Fechten, mit Florett oder Degen, stellt hohe körperliche und geistige Ansprüche an die Sportler. Die Fechtabteilung der Turngemeinde Gonsenheim bietet Kindern ein Probetraining an.

Eine ganz alte Sportart, vielmehr eine ganz alte Art in sportlichen Wettstreit miteinander zu treten, ist das Fechten. Es gehörte in der Antike zu den Gründungssportarten der Olympischen Spiele und ist seit 1896 olympische Sportart. Allerdings verliehen mit dem Degen bewaffnete »Rächer der Armen« wie »Zorro« oder »Robin Hood« dem Kampfsport einen Hauch Romantik und Nostalgie.

Modernes Fechten als Wettkampfsportart hat damit nichts gemein – keine wehenden Umhänge, keine waghalsigen Sprünge über Mauern oder auf den Rücken eines Pferdes. Und für Waffennarren ist der Sport absolut nichts. Dazu ist er zu komplex, das Reglement zu strikt, das Miteinander der Sportler zu diszipliniert und zu respektvoll. Was es braucht, um am Fechten Freude zu haben und Erfolg ist eine supergute Körperbeherrschung. Außerdem sind die grauen Zellen im Kopf gefragt.

Bettina Matter, als Fechterin bei der Turngemeinde Gonsenheim aktiv, beschreibt die Faszination beim Fechtsport so: der ganze Körper und der Kopf seien in ganz besonderer Weise gefordert. Aufmerksamkeit und Präzision, die Fähigkeit, den Gegner zu lesen, seine Aktionen voraussehen und ihnen zu begegnen, werden geschult. Dazu Schnellig- und Beweglichkeit und ein gutes Koordinationsvermögen. Regelmäßige Beinarbeit und Übungen mit dem Waffenarm seien deshalb unverzichtbar und Bestandteil in jedem Training.
Drei Disziplinen gibt es im Fechtsport: Florett, Degen und Säbel. Die Waffen unterscheiden sich durch Gewicht und Handhabung, für jede Waffe gibt es ein eigenes Regelwerk. Mit dem Säbel wird in der Fechtabteilung der TGM nicht gefochten.
Da die Fechtbahn (auch »planche« genannt) etwa 14 m lang und 1,50–2 m breit ist, ist der Sport überwiegend durch Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen geprägt. Seitwärtsbewegungen sind eingeschränkt, die Fechter dürfen dabei die Fechtbahn nicht verlassen. Florett-Fechter brauchen eine spezielle elektronische Ausrüstung (E-Weste und Maske mit elektrisch leitendem Maskenlatz), um gültige Treffer angezeigt zu bekommen.

Das Florett, so sagt Bettina Matter, sei die klassische Einstiegswaffe beim Fechten. Das Florett ist leichter als ein Degen und die Trefferfläche ist auf den Rumpf beschränkt. Beim Degen – ehemals eine klassische Duellwaffe – gilt der ganze Körper als Trefferfläche.
Für Kinder ist die Sportart aus Sicht ihrer Verfechter besonders deshalb geeignet, weil sie neben den sportlichen Inhalten viele Fähigkeiten vermittelt, die im ganzen Leben wichtig sind. Im Fechtsport spielt Fairness eine große Rolle, Disziplin und ein langer Atem sind unabdingbar. Das Reglement enthält z.B. klare Verweise bei undiszipliniertem Verhalten. So ist es u.a. unzulässig, die Maske nach einem Gefecht verärgert auf den Boden zu werfen. »Man steht sich zwar mit der Waffe gegenüber, begegnet sich aber auch mit Respekt«, fasst Bettina Matter zusammen.

Damit Kinder und Jugendliche den Fechtsport ausprobieren können, bietet die Fechtabteilung der TGM entsprechendes Probetraining an. Mit etwa 8 Jahren sei die Koordinationsfähigkeit von Kindern soweit ausgeprägt, dass sie mit dem Fecht-Training beginnen könnten, so Matter. Anfangs sei keine umfassende Ausrüstung nötig, normale Sportbekleidung reiche aus. Wenn klar ist, dass die Sportler dabeibleiben wollen, ließe sich oft wenigstens ein Teil der Ausrüstung gebraucht von älteren Vereinsmitgliedern kaufen. Meist ist der Handschuh der erste eigene Ausrüstungsgegenstand, es folgen Schutzkleidung und elektronische Ausrüstung.

| SoS

www.tgm-gonsenheim.de/fechten
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