Archiv Heft 204
Tip
Infos:
Der Premierenkampf des ASV 88 Mainz in der Ringerbundesliga, Gruppe West gegen KSV Witten steigt am 29.09.2007 um 19.30 Uhr in der Sporthalle »Am Großen Sand« in Mainz-Mombach. Tickets gibt es entweder an der Abendkasse, mittwochs zwischen 19 und 21 Uhr beim Training in der Neutorschule oder bei den Vorverkaufsstellen, den TabaCasa Läden am Dom und in der Römerpassage. Weitere Infos und Termine gibt es online unter: www.mainz88.deWerbung

Sport
Kurz vor dem Premierenkampf:
Die Ringer scharren mit den Hufen!
In wenigen Tagen geht für die Ringer vom ASV 88 Mainz eine schier unendlich dauernde Leidenszeit endlich zu Ende. Wenn Ende des Monats der KSV Witten zum Meisterschaftskampf kommt, ist es für die ASV-Athleten der erste Bundesligaauftritt seit gut 15 Jahren. DER MAINZER hat den Aufsteiger unmittelbar vor dessen Comeback-Auftritt besucht und ein Team angetroffen, das regelrecht mit den Hufen scharrt.
Mittwochabend, vor der Turnhalle der Neutorschule, der sportlichen Heimat des ASV. Was von Außen den Charme
eines Bauwerks aus einer längst vergessenen Zeit verströmt, zeigt sich im Inneren als das, was es wohl auch
sein soll: eine Art uramerikanisches Gym, spartanisch eingerichtet, dafür vollgestopft mit Geruch von Schweiß,
Erfolgen und Erinnerungen. »Genau wie in den Rocky-Filmen«, sagt 88-Trainer Baris Baglan voller Stolz –
und nicht etwa als Versuch einer Entschuldigung. Und kurz danach merkt man es auch: Hier schlägt das Herz
eines Vereins, der Ende der 90er fast schon am Boden war, sich dann aber wieder aufgerappelt hat – taumelnd,
schwankend – und mittlerweile wieder fest mit beiden Beinen auf dem sportlichen und wirtschaftlichen Boden steht.
Ein Sieg, erklärt Baglan, der fast genauso hoch einzuschätzen sei, wie die letzte deutsche Meisterschaft, die der
ASV vor genau 30 Jahren erringen konnte, weil »wir fast alles in Eigenregie geschaffen haben, Büro und Vereinsheim inklusive.«
Ganz ohne Unterstützung aber wären wohl auch die ASV-Macher auf den Schultern gelandet. Da ist die Stadt, die dem Klub die Halle zur Verfügung gestellt hat, weil er sonst auf der Straße gestanden hätte. Und natürlich die Sponsoren, die parallel zum sportlichen Erfolg, immer häufiger beim ASV auftauchten und inzwischen auch bereit sind, eine ordentliche Stange Geld in den Neu-Bundesligisten zu pumpen. Keine Millionen zwar, wie beim Fußball, aber immerhin soviel, dass es der
Etat dem 88er-Coach erlaubt hat, einen schlagkräftigen Kader zusammenzustellen. »Ein ideales Gemisch aus aufstrebenden
Talenten, alten Haudegen und sogar internationalen Spitzenringern«, freut sich Baglan, der vor Tatendrang und
Selbstbewusstsein nur so strotzt. Ganz anders, als beim letzten Treffen mit dem MAINZER unmittelbar nach dem Aufstieg,
als der 32jährige deutlich zurückhaltender war.»Klar wird man ruhiger, wenn man einen Steven Gottschling verpflichten kann oder einen Jimmy Samuelson«, bestätigt Baglan den Verdacht des Schreiberlings und erklärt: »Gottschling ist erst 21, trotzdem schon aktueller deutscher Vize-Meister und mit Sicherheit ein Kandidat für die olympischen Spiele 2008 in Peking.« Ein junger Athlet also, der auf dem besten Weg ist, das zu werden, was der Schwede Samuelson schon ist – ein Weltklasseringer, wie vor allem dessen vor fünf Jahren gewonnener Einzel-WM-Titel beweist. Von beiden Kalibern konnten sie beim ASV sogar mehrere Kämpfer verpflichten. Auch wenn die Samuelsons und Co nur bei den Top-Kämpfen am Start sein werden (eine beim Ringen durchaus übliche Variante), wird klar, warum der ASV-Trainer nun wieder gut schlafen kann: Die Wahrscheinlichkeit, in der West-Gruppe mindestens den vorletzten Platz und damit den Klassenerhalt zu schaffen ist groß. Obwohl die Mainzer dort auf Namen treffen, wie Mömbris-Königshofen, Köllerbach oder den Auftaktgegner Witten. Teams, die zu den Top-Adressen in der vielleicht besten Ringerliga der Welt gehören und deren finanzielle Möglichkeiten im Vergleich zum ASV so groß sind »wie beim Fußball die des FC Bayern München gegenüber Energie Cottbus«, macht Baglan die Größenunterschiede deutlich, ohne Zahlen nennen zu müssen.
Aber auch Giganten kann man stürzen, beim Ringen braucht man dafür eine Extraportion Mannschaftsgeist
(»Mit einem Teambuilding-Wochenende, einem Gaudi-Fußballspiel und der Teilnahme an einem Drachenboot-Rennen
haben wir daran hart gearbeitet«) und lautstarke Unterstützung. 1500 Zuschauer passen in die Halle »Am Großen Sand«,
direkt neben dem Mombacher Schwimmbad, wo der Bundesligaaufsteiger seine Heimkämpfe bestreiten wird. Möglichst
genauso viele Fans sollen dann kommen und eine Stimmung schaffen, die dem Gegner Respekt einflösst, ihm vielleicht
sogar ein bisschen Angst macht und gleichzeitig die Kreuze der eigenen Athleten breit wie Kleiderschränke werden
lässt. Auch dafür haben sie sich was einfallen lassen, beim ASV. Ein attraktives Rahmenprogramm mit Lasershow und
fetziger Musik soll den Eventcharakter nach oben schrauben, ein Infoblatt und Erklärungen des Hallensprechers zu
jedem Einzelergebnis auch dem größten Laien den nötigen Durchblick verschaffen. Größter Pluspunkt im Kampf um die
Fan-Gunst aber dürfte das Preis-Leistungs-Verhältnis sein. Ein Kampfabend heißt zehn Duelle in verschiedenen
Gewichtsklassen. Mit allem Drumherum heißt das: Zwei Stunden Hochleitungssport und Show für ganze zehn Euro Eintritt. Oder anders ausgedrückt: ein echter Kampfpreis eben.
Mario Bast
