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Editorial

Titelbild DER MAINZER Nr. 224

»Eine Hand wäscht die andere«


Eines vorab: weder habe ich einen Sonnenstich (bei dem Wetter eh unmöglich) noch fühle ich mich Johannisnacht-Alkohol-be - rauscht (die Zeilen sind kurz vor dem Mon - tags-Feuerwerk geschrieben). Es sind die »Ereignisse« im Iran (ja auch MAINZERinnen interessieren sich für Politik außerhalb der Staatsgrenzen), die zu folgenden Gedanken veranlasst haben:

Wir erleben in 2009 ein Top-Ereignis nach dem anderen. Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise, die Wahl von US-Präsident Barack Obama, zurzeit die irgendwie nicht ganz richtige Präsidentschaftswahl im Iran, in Deutschland erinnern wir uns an unser Grundgesetz, das vor 60 Jahren verabschiedet wurde, die Teilung Deutschlands ist mit dem Fall der Mauer vor 20 Jahren zu Ende gegangen und dann kommt da noch eine Bun destagwahl, deren Ergebnis völlig offen ist.

Und in Mainz? Da haben wir die Wohnbau- Krise und ein ziemlich überraschendes Ergebnis der Kommunalwahl. Nein weltbewegend ist weder diese Krise noch dieses Wahlergenis. Aber für Mainzer Verhältnisse schon einschneidend und mit überraschenden Reichweiten. Die Wohnbau-Krise, die sich allmählich nicht nur materialisiert, sondern die, so hoffen wir inständig, einer politischen Kultur und einer wirtschaftlichen Verantwortung die Tür öffnet, die mit dem »ich gebe Dir, wenn Du mir gibst« endlich aufräumt. In allen Bereichen, die seit Jockel Fuchs hab ihn selig, dem Nehmen-und-Geben-Prinzip verfallen sind, muss endlich die Devise einkehren: »Yes we can«. Aber ohne Backschich.

Das emotional und moralisch verschreckende an alle dem was zu Tage befördert wird, ist gar nicht der materielle Verlust. Sondern die Tatsache, dass so viele Menschen – in gutem Glauben und nach bestem Gewissen – mitgemacht haben. Logisch haben Hinz und Kunz mit ihren kleinen Mauscheleien nicht das finanzielle Desaster zu verantworten. Aber allein die grundlegende Einstellung, dieses »eine Hand wäscht die andere«, ist soweit verbreitet, dass einem Angst und Bange werden kann.

Die Ergebnisse der Kommunalwahl bedeuten hoffentlich auch in der Mainzer-Backschich- Mentalität eine Zäsur: Mit anderen Mehr - heiten, vor allem mit neuen Aufsichtsräten, die vorgewarnt durch alles, was ihre Amts - vorgänger mit verursacht und/oder miterleben mussten, vorsichtiger und verantwortungsvoller ihr Mandat wahrnehmen, könnte das Jahr 2009 in die Mainzer Geschichte alles eines des grundlegenden Wandels eingehen lassen.

SoS