Elektromobilität – dem »Diesel-Skandal« sei Dank, hat es das Thema sogar in den Bundestagswahlkampf geschafft. E-Fahrzeuge tragen zur Entlastung von Lärm und Luftverschmutzung bei. Trotzdem kommt der Ausbau nur im Schneckentempo voran.

Ohne Ladeinfrastruktur kein Anreiz, ein E-Auto zu kaufen. Ohne Nachfrage von E-Autos kein Anreiz, die Ladeinfrastruktur zu schaffen. Arg pauschalisiert, dennoch zutreffend, wird das »Problem« Elektromobilität so dargestellt. Aber es tut sich was. Seit der Verabschiedung des Elektromobilitätsgesetzes (EmoG) durch die Bundesregierung 2015 haben z.B. Kommunen Möglichkeiten, E-Fahrzeuge auf verschiedenen Wegen zu fördern.

Die Stadt Mainz hat, unter Federführung des Dezernats Umwelt, Grün, Energie und Verkehr sowie des Stadtplanungsamts, die »Handlungsstrategie Elektromobilität« erarbeitet, der Stadtrat verabschiedete sie im Oktober 2016. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass E-Mobilität zur Verbesserung der Luftreinhaltewerte beitragen kann, eine »verträgliche Mobilitätsplanung«  und  die lokale Wirtschaft fördern könne. Verschiedene Handlungsfelder, in denen konkrete Maßnahmen zur Förderung der E-Mobilität durchgeführt werden können, sind genannt und es wird deutlich, dass die E-Mobilität  mehr Bereiche betrifft als die Ladeinfrastruktur.
Wirklich getan hat sich zwischenzeitlich etwas in Sachen Ladeinfrastruktur in Mainz und Rheinhessen. Das hängt mit den Zuschüssen zusammen, die aus einem Förderprogramm des Bundesverkehrsministeriums stammen. Der Bund stellt von 2017 bis 2020 bundesweit insgesamt 300 Millionen Euro für den Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Schnelllade- und Normalladestationen bereit. Insgesamt sollen mindestens 15.000 Ladesäulen errichtet werden.
Die Mainzer Stadtwerke hatten sich um diese Zuschüsse bemüht und Anfang Juni 2017 die Förderzusage über insgesamt 64 neue Lademöglichkeiten erhalten. Das Fördervolumen des Bundes beträgt für Mainz rund 54.500 Euro, weitere 82.000 Euro investieren die MSW in den Ausbau der Elektromobilität in Mainz, informieren die MSW in einer Pressemitteilung. Ein Teil der vom Bund geförderten neuen Ladepunkte der Stadtwerke-Unternehmensgruppe würden durch die Stadtwerke-Tochter Überlandwerk Groß-Gerau GmbH (ÜWG) im Landkreis Groß-Gerau errichtet. Hier betrage die Fördersumme des Bundes 43.000 Euro und der Eigenanteil der ÜWG rund 64.000 Euro.

Wie steht es um die Praxis der E-Mobilität in Mainz? DER MAINZER befragte die Pressesprecher/-innen von Entega, MSW und EWR.

1.    Wie fördert Ihr Unternehmen die Elektromobilität in Mainz und Rheinhessen?

ENTEGA bietet Stromtankstellen zum Kauf oder alternativ als Rund-um-Sorglos-Paket in Form eines Contracting-Vertrages an. Das Darmstädter Energieversorgungsunternehmen fördert für seine Ökostromkunden den Kauf eines rein elektrisch betriebenen Elektroautos mit 400 Euro und den Kauf einer Wandladestation  mit 200 Euro. Außerdem errichtet ENTEGA in diesem Jahr gefördert durch das Land Hessen in Südhessen 100 Elektrotankstellen mit 200 Lademöglichkeiten. Ein ähnliches Programm könnte sich ENTEGA auch in Mainz und Rheinhessen vorstellen.
Die Mainzer Stadtwerke AG (MSW) und die EWR AG Worms kooperieren im Bereich Elektromobilität  inhaltlich, z.B. in der Mainz-Worms-Energiebündnis GmbH (MWE). Beide Aktiengesellschaften verwenden die gleichen Ladesäulen und Ladeboxen, die so genannten Wallboxen zum Stromtanken in Tiefgaragen.
Derzeit treibt die MSW in Zusammenarbeit mit der Stadt Mainz den Ausbau der Elektromobilität in Mainz und Umgebung voran. Bis Ende 2017 sollen sechs Ladesäulen mit je zwei Ladepunkten im öffentlichen Raum (Reichklarastraße, Heugasse, Kaiser-Friedrich-Straße, Holzstraße, Fischtorplatz, Balthasar-Maler-Platz) sowie acht Ladepunkte in vier Mainzer Tiefgaragen errichtet werden. Die ersten beiden Ladepunkte im Parkhaus City-Port sind Anfang Juli 2017 in Betrieb genommen worden, die drei anderen Tiefgaragen-Stationen sind die  Parkhäuser Kronberger Hof, Rathaus und Proviantamt.
In vermutlich sieben weiteren PMG-Parkhäusern sowie an weiteren Ladesäulen im öffentlichen Straßenraum soll es im Jahr 2018 etwa 20 neue Lademöglichkeiten geben. Weitere Ladepunkte sind im Landkreis-Groß-Gerau durch die Stadtwerke-Tochter Überlandwerk Groß-Gerau GmbH geplant. In Rheinhessen sollen in Sprendlingen und St. Johann jeweils eine neue Ladestation errichtet werden.
Die EWR AG Worms setzt auf Elektromobilität als Antriebsform der Zukunft. Mit der Marke Clewrmobility realisiert EWR diesen Plan flächendeckend in Rheinhessen. Die Ladeinfrastruktur für E-PKW wird mit Kooperationspartnern, wie dem regionalen Handwerk oder zum Beispiel den Klimaschutzmanagern der Landkreise Mainz-Bingen und Alzey-Worms aufgebaut. Mit dem Partner Mainzer Stadtwerke stimmt sich EWR beim Ausbau der E-Mobilität in Mainz und Rheinhessen ab, mit dem Ziel eines funktionalen Systems. Auch den Ausbau von E-Bike-Ladestation treibt EWR voran. In Kooperation mit der Rheinhessen-Touristik GmbH werden Themenradwege in Rheinessen bestückt. Maßgeschneiderte Angebote für Ladesysteme und E-Fahrzeuge gibt es im EWR-Shop.

Auch die Urstrom Bürgerenergie-Genossenschaft Mainz widmet sich dem Geschäftsfeld Elektromobilität. Mitglieder der eG erhalten  20 % Rabatt beim Kauf bzw. Leasing eines Renault Zoë bzw. Kangoo. Voraussetzungen sind neben der Mitgliedschaft in der UrStrom eG der Bezug von UrStromPur und ein Gewerbenachweis (der Betrieb einer PV-Anlage wird als Gewerbe anerkannt). Das Angebot gilt bis zum 31. Dezember 2017 und wird ermöglicht durch einen Rahmenvertrag, den die Bürgerwerke mit Renault geschlossen haben. Weitere Informationen über das Angebot finden Sie unter eauto.urstrom.com.

2. Betreibt Ihr Unternehmen öffentlich zugängliche Ladestationen in Mainz und Rheinhessen? Wo?

ENTEGA selbst betreibt in Mainz und Rheinhessen keine eigenen Ladesäulen, sondern arbeitet mit verschiedenen Roaming-Partnern zusammen. Die ENTEGA-Kunden können mit der Ladekarte an zahlreichen Tankstellen der Partner tanken. In Mainz gibt es eine Lademöglichkeit (Dagobertstraße 22) und in Mainz-Kastel zwei (Boelckestraße 78). Alle Ladesäulen, an denen man mit der ENTEGA Ladekarte tanken kann, sind per App auffindbar.
Bisher betreiben die MSW in Mainz drei öffentlich zugängliche Ladestationen: Seit vielen Jahren die Ladesäule in der Rheinallee 41, vor dem Stadtwerke-Hochhaus, sowie die beiden neuen Ladepunkte im Parkhaus Cityport (Ebene 4) seit Juli 2017.
EWR baut und plant ein flächendeckendes Netz von Autoladestationen in Rheinhessen. In Betrieb sind neun Ladesäulen, die 100 % Ökostrom liefern. Über eine kostenlose App (eCharge) können sich Autofahrer die EWR-Ladestationen, Partnerstationen, sowie bundesweit alle Lademöglichkeiten in einem Verbund mit über 4.000 Ladepunkten anzeigen lassen.

3. Wie viel kostet das Stromtanken an diesen LAdestationen aktuell? Wie viel wird das Stromtanekn ab 2018 kosten?

ENTEGA bietet den Kunden eine Ladekarte mit Flatrate für 25 € monatlich, Nicht-ENTEGA-Kunden zahlen 30 € monatlich. Mit der Ladekarte kann im Roaming in ganz Europa an 7.500 Ladepunkten getankt werden, so oft man will. In Deutschland gibt es 2.770 solcher Ladepunkte. Für 2018 ist keine Preiserhöhung geplant.
Das Stromtanken bei den MSW ist bisher kostenlos. Im Jahr 2018 soll es kostenpflichtig werden. Zeitpunkt und Preise stehen noch nicht fest.
EWR bietet zwei unterschiedliche Verträge an: »Herzmobil« als Angebot für EWR-Kunden für 20 € zusätzlich im Monat zum Tanken mit Ökostrom von zu Hause oder bundesweit an über 4.000 Ladepunkten. Eine Flatrate für Kunden ohne Stromtarif für 25 € im Monat für EWR-Ladesäulen und alle anderen im Verbund.

| SoS

Informationen zum Thema finden Sie unter www.mainzer-stadtwerke.de, www.entega.de und www.ewr.de oder zur Ladeinfrastruktur auf verschiedenen Online-Plattformen, z.B. LEMnet.org, Plugfinder.de, Chargemap.com oder goingelectric.de.
HINWEIS: 6. September 2017, 20 Uhr, Capitol, Mainz: „Energy Slam – Das Science Slam Special“
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