Komisch: Lauter leere Plätze!
»Hier ist ja gar nichts los! Dabei ist der Platz doch so schön!« Die Freundin aus Koblenz steht neben dem Gutenbergdenkmal und blickt gen Theater. Vor dem Haus des Deutschen Weines sitzen Gäste im Freien, gemächlich fährt ab und an ein Bus vorbei, vor dem Schnellrestaurant hinter uns unterhalten sich Jugendliche - das war's. Der große Platz wirkt wie ausgestorben. An einem warmen Sommerabend.
Ein Stück weiter, auf dem Schillerplatz das gleiche Bild: Die Gäste vor den beiden Kneipen sind zahlreich. Dennoch wirkt der Platz öde. Es sind einfach zu wenige Menschen, die hier flanieren, um den Eindruck zu erwecken: Hier ist was los.
Wie so oft braucht es den Blick von Nicht-Mainzern, um vermeintlich selbstverständliches infrage zu stellen. Dass die vielen schönen Plätze in der Innenstadt nur dann bevölkert sind, wenn Feste oder Veranstaltungen Menschen locken, ist seit Jahren so. Obwohl: so hässlich sind die Plätze doch gar nicht!
Ähnlich das Rheinufer: Gab es nicht irgendwann ein Forum, das viele Vorschläge machte, damit zwischen Zoll- und Winterhafen nicht nur tote Hose herrscht?
»Bei uns hat's halt überall Kneipen und Bistros, vielleicht ist deshalb in der Stadt und am Rhein mehr los«, versucht die Koblenzerin eine Erklärung. Volltreffer! Wer mag des Abends gemütlich über den Gutenbergplatz bummeln, wenn er in einer Weinstube in der Altstadt verabredet ist? Da ist Zielgerichtetes Gehen angesagt. Oder das Auto wird so nah wie möglich am Ort des Geschehens geparkt. Es fehlt dieses von-einer-in-die-andere-Kneipe gehen können, ohne große Wegstrecken zurücklegen zu müssen.
Ob es viele Mainzer/inen gibt, die das wirklich vermissen? Die meisten, insbesondere die Innenstadt-Mainzer und die Rheinufer-Mainzer wollen ihre Ruhe haben und fühlen sich von den wenigen Festen schon über Gebühr strapaziert. Andererseits ist ein bisschen mehr Leben in der Stadt immer auch gut fürs Portemonnaie des Finanzdezernenten: Der freut sich bekanntlich riesig über jeden Cent mehr an Gewerbesteuereinnahmen. Hoteliers und Gastronomen haben auch nichts gegen Geldausgebende Touristen.
Gut stünde es außerdem der »Studenten-Stadt« zu Gesicht, wenn sich die Studierenden häufiger in der Stadt blicken ließen: In den Untersuchungen des Geographischen Instituts zur Attraktivität von Mainz und Wiesbaden schneidet Mainz gerade bei jungen Menschen besser ab - weil es hier mehr Angebote gibt. Mag sein, dass in den einschlägigen Kneipen und Discos tatsächlich was los ist. Zur Belebung von Straßen und Plätze tragen diese Feierwilligen eher in den frühen Morgenstunden bei. Ob Mainz aus seinem Dornröschenschlaf erwacht, bevor es sich als schlafmützigste Stadt Deutschlands etabliert hat?
SoS

