Archiv Heft 204
Sport - Mainz05
Das Huhn ist tot:
Es lebe Jörg Dietrich
Seit der vergangenen Saison ist die Fanszene des FSV Mainz 05 um eine tierische Attraktion ärmer. Jörg Dietrich, alias ‚Das Meenzer Huhn’ hat sein Kostüm ausgezogen und ist ins zivile (und menschliche) Anhängerleben zurückgekehrt. Der MAINZER hat dem Ex-Geflügel noch ein letztes Mal unters Gefieder geschaut.
Herr Dietrich, das Meenzer Huhn hat ausgegackert. Warum eigentlich?
Jörg Dietrich: Als ich damals damit angefangen habe, habe ich immer gesagt: ‚Ich mache das nur so lange, wie ich Spaß und Lust daran habe. Und jetzt, nach knapp fünf Jahren war die Zeit einfach gekommen.
Gab es Reaktionen auf ihren »Hühner-Mord«?
Dietrich: Sehr viele sogar. Und meistens waren es Bedauernde. Ich sage dann aber immer nur: ‚Das Kostüm muss auslüften und hängt im Kleiderschrank.'
Nach ihrer Entscheidung ist der Bajazz jetzt das Einzige, über die Stadtgrenzen hinaus bekannte, »Fan-Aushängeschild«. Bedauern Sie das nicht ein bisschen?
Dietrich: Eigentlich nicht. Das Huhn gab´s zuerst, außerdem hat es den Aufstieg mitgemacht, der Bajazz nicht – Von daher kann ich damit sogar sehr gut leben.
Sie haben es schon angedeutet: Geboren wurde das Huhn – wenn man so will – in der Aufstiegssaison des FSV. Und jetzt, wo sie das Federkleid ausgezogen haben, ging es auch prompt wieder eine Klasse runter. Böse gefragt: Sind sie nun der Schuld-Gickel?
Dietrich:(lacht) Was ist das denn für eine Frage! Nein, ich glaube nicht, dass ich mit dem Abstieg etwas zu tun habe. Beim Auswärtsspiel auf Schalke zum Beispiel war ich ja auf Einladung zweier Fanklubs (FanKlopp und Nachspielzeit, d. Red.) als Huhn mit dabei, um während der Fahrt eine Tombola zu moderieren. Und die Partie ging ja auch in die Hose. Also kann das Huhn allein nicht der Heilsbringer gewesen sein.
Trotzdem: Was wollen sie machen, um Ihre »Maskottchen-Scharte« auszuwetzen? Und wo glauben Sie, wird der FSV am Ende der Saison landen?
Dietrich: Also ich werde wie jedes Jahr bei jedem Heimspiel und bei zahlreichen Auswärtspartien mit dabei sein und die Mannschaft lautstark unterstützen – wenn auch nur in zivil. Und ich erwarte den direkten Wiederaufstieg. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Mario Bast

