem auch noch arbeiten gehen. Wir haben beim RV Hechtsheim aber super
Voraussetzungen: Wir trainieren in der vereinseigenen Halle und wissen, dass der Verein voll
und ganz hinter uns steht.«
Vanessa Bast

