Finanz- und Sportdezernent Günter Beck hat ein klares Ziel vor Augen: Für das Mainzer Taubertsbergbad soll bis Ende des Jahres der neue Betreiber die
Verantwortung übernehmen.

Während im Sportbad die »Kachelzähler« ihre Bahnen ziehen und im Freibad Groß und Klein die Sommerferien genießt, herrscht im Thermen- und Saunabereich trügerische Ruhe. Die Sanierungsarbeiten sind gestoppt bis mittels Gutachten die Schadensbilanzen eindeutig ermittelt und vor allem sichergestellt ist, dass nirgendwo mehr Wasser austritt und durch Wände und Decken tropft.
Bis wann die Sanierungsarbeiten abgeschlossen werden können, sei derzeit noch nicht zu bestimmen, sagte Günter Beck im Interview mit dem MAINZER. Er könne sich auf keine Termine festlegen, jede zeitliche Prognose sei unseriös.
Für den Finanz- und Sportdezernenten ist das TBB »Chefsache«, er beschäftige sich quasi rund um die Uhr damit. Zumal verschiedenste Akteure unter einen Hut zu bringen seien: der Insolvenzverwalter, die Gebäudewirtschaft Mainz (Eigenbetrieb der Stadt Mainz), die Mainzer Stadtwerke AG.
Sicher ist derzeit, dass auch das Sportbad mit Nichtschwimmer- und Sprungbecken einer Sanierung bedarf. »Aber«, sagt Beck, »das gehen wir erst richtig an, wenn der Saunen- und Thermenbereich fertig ist. Wir hoffen außerdem, dass im Sportbad die Sanierungsarbeiten nicht so umfangreich sein werden.« Bei einer Schließung des Sportbads sitzen vor allem Schul- und Vereinsschwimmer auf dem Trockenen.

MSW sind auf jeden Fall im Boot

Was die Kosten für die Sanierung betrifft meint Beck, die Summe von 3 Millionen Euro sei nahezu erreicht und: »Ich fürchte, das ist noch immer nicht das Ende.« Dass die Steuerzahler die Sanierungskosten tragen,  ist klar. Noch nicht ganz klar ist, wie das künftige Betreiberkonzept aussehen wird. Auf die Frage, ob es außer den Mainzer Stadtwerken (MSW) noch Überlegungen für andere mögliche Betreiber geben würde, sagt Beck: »Das müssen die Stadtwerke entscheiden, ob sie einen privaten Investor mit ins Boot holen, also ob die MSW als Mehrheitsgesellschafter mit einem Partner zusammenarbeiten wollen.« Beck legt aber Wert auf die Bezeichnung »Mehrheitsgesellschafter Mainzer Stadtwerke«. Nach den Erfahrungen mit dem privaten Starwaters-Badbetreiber, der Stuttgarter Unternehmensgruppe Deyle, ist der Grünen-Politiker für keine finanziellen Experimente mit diesem Eigentum der Stadt Mainz mehr zu haben.
Beck wertet die bereits durch den Stadtrat erfolgte Satzungsänderung, die den MSW grundsätzlich die Möglichkeit eines Badbetriebs einräumen, nicht als Vorentscheidung, aber: »Ich möchte, dass die MSW das Bad übernehmen und ich gehe davon aus, das dem so sein wird.« Wobei der Begriff »übernehmen« wörtlich zu verstehen sei: Wenn, dann verkauft die Stadt das Bad samt Grundbesitz an die MSW. Die Höhe des Kaufpreises hänge zusammen mit der Frage, ob die Sanierungskosten im Etat der Stadt Mainz abgebildet werden oder in der Bilanz der MSW. Laut Beck stehen zwei Modelle zur Debatte: »Entweder die Stadt zahlt alles – was ich so nicht sehe – oder die Stadt verkauft das Bad für einen symbolischen Betrag an die MSW, als Ausgleich für die Sanierungskosten.« Das hieße, die MSW übernehmen die kompletten Sanierungskosten und bekommen das Bad dafür »geschenkt«.

Ohne Städtische Zuschüsse funktioniert es nicht

Bleibt die Frage, ob die Stadt Mainz unbedingt eine Saunen- und Thermenlandschaft braucht, die mit Steuergeldern saniert werden muss? Dazu erklärt Beck: »Die Sanierung des Saunen- und Thermenbereichs ist erforderlich, weil wir auf eine wirtschaftliche Balance hinarbeiten, die es ermöglichen soll, die Zuschüsse der Stadt an den Badbetreiber zu verringern. Unsere Überlegung ist, dass wir mit den Einnahmen aus dem Saunen- und Thermenbereich, die ja höher sind, als die Einnahmen aus dem Sport- und Freibad, die Verluste – wenn auch nicht ganz – so doch teilweise ausgleichen können, also eine Art Quersubventionierung.«
Sicher sei aber auch, dass sich die Stadt weiterhin über Zuschüsse für den Schul- und Vereinssport im Taubertsbergbad engagieren müsse: »Die Mainzer Stadtwerke AG gleichen jährlich das Defizit im ÖPNV aus, die können nicht auch noch einen defizitären Badbetrieb stemmen«, erklärt Beck. Wahrscheinlich sei deshalb nicht nur, dass die Stadt weiterhin einen Zuschuss zahle, sondern dass der vermutlich höher ausfallen müsse, denn die Einsparungen durch die unterschiedlichen Umsatzsteuersätze von 19 und 7 Prozent, die beim Kostenausgleich mit der Deyle-Gruppe zugunsten der Stadt zu Buche schlugen, die werde es nicht mehr geben. »Der Zuschuss wird zwischen 300.000 Euro und 1 Mio. Euro liegen«, so Beck.

| SoS

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