Archiv Heft 204
Tip
Ess gut!
Gut essen und gleichzeitig abnehmen – geht das? Mit »essgut« ist das – wie der Name schon sagt – möglich. Das entscheidende Stichwort ist »Trennkost« – auf die Kombination kommt es an. Pommes frites machen z.B. nicht dick, wenn nicht gleichzeitig eine Wurst dazu gegessen wird, und Kuchen ist auch o.k. – wenn auf vorherigen Fleischgenuss verzichtet wurde. Abnehmen ohne Kalorienzählen, Diätprodukte und Medikamente ist jetzt kein Problem mehr. Wichtig: Nachdem Sie bei »essgut« Ihr Idealgewicht erreicht haben, lernen Sie auch, es zu halten. In Mainz-Weisenau finden ab sofort wieder im neu renovierten Lokal »Zum Sportheim« mittwochs (17.00 und 19.00 Uhr) Kurse statt. Weitere Kurse in Gonsenheim und Nieder-Olm. Informationen erhalten Sie von Kursleiterin Doris Kalter (Tel.: 06131/574372)oder
Silvia Ries (Tel.: 06131/968458.)
http://www.essgut.de
Werbung
Sport
Fitness
»Fit« sein – was ist das?
Wenn früher in der alten DDR das Wörtchen »fit« fiel, war Spülen angesagt: Vor über 50 Jahren wurde dieses Markenspülmittel entwickelt und bald zu einem »Begriffsmonopol« für Spülmittel. Heute gehört es zu den Produkten, die die Wende überlebt haben und fristet ein Leben als Hinterbänkler im Geschirrspülerregal. Aufsehen erregte es nur noch einmal vor einigen Jahren in den Gazetten, als Rostocker Polizeitechniker herausfanden, dass ein paar Spritzer »Fit« das Blutreagenz »Luminol« deutlich verbessern konnten. Wenn wir heute »fit« in den Winter kommen wollen, verwenden wir den Begriff umgangssprachlich und denken an körperliches Wohlempfinden und sportliches Training. Genau genommen bedeutet »fit sein« allerdings »angepasst sein«. Im naturwissenschaftlichen »Laborslang« ist etwas dann »fit« (oder »gefittet« ) wenn ein theoretisches Modell an empirische Daten angepasst wird.
Auf unser »körperliches Wohlempfinden« zurückbezogen würde dies bedeuten, dass ich ein Idealgewicht von 80 kg anstrebe (theoretisches Modell), dieses aber auf 92 kg erhöhe (»fitte«) wenn ich feststelle, dass mir meine Waage diesen Wert (empirische Daten) anzeigt.
Je genauer man nachfragt, was Fitness eigentlich ist – wann man »fit« ist und wie man es wird – desto unklarer werden die Antworten. »Fitness« ist ein Modebegriff, der von verschiedenen Personen und Gruppen unterschiedlich definiert wird.
Fitness bezieht sich auf Geist und Körper, setzt regelmäßige Bewegung (auch Denktraining) und eine gesunde Ernährung voraus. Wer sich »fit« hält steigert Konzentrations- und Lernfähigkeit, aber auch die eigene Lebenserwartung. Die Risiken von einigen Zivilisationskrankheiten (z.B. Herzinfarkt, Fettleibigkeit) können deutlich gesenkt werden.
Ohne Korsett und Fleischextrakt
Durchaus erstrebenswerte Ziele! Wer nun, auf Grund des Anglizismus »fit« glaubt, diese Bewegung sei ein Import aus den USA, liegt falsch. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden in Deutschland und der Schweiz verschiedene Initiativen und Bewegungen die heute oft unter dem Begriff »Lebensreform« zusammengefasst werden. Das Interesse an Naturheilkunde und Freikörperkultur wuchs, aber auch eine Kleiderreform wurde gefordert. »Wolle, Baumwolle oder Leinen – was ist am gesündesten für den menschlichen Körper?« Einig war man sich in der Forderung, Frauen-Korsetts abzuschaffen. Dies forderte schon 1788 der Mediziner Samuel Thomas von Soemmerring, damals Professor an der Mainzer Universität. Wesentlich heftiger wurde über die richtige Ernährung gestritten. Auf der »Verbotsliste« standen neben den Spitzenreitern Kaffee, Tabak und Alkohol immer wieder auch Zucker, starke Gewürze und neue Entwicklungen wie Konserven, Fleischextrakte und Brühwürfel. Von vielen verpönt wurde auch Fleisch. Einen Schritt weiter gingen noch die Frutarier, die den Menschen als »Früchteesser« klassifizierten und auch gekochte Mahlzeiten grundsätzlich ablehnten. Der Fitnessgedanke zeigte sich im Streben nach »Bewegung im Freien« oder zumindest am offenen Fenster. Es entstanden Licht- und Luftbäder in denen man sich – streng nach Geschlechtern getrennt – gemeinsam bewegte. Wer die eigenen vier Wände für dererlei Ausgleich bevorzugte konnte Produkte einer neuen Branche verwenden. Schon damals entstanden Heimtrainer wie Fahrräder und Rudergeräte.
Nicht nur zum Abspecken
Das auf Gesundheitssport spezialisierte Fitness-Center-Mainz (Gr. Langgasse 3-5) bietet in Zusammenarbeit mit der Techniker-Krankenkasse ein umfangreiches Präventionsprogramm. Die Kurse umfassen Wirbelsäulentraining, geräteunterstütztes Rückentraining, Herz-Kreislauftraining zur Gewichtsreduktion (auch für Kinder und Jugendliche), Ernährungskurse, Walking, Pilates, Yoga, Beckenbodentraining, spezielles Osteoporosetraining und neuerdings auch Koordinationstraining. Alle Kurse werden durch hochqualifiziertes Personal, Diplomsportlehrer, Rückenschullehrer, Oecotrophologin, Dipl. Psychologin und einen Arzt geleitet, bzw. betreut und werden deshalb von allen Krankenkassen zu 80 Prozent bezuschusst. »In unserem Fitness-Center finden täglich vier bis neun unterschiedliche Präventionskurse statt, die alle Alters- und Könnensstufen abdecken«, erläutert Rainer Waldmann (examinierter Sportpädagoge). Wie erfolgreich ein exakt geplantes Trainingsprogramm wirkt, zeigt der enorme Gewichtsverlust des prominenten Mitglieds im Fitness-Center-Mainz, Klaus Hafner. Der Nullfünf-Stadionsprecher verlor in sechs Monaten 55 kg!Aerobic oder Popgymnastik?
Verpönt wurden diese Gedanken durch die Ideologien des Nationalsozialismus. Der »Idealkörper« wurde zum Teil eines rassistischen Konzeptes. Erst in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts verbreiteten sich die Fitness-Ideen wieder bei uns - sie wurden jetzt allerdings aus den USA re-importiert und von Personen wie dem damaligen Bodybuilder Arnold Schwarzenegger (heute eher als Terminator und Gouverneur von Kalifornien bekannt) und der Schauspielerin Jane Fonda vermittelt, die zu einer Ikone des Aerobic wurde. Während diese, gesundheitlich nicht unumstrittene Bewegung einige Jahre bei uns boomte, entwickelten Spezialisten in der DDR die wesentlich ausgeglichenere – aber wegen fehlender Medienpräsenz im Westen fast vollkommen unbekannte – »Popgymnastik«. Die Zeiten haben sich weiter geändert: Heute bieten die Fitness-Clubs und -Institute eine große Palette der unterschiedlichsten Kurse an: Vom Konditionstraining, über Yoga bis zur Ernährungsberatung. Viele kooperieren mit den Krankenkassen – ausführliche Beratungen sind selbstverständlich. Der Gang ins Fitness Center ist kein kurzfristiger modischer Gag sondern Ausdruck dafür, dass man Körper und Geist in Form bringen – ihn eben fit machen – möchte.mdl
