»Eine Hand wäscht die andere«
Eines vorab: weder habe ich einen Sonnenstich (bei dem Wetter eh unmöglich) noch
fühle ich mich Johannisnacht-Alkohol-be -
rauscht (die Zeilen sind kurz vor dem Mon -
tags-Feuerwerk geschrieben). Es sind die
»Ereignisse« im Iran (ja auch MAINZERinnen
interessieren sich für Politik außerhalb der
Staatsgrenzen), die zu folgenden Gedanken
veranlasst haben:
Wir erleben in 2009 ein Top-Ereignis nach
dem anderen. Die weltweite Finanz- und
Wirtschaftskrise, die Wahl von US-Präsident
Barack Obama, zurzeit die irgendwie nicht
ganz richtige Präsidentschaftswahl im Iran,
in Deutschland erinnern wir uns an unser
Grundgesetz, das vor 60 Jahren verabschiedet
wurde, die Teilung Deutschlands ist mit
dem Fall der Mauer vor 20 Jahren zu Ende
gegangen und dann kommt da noch eine
Bun destagwahl, deren Ergebnis völlig offen
ist.
Und in Mainz? Da haben wir die Wohnbau-
Krise und ein ziemlich überraschendes
Ergebnis der Kommunalwahl.
Nein weltbewegend ist weder diese Krise
noch dieses Wahlergenis. Aber für Mainzer
Verhältnisse schon einschneidend und mit
überraschenden Reichweiten.
Die Wohnbau-Krise, die sich allmählich nicht
nur materialisiert, sondern die, so hoffen wir
inständig, einer politischen Kultur und einer
wirtschaftlichen Verantwortung die Tür öffnet,
die mit dem »ich gebe Dir, wenn Du mir
gibst« endlich aufräumt. In allen Bereichen,
die seit Jockel Fuchs hab ihn selig, dem
Nehmen-und-Geben-Prinzip verfallen sind,
muss endlich die Devise einkehren: »Yes we
can«. Aber ohne Backschich.
Das emotional und moralisch verschreckende
an alle dem was zu Tage befördert wird, ist
gar nicht der materielle Verlust. Sondern die
Tatsache, dass so viele Menschen – in gutem
Glauben und nach bestem Gewissen – mitgemacht
haben. Logisch haben Hinz und
Kunz mit ihren kleinen Mauscheleien nicht
das finanzielle Desaster zu verantworten.
Aber allein die grundlegende Einstellung,
dieses »eine Hand wäscht die andere«, ist
soweit verbreitet, dass einem Angst und
Bange werden kann.
Die Ergebnisse der Kommunalwahl bedeuten
hoffentlich auch in der Mainzer-Backschich-
Mentalität eine Zäsur: Mit anderen Mehr -
heiten, vor allem mit neuen Aufsichtsräten,
die vorgewarnt durch alles, was ihre Amts -
vorgänger mit verursacht und/oder miterleben
mussten, vorsichtiger und verantwortungsvoller
ihr Mandat wahrnehmen, könnte
das Jahr 2009 in die Mainzer Geschichte
alles eines des grundlegenden Wandels eingehen
lassen.

