Ein traditionsreiches Textilunternehmen wird aufgekauft. Die neuen Eigentümer wollen niemanden entlassen, unter einer Bedingung: eine Kürzung der Mittagspause um sieben Minuten. In einem Raum haben elf Frauen des Betriebsrats eine Stunde Zeit zu entscheiden, ob sie den Kompromiss akzeptieren. Sprecherin Blanche hat Zweifel. Was wollen die Herren aus der Chefetage damit bezwecken? Welche Konsequenzen wird die Entscheidung nach sich ziehen? Sie werden die Gehälter nicht antasten, aber sieben Minuten weniger Pause bedeuten auch sieben Minuten mehr Arbeit – bei gleichem Lohn. Und an diesem hängen ihre Existenzen. Was ist man also bereit hinzunehmen, nur um seine Arbeit zu behalten?

Unterschiedliche Charaktere, Meinungen, Schicksale treffen aufeinander. In einer hitzigen Debatte ringt jede von ihnen um Positionierung, mit ihren individuellen Hoffnungen, Ängsten und Nöten, mit der Macht und Verantwortung für die Kolleginnen des Betriebs und die Arbeiterinnen im ganzen Land. In einer ersten mündlichen Abstimmung stimmt Blanche als Einzige dagegen. Nicht wegen der sieben Minuten, sondern wegen dem, wofür sie stehen. Sie scheint alleine auf verlorenem Posten, bis nach und nach Einzelne ihre Partei ergreifen. Die Stimmung ist zunehmend gereizt, jede hat ihren eigenen Kopf. Argwohn und Misstrauen beherrschen die Debatte, Unterstellungen und Vermutungen machen die Runde.

Über eine Stunde lang kann das Publikum die aufreibende Diskussion der Frauen in Echtzeit verfolgen, miterleben, wie die Figuren auf der Bühne Wut und Resignation durchleben, während die Uhr tickt. Nach dem Vorbild des Films »Die zwölf Geschworenen« und einer wahren Begebenheit legt der italienische Autor Stefano Massini den Finger in die Wunde der heutigen prekären Arbeitswelt.

7 Minuten · Betriebsrat von Stefano Massini
Inszenierung: Carole Lorang
Premiere 4.11., Kleines Haus, weiter Termine 10., 26.11., 28.12.
Eine Koproduktion mit Les Théâtres de la Ville de Luxembourg
www.staatstheater-mainz.com
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