Süleyman Taner ist seit 2015 Vorsitzender des Beirats für Migration und Integration und damit einer der Organisatoren der Interkulturellen Woche in Mainz, die am 8. September 2017 beginnt.

Der 49-Jährige begreift die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund als eine Entwicklung, in der sich zwei Seiten aufeinander zubewegen müssen. Einerseits ist es für ihn, der seit 1991 deutscher Staatsbürger ist, selbstverständlich, dass sich Menschen, die von andernorts kommen und hier bleiben wollen, bemühen, heimisch zu werden. »Andererseits müssen die anderen den Weg ebnen helfen, sie müssen anerkennen, dass wir hierher gehören.«

Süleyman Taner, 1967 in einer Ortschaft Nahe Konya in der Türkei geboren, lebt seit 1980 in Deutschland. Er hat in Karlsruhe eine Ausbildung als Kfz-Mechaniker gemacht, sich zum IHK-zertifizierten Flugzeugabfertiger weitergebildet und arbeitet als Parkraum-Manager am Frankfurter Flughafen. Nach Mainz kam er 1988 »der Liebe wegen« und engagierte sich bereits ein Jahr später im neu gegründeten »Türkischen Kulturzentrum Mainz und Umgebung« e.V.. Der Verein ist mit der Selimiye Moschee am Barbarossaring ansässig.

Debatten zunehmend populistisch

»Unsere Räumlichkeiten sind offen für alle und in den Veranstaltungen, die wir organisieren, greifen wir bewusst Aspekte des Alltagslebens auf, das für Menschen mit Migrationshintergrund anders ist, als für solche, die bereits seit mehreren Generationen hier leben.«  Themen wie Kultursensible Pflege, Seelsorge und Kindererziehung sind Teil des Veranstaltungsprogramms. Aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen wie seiner ehrenamtlichen Arbeit im Dienste der Integration weiß Süleyman Taner, dass es in den politischen Parteien in Deutschland zwar verbalen Rückhalt für die Anliegen der Integration gibt, der sich aber selten in konkrete Unterstützung wandele. Die Tatsache, dass die Debatten um Integration zunehmend  populistisch geführt werden, bestürzt ihn und lässt ihn mit Ängsten in die Zukunft blicken: »Ich will, dass meine Kinder, die hier geboren sind, nicht mehr Auskunft geben müssen über ihre Herkunft oder über ihre Religion, dass man sie akzeptiert als Mainzer/-innen. Ich finde auch die sexuelle Orientierung spielt keine Rolle, wenn es um das Miteinander von Menschen geht.«

Süleyman Taner praktiziert seine muslimische Religion, aber: »Ich muss den Kopf frei haben, um mich einlassen zu können.« Was bei einem Arbeitsleben im Takt von drei Schichten nicht einfach ist. Außerdem haben Süleyman und Zeynep Taner fünf Kinder. Blickt er auf sein jahrelanges integrationspolitisches Engagement zurück, fragt er sich manchmal, ob er die Zeit nicht sinnvoller mit seiner Familie hätte verbringen können.  »Ich komme nur selten dazu, mit den Kindern schwimmen zu gehen oder mit meiner Frau einen Spaziergang zu machen.« Die Tatsache, dass der Beirat für Migration und Integration rein beratende Funktionen hat, bewertet Süleymann Taner als Nachteil: »Manche Migranten erwarten von uns, dass wir ihnen bei der Lösung von Alltagsproblemen helfen, z.B. bei der Wohnungssuche. Dafür fehlen uns aber die Kompetenzen. Und auf die Stadtratspolitik haben wir keinen konkreten Einfluss.«

Diskussionen befördern

Im Grunde, so meint der Beiratsvorsitzende, müssten die Strukturen der politischen Vertretung von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland komplett neu organisiert werden. So lange dies aber nicht geschehe, sollten die Wahlberechtigten auf jeden Fall ihr Recht nutzen, die Vertreter für den Beirat zu wählen, und, so wie Süleymann Taner, in dem Gremium ihren Teil dazu beitragen, die politischen Diskussionen zu befördern. Im Rahmen der Interkulturellen Woche findet beispielsweise am 14.9.17  eine Diskussion zu »Migration und Diversität« statt, an der fünf Mainzer Direktkandidaten zur Wahl in den Deutschen Bundestag teilnehmen.

| SoS

Weitere Informationen unter: www.integration.mainz.de
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